EU vs. US: Europäische Arbeitnehmer bilden sich weniger weiter

Während europäische Arbeitgeber über Fachkräftemangel klagen, zeigt eine Studie, dass sich Arbeitnehmer finanziell gestresst fühlen. Doch auch bei der Weiterbildung gibt Unterschiede im Vergleich zu Arbeitnehmern in den USA.

Euractiv.com
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"Die Menschen fühlen sich wirklich gestresst, und das zieht sich durch die gesamte Einkommensskala", sagte James Morris, Direktor für globale Unternehmensangelegenheiten und Interessenvertretung bei PWC, auf einer Veranstaltung in Brüssel Anfang November. [Guillaume Horcajuelo (EPA-EFE)]

Während europäische Arbeitgeber über Fachkräftemangel klagen, zeigt eine Studie, dass sich Arbeitnehmer finanziell gestresst fühlen. Doch auch bei der Weiterbildung gibt Unterschiede im Vergleich zu Arbeitnehmern in den USA.

Die von der Beratungsfirma PWS durchgeführte Studie befragte fast 54.000 Arbeitnehmer in der ganzen Welt, darunter mehr als 15.000 aus 14 EU-Staaten. Sie ergab, dass sich Arbeitnehmer in Europa und weltweit finanziell stärker belastet fühlen als im Jahr 2022.

Nur 36 Prozent der Arbeitnehmer in der EU haben das Gefühl, dass sie nach dem Bezahlen der Rechnungen am Ende des Monats noch Geld übrig haben, das sind sieben Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

„Die Menschen fühlen sich wirklich gestresst, und das zieht sich durch die gesamte Einkommensskala“, sagte James Morris, Direktor für globale Unternehmensangelegenheiten und Interessenvertretung bei PWC, auf einer Veranstaltung in Brüssel Anfang November. Die Inflation ist für die Arbeitnehmer eindeutig spürbar, obwohl sich die Wirtschaft noch recht gut hält und die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordtief liegt.

Gleichzeitig scheinen Arbeitnehmer bereit zu sein, etwas dagegen zu unternehmen: Fast ein Viertel der befragten Arbeitnehmer in der EU plant, in den nächsten zwölf Monaten den Arbeitsplatz zu wechseln – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum letzten Jahr. Angesichts der niedrigen Arbeitslosigkeit und des Arbeitskräftemangels, über den die Arbeitgeber auf dem gesamten Kontinent klagen, könnte diese Bereitschaft zu Veränderungen zu steigenden Löhnen führen.

Vorbereitung auf die Zukunft

Der finanzielle Stress könnte jedoch auch die Art und Weise beeinflussen, wie Arbeitnehmer für ihre Zukunft planen und investieren. Der Fokus könnte stattdessen auf kurzfristigen Liquiditätsproblemen liegen.

Im Vergleich zu ihren Kollegen in den USA und in Asien sind Arbeitnehmer in der EU seltener der Meinung, dass ihre Arbeit in den nächsten fünf Jahren eine wesentliche Veränderung ihrer Fähigkeiten erfordern wird. Nur 26 Prozent der befragten Arbeitnehmer in der EU waren dieser Meinung, im Gegensatz zu 44 Prozent in der asiatisch-pazifischen Region.

In der EU variiert diese Zahl stark je nach Spezialisierungsgrad der Arbeitnehmer. Der Studie zufolge sind Arbeitnehmer mit einer Fachausbildung 3,5-mal häufiger der Meinung, dass sich die von ihnen benötigten Qualifikationen ändern müssen, als nicht spezialisierte EU-Arbeitnehmer.

Die Studie zeigt auch, dass Arbeitnehmer in der EU weniger zuversichtlich sind als Arbeitnehmer in den USA oder Asien, dass ihre Arbeitgeber sie bei ihren Bemühungen um neue Qualifikationen unterstützen würden.

Die Struktur der europäischen Wirtschaft könnte einer der Gründe für diese relative Schwäche sein. In seiner Rede auf der PWC-Veranstaltung sagte Kommissar für Beschäftigung Nicolas Schmit, die meisten Unternehmen seien sich der Notwendigkeit von Investitionen bewusst. Aber nicht alle seien in der Lage, dieses Bewusstsein auch umzusetzen.

„Wenn ich mit den großen Automobilherstellern spreche, dann tun sie [die Investitionen] wirklich. Wenn wir mit einigen ihrer Zulieferer sprechen, haben sie bereits größere Schwierigkeiten“, sagte er.

„Und wenn man mit vielen KMUs spricht, dann wissen sie nicht genau, wie sie es schaffen können, weil sie manchmal nicht das Geld für die Investitionen oder das Personal haben.“

Schmit sieht in dem derzeitigen Arbeitskräftemangel jedoch auch eine Chance: Während früher die Arbeitgeber „das Sagen hatten“, habe sich das Blatt jetzt zugunsten der Arbeitnehmer gewendet.

„Man kann nicht einfach sagen: ‚Na ja, ich finde schon irgendwo da draußen einen außergewöhnlichen Mann oder eine außergewöhnliche Frau‘. Sie müssen also viel mehr in Ihre bestehenden Mitarbeiter investieren“, sagte Schmit.

Und da die KMU bei diesen Investitionen im Nachteil sind, forderte Schmit auch eine Unterstützung durch öffentliche Gelder, um diese Investitionen in Gang zu bringen.

[Bearbeitet von Kjeld Neubert]