EU setzt voll auf US-LNG im Kampf gegen Kreml-Abhängigkeit

Die USA wollen in diesem Jahr 15 Milliarden Kubikmeter Flüssigerdgas auf die EU-Märkte liefern, um Europa dabei zu helfen, sich von den russischen Lieferungen fossiler Brennstoffe abzukoppeln, teilten beide Seiten am Freitag mit.

EURACTIV.com mit Reuters
Joe Biden, on the left, and Ursula von der Leyen
US-Präsident Joe Biden und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigten an, dass die USA die Energiesicherheit Europas durch die Lieferung von mehr Flüssigerdgas in die Union unterstützen werden. [<a href="https://audiovisual.ec.europa.eu/en/photo-details/P-056600~2F00-03" target="_blank" rel="noopener">Xavier Lejeune / EC Audiovisual Service</a>]

Die Vereinigten Staaten wollen in diesem Jahr 15 Milliarden Kubikmeter (bcm) Flüssigerdgas (LNG) extra für die EU-Märkte liefern, um Europa dabei zu helfen, sich von den russischen Lieferungen fossiler Brennstoffe abzukoppeln, teilten beide Seiten am Freitag (25. März) mit.

„Wir wollen unsere Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen verringern und uns davon befreien“, sagte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, die neben US-Präsident Joe Biden auf einer Pressekonferenz in Brüssel sprach.

„Dies kann natürlich nur durch Investitionen in erneuerbare Energien erreicht werden, aber auch durch zusätzliche Gaslieferungen, einschließlich LNG-Lieferungen“, fügte sie hinzu.

Biden und von der Leyen kündigten die Bildung einer Energie-Taskforce an, die dazu beitragen soll, die Abhängigkeit Europas von russischen fossilen Brennstoffen zu verringern und gemeinsam an der Ausweitung erneuerbarer Energien und Energieeffizienz zu arbeiten.

Nach Angaben der Europäischen Kommission importierte Europa im Jahr 2021 155 bcm russisches Gas, was etwa 45 Prozent der Gesamtversorgung entspricht. Angesichts der hohen Gaspreise und des Krieges in der Ukraine ist Europa jedoch bestrebt, sich so schnell wie möglich von dieser Abhängigkeit zu befreien.

„Heute haben wir uns auf einen gemeinsamen Plan zur Erreichung dieses Ziels geeinigt und gleichzeitig unsere Fortschritte auf dem Weg zu einer sicheren und sauberen Energiezukunft beschleunigt“, sagte Biden.

„Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union werden zusammenarbeiten, um konkrete Maßnahmen zur Verringerung der Abhängigkeit von Erdgas zu ergreifen – Punkt. Und um die Verfügbarkeit und Nutzung erneuerbarer Energien zu maximieren“, fügte er hinzu.

Die Europäische Kommission wird auch mit den EU-Ländern zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass sie bis mindestens 2030 etwa 50 bcm zusätzliches LNG pro Jahr erhalten können, heißt es in einem vom Weißen Haus vorgelegten Informationsblatt. Dazu gehören LNG-Terminals und -Infrastruktur sowie die Verbesserung der Gasspeicherung.

„Wir wollen als Europäer eine Diversifizierung weg von Russland und hin zu Lieferanten, denen wir vertrauen, die unsere Freunde sind und die zuverlässig sind“, sagte von der Leyen.

Die Erklärung bedeutet, dass zu den 22 bcm die aus den USA letztes Jahr auf den Markt kamen, 15 bcm hinzukommen. Es handelt sich also fast um eine Verdopplung der Gasliferungen.

Umleitung der Versorgung

Da die US-amerikanischen LNG-Anlagen ihre Kapazitäten voll ausschöpfen, müsste nach Ansicht von Analysten der größte Teil des Europa zugesagten zusätzlichen Gases aus Exporten stammen, die in andere Teile der Welt gegangen wären, wie zum Beispiel nach Japan.

Das ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass die europäischen Gaspreise in den letzten Monaten oft die höchsten der Welt waren. Einige Lieferungen können jedoch nicht so einfach umgelenkt werden, da sie vertraglich festgelegt sind.

Seit Anfang des Jahres hat die EU ihre Bemühungen zur Sicherung von mehr LNG durch Gespräche mit Lieferländern beschleunigt, was zu Rekordlieferungen von 10 Milliarden Kubikmetern LNG im Januar führte. Im selben Monat stiegen die US-Lieferungen auf 4,4 Milliarden Kubikmeter – etwa das Doppelte des üblichen Wertes für diesen Monat.

Ein fehlgeleiteter und gefährlicher Weg

Umweltschutzorganisationen haben den Plan scharf kritisiert. Die NGO Global Witness bezeichnete den Plan als „fehlgeleiteten und gefährlichen Weg“, um neue Infrastrukturen für den Import von fossilem Gas nach Europa voranzutreiben.

„Europa verfügt bereits über genügend Kapazitäten, um die von den USA geplante Gasmenge zu importieren, und der Bau neuer Importterminals würde bedeuten, dass man sich auf Jahre hinaus an fossile Gasimporte bindet“, warnte Murray Worth, Leiter der Gas-Kampagne bei Global Witness.

„Eine Verdoppelung des Gases ist keine Lösung, egal ob es aus Russland oder den USA kommt. Diese Ankündigung kann und darf nicht als Rechtfertigung für weitere Projekte zur Förderung fossiler Brennstoffe in den USA dienen“, fügte er hinzu.

Stattdessen plädiert Worth dafür, dass sich Europa auf seine Energieinvestitionen und die Förderung von Bauinnovationen, Wärmepumpen und erneuerbaren Energiequellen konzentrieren sollte.

Ein großer Teil des europäischen Plans, sich von den russischen fossilen Brennstoffen zu lösen, besteht aus erneuerbaren Energien. Der Ausbau der Kapazitäten, insbesondere der Windenergie, hinkt jedoch aufgrund langwieriger und komplexer Genehmigungsverfahren hinterher.

Außerdem gibt es Branchen, die sich nicht so einfach elektrifizieren lassen, und obwohl die EU Ziele für erneuerbare Gase festgelegt hat, werden sie kurzfristig auf Gas angewiesen sein.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]