EU-Staaten werfen Russland Überfischung der Ostsee vor
Die Umwelt- und Landwirtschaftsminister der EU haben Russland am Montag (24. Juni) beschuldigt, die Ostsee zu überfischen, wo die Fischbestände in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen sind. Einige fordern nun ein Importverbot von Fischereierzeugnissen aus Russland.
Die Umwelt- und Landwirtschaftsminister der EU haben Russland am Montag (24. Juni) beschuldigt, die Ostsee zu überfischen, wo die Fischbestände in den letzten Jahren dramatisch zurückgegangen sind. Einige fordern nun ein Importverbot von Fischereierzeugnissen aus Russland.
In einer von Litauen vorgeschlagenen und von Estland, Lettland und Schweden unterstützten Diskussion der EU-Minister betonte die Ad-hoc-Koalition, dass die russische Fischerei auf Dorsch, Hering und Sprotte in der Ostsee im Widerspruch zu den Bemühungen der EU stehe, die schwindenden Fischbestände wiederherzustellen.
„Diese extrem unnachhaltigen Fischereiaktivitäten in der Ostsee untergraben unsere gemeinsamen Bemühungen, die biologischen Ressourcen dieses Meeresbeckens im Einklang mit den wissenschaftlichen Empfehlungen wiederherzustellen“, heißt es in einem Dokument, das Litauen im Vorfeld der Gespräche verbreitet hat.
Die Fischbestände in der Ostsee sind durch die starke Befischung dezimiert. Auch andere Bedrohungen wie die Eutrophierung – übermäßiges Algenwachstum, das in der Regel durch einen Überschuss an Düngemitteln im Wasser verursacht wird – und der Zufluss giftiger Stoffe aus der Industrie tragen dazu bei.
Im Rahmen der Bemühungen um den Schutz der Meeresumwelt hat Schweden, eine der größten Fischereinationen in der Ostsee, vor kurzem die Grundschleppnetzfischerei verboten. Bei dieser Methode werden schwere Netze über den Meeresboden gezogen, die die Ökosysteme schädigen und Kohlenstoff in die Ozeane freisetzen.
Die katastrophale Lage in der Ostsee hat auch dazu geführt, dass die EU den Fang von vier von zehn Fischarten für mehrere Jahre verboten hat. Dazu gehört auch ein fünfjähriges Verbot für die Dorschfischerei in der östlichen Ostsee, damit die kommerziellen Fischbestände sich erholen können.
Die vier Staaten betonten jedoch, dass die EU ihre Ziele für eine nachhaltige Fischerei nicht erreichen wird, wenn Moskau weiterhin Hering, Dorsch und Sprotte befischt.
„Das inakzeptable Vorgehen Russlands in der Ostsee verkompliziert die ohnehin schon schwierige Situation in diesen Gewässern weiter“, sagte der litauische Minister für Landwirtschaft und Fischerei, Kęstutis Navickas. Er wies darauf hin, dass diese Produkte weiterhin auf dem EU-Binnenmarkt verkauft werden.
Navickas erklärte, Litauen habe bereits den Import von Fischereierzeugnissen aus Russland und Belarus verboten und forderte ähnliche Maßnahmen auf EU-Ebene.
„Der Zugang zum EU-Binnenmarkt ist ein mächtiges Instrument. Wir fordern einen vollständigen Stopp der blutigen Importe von Fischereierzeugnissen aus dem Aggressorland in die EU“, so Navickas.
EU-Fischereikommissar Virginijus Sinkevičius erklärte, dass die Idee, die Importzölle auf russische Fischereierzeugnisse zu erhöhen, von den nationalen Delegationen bei der jüngsten Diskussion nicht unterstützt wurde. Dabei gleicht die Maßnahme derjenigen, die für russisches Getreide beschlossen wurde.
Er erklärte, dass alle Mitgliedstaaten einem solchen Schritt zustimmen müssten.
Frankreichs stellvertretender EU-Botschafter Cyril Piquemal sagte, Produkte, die nicht aus nachhaltiger Fischerei stammen, „sollten nicht auf den EU-Markt exportiert werden, weder direkt aus Russland noch über Drittstaaten.“
Der portugiesische Landwirtschaftsminister José Manuel Fernandes betonte, es sei wichtig, dass „die Kommission diesem Thema große Bedeutung beimisst. Die baltischen Staaten müssen unterstützt werden und wir müssen den Binnenmarkt schützen.“
Andere Staaten äußerten sich jedoch zurückhaltender. Der polnische Landwirtschaftsminister Czesław Siekierski warnte, dass weitere Beschränkungen für Importe russischer Fischereierzeugnisse aufgrund ihrer Bedeutung für die verarbeitende Industrie in der EU nur mit Vorsicht und nach Konsultation des Sektors eingeführt werden sollten.
[Bearbeitet von Angelo Di Mambro/Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]