EU streitet weiter über den Anbau von Genmais
Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen bleibt umstritten. Eine Studie der EU-Kommission bezeichnet die Gefahr einer Vermischung mit konventionellen Pflanzen als gering. Umweltschützer nennen das einen "schlechten Witz" und kündigen Widerstand an.
Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen bleibt umstritten. Eine Studie der EU-Kommission bezeichnet die Gefahr einer Vermischung mit konventionellen Pflanzen als gering. Umweltschützer nennen das einen „schlechten Witz“ und kündigen Widerstand an.
Europas Agrarminister sind sich uneinig, ob in Zukunft jeder selbst den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen verbieten soll. Die belgische Landwirtschaftsministerin Sabine Laruelle rechnet nicht mit einer baldigen Einigung. "Es bleibt noch eine Menge Arbeit", sagte die derzeitige Ratsvorsitzende.
In der Vergangenheit waren die Agrarminister der EU nicht in der Lage, sich auf ein generelles Verbot oder eine Erlaubnis zu einigen. Die EU-Kommission hatte darum im Juli vorgeschlagen, dass künftig jeder Mitgliedsstaat selbst entscheiden kann, ob er den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen erlaubt.
Konflikt mit der WTO?
Verbote könnten nicht mehr allein gesundheitlich, sondern auch mit wirtschaftlichen Argumenten begründet werden – etwa um gentechnikfreie Regionen zu schützen. Diesem Vorschlag müssen das EU-Parlament und die europäischen Agrar- und Umweltminister noch zustimmen.
Einige Mitgliedstaaten fürchten Konflikte mit der Welthandelsorganisation (WTO), wenn es keine EU-weiten Anbauregeln gibt. Der italienische Landwirtschaftsminister Giancarlo Galan sagte, "Das Motto ‚Jeder für sich‘ untergräbt die Fundamente der gemeinsamen Agrarpolitik". Auch die deutsche Bundesregierung steht uneinheitlichen Vorschriften einem Diplomaten zufolge skeptisch gegenüber.
Abstand halten
Kritiker befürchten außerdem, der in einem Mitgliedsstaat erlaubte gentechnisch veränderte Mais könnte sich mit herkömmlichen Arten in einem anderen Land der EU vermischen. Die EU-Kommission veröffentlichte am Montag (27. September) eine Studie, laut der die Gefahr, dass sich Genmais und konventioneller Mais vermischen, weniger hoch ist als befürchtet.
Voraussetzung dafür sei, dass das Saatgut richtig gelagert werde. So bestehe beispielsweise durch die Einhaltung eines Mindestabstands von fünfzehn bis fünfzig Metern bei der Lagerung des Saatguts kaum ein Risiko, dass beide Maissorten miteinander in Berührung kommen.
"Die empfohlenen Verfahren räumen den Mitgliedstaaten mehr Flexibilität ein, die Koexistenz gentechnisch veränderter, konventioneller und ökologischer Kulturen zu organisieren", sagte EU-Kommissar John Dalli, der für Gesundheit und Verbraucherpolitik zuständig ist. Er sieht keine Gefahr, dass der Kommissionsvorschlag gegen die Regeln der WTO verstoßen könne.
Kommission muss mit Widerstand rechnen
Die Umweltschutz-Organisation Greenpeace widerspricht den Ergebnissen der Kommissionsstudie und bezeichnet sie als "schlechten Witz". Forschungen hätten ergeben, dass Maispollen bis zu einem Kilometer weit fliegen. Verunreinigungen konventioneller Pflanzen würden durch Abstände von bis zu fünfzig Metern also nicht verhindert, "sondern sind geradezu vorprogrammiert", so eine Sprecherin.
Die Organisation fordert, es solle vorerst keine neuen Zulassungen für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen geben. Zuvor müsse man völlige Klarheit über die möglichen Gefahren von gentechnisch veränderten Pflanzen haben.
"Die Verbraucher haben immer wieder klargemacht, dass sie keine Gentechnik im Essen wollen. Da muss die Kommission nach wie vor mit Widerstand rechnen", sagte die Sprecherin abschließend.
hme
Links
EURACTIV.de: EU-Kommission lässt Genmais zu (28. Juli 2010)
EURACTIV.de: Merkel kritisiert Kommissionspläne zu Genpflanzen (22. Juli 2010)
EURACTIV.de: Anbau von Genpflanzen in der EU künftig Ländersache (13. Juli 2010)
EURACTIV.de: EU ringt um Genmais-Zulassung (1. Juli 2010)
European Coexistence Bureau: Best Practice Documents for existence of genetically modified crops with conventional and organic farming
EU-Kommission: Commission authorises six GM maize for food and feed uses (28. Juli 2010)
EU-Agrarministerrat: Ergebnisse des Treffens am 29. Juni 2010
EFSA: Gremium für Genetisch veränderte Organismen (GMO)
EU-Kommission: Gentechnisch veränderte Lebensmitteln. Übersicht
EU-Kommission: GVO: Mitgliedstaaten sollen alleinzuständig über den Anbau in ihrem Hoheitsgebiet entscheiden können (13. Juli 2010)
EU-Kommission: Questions and Answers on the EU’s new approach to the cultivation of GMOs (13. Juli 2010)
EU-Koordniation (DNR): Genehmigungsverfahren für Genpflanzen in der EU weiter umstritten (30. Juni 2010)
Bündnis Aktion Gen-Klage: Internetseite
Greenpeace: Genmais-Anbau in Deutschland. Karte.
Campact.de: Kampagne gegen Genmais in der EU