EU-Staaten diskutieren Senkung des Schutzstatus von Wölfen
Die EU-Botschafter werden am Mittwoch (15. Mai) über die Herabsetzung des Schutzstatus von Wölfen debattieren. Dieser Schritt sei nach Ansicht von Naturschützern, die ihn in einem offenen Schreiben anprangerten, wissenschaftlich nicht gerechtfertigt.
Die EU-Staaten werden am Mittwoch (15. Mai) über die Herabsetzung des Schutzstatus von Wölfen debattieren. Dieser Schritt sei nach Ansicht von Naturschützern, die ihn in einem offenen Schreiben anprangerten, wissenschaftlich nicht gerechtfertigt.
Der Punkt ist auf der Tagesordnung des Treffens der EU-Botschafter am 15. Mai vorgesehen, aber es wird keine Entscheidung erwartet. „Dies wird nur eine Orientierungsdebatte sein, um zu sehen, wie die Arbeit fortgesetzt werden kann“, erklärte ein EU-Diplomat gegenüber Euractiv.
Anderen EU-Quellen zufolge fordern einige Staaten weitere Daten über die aktuelle Situation der Tierart, bevor die Arbeit im Rat fortgesetzt werden soll. Andere Staaten wollen dagegen weitermachen und nationale Experten für Landwirtschaft und Umwelt zusammenbringen.
Die EU-Kommission schlug im Dezember 2023 vor, den Schutzstatus des Wolfes im Rahmen der internationalen Berner Konvention zum Schutz von Wildtieren zu senken. Demnach solle der Status des Wolfs von „streng geschützt“ auf „geschützte Art“ herabgestuft werden, was größere Möglichkeiten für die Jagd auf Wölfe in der EU bedeuten würde.
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begründete den Schritt damals mit der Konzentration von Wolfsrudeln in einigen europäischen Regionen, die „eine echte Gefahr, insbesondere für Nutztiere“ darstelle.
Zehn NGOs bezeichneten die Entscheidung in einem offenen Schreiben vom 8. Mai als „eindeutig politisch motivierte Kehrtwende.“ „Wir sind sehr besorgt“, heißt es in dem Schreiben, „dass die Diskussion über dieses Thema bisher weitgehend von den Interessen der Landwirtschaft und der Jagd dominiert und angetrieben wurde.“
Die EU „lehnte ähnliche Vorschläge in den Jahren 2006, 2018 und 2022 ab, da es keine gerechtfertigte wissenschaftliche Grundlage für eine Änderung [des Schutzstatus des Wolfes] gab“, heißt es in dem Schreiben weiter. „Auch jetzt gibt es keine wissenschaftliche Grundlage dafür“, schrieben die NGOs.
Im September 2023 spaltete sich das EU-Parlament in einer Debatte zu diesem Thema.
Der EVP-Koordinator für Landwirtschaft, Herbert Dorfmann, führte den Vorstoß zur Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes an, gefolgt vom gesamten konservativen bis rechten Flügel des Parlaments. Einen „streng geschützten Wolf und ein wehrloses Schaf“ zu haben, so Dorfmann, „ist ein ungerechtes Gleichgewicht.“
Anja Hazenkamp, Europaabgeordnete der Europäischen Linken, entgegnete: „Wieder einmal ist das Schießen die erste Reaktion einiger“ auf die Probleme, die durch die Koexistenz zwischen großen Raubtieren und ländlichen Gemeinden entstünden. Sie forderte „einen strengen Schutz des Wolfes […], um nicht denselben Fehler zu begehen, den wir in den letzten Jahrhunderten gemacht haben“, als die Tierart bedroht war.
Der Wolf ist eine der sechs großen Raubtierarten in Europa. Die anderen fünf sind der Braunbär, der Eurasische Luchs, der Iberische Luchs, der Vielfraß und der Goldschakal.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]