EU-Weltraumagentur in Prag: Neues Hauptquartier gerät ins Stocken
Die Stadt Prag hat die geplante Auftragsvergabe für den Bau des Nová Palmovka-Gebäudes, das der neue Sitz der EU-Raumfahrtbehörde werden soll, zurückgezogen.
Die Stadt Prag hat die geplante Auftragsvergabe für den Bau des Nová Palmovka-Gebäudes, das der neue Sitz der EU-Raumfahrtbehörde werden soll, zurückgezogen.
Die Entscheidung des Prager Stadtrats ist eine Reaktion auf Einwände, die während des Ausschreibungsverfahrens vorgebracht wurden und einer weiteren Prüfung bedürfen, berichtet die Tschechische Nachrichtenagentur. Nach der derzeitigen Vereinbarung wird die EU-Agentur voraussichtlich 2026 in das neu fertiggestellte Gebäude umziehen.
Im April 2024 vergab der Prager Stadtrat die Ausschreibung für die Fertigstellung des Gebäudes an das Bauunternehmen PORR, welches mit einem Angebot von 104 Millionen Euro den Zuschlag erhielt. Die Entscheidung war jedoch nicht unproblematisch, da Zweifel daran bestanden, ob der ausgewählte Auftragnehmer die Zulassungsvoraussetzungen erfüllte und die eingereichten Unterlagen echt waren, was zur Aufhebung der Ausschreibung führte.
Der Prager Stadtrat Zdeněk Kovářík sagte, er werde den tschechischen Finanzminister Zbyněk Stanjura (beide ODS/EKR) informieren, und lehnte es ab, weitere Aussagen zu möglichen Verzögerungen des Projekts zu treffen. Kovářík führte die Situation auf Probleme mit dem tschechischen Baurecht zurück.
„Es ist eine Unannehmlichkeit, aber wir können nichts dagegen tun, es sei denn, das tschechische Parlament vereinfacht das Vergaberecht erheblich, um diese Art von juristischem Gerangel zu verhindern“, sagte Kovářík, wie die tschechische Nachrichtenagentur berichtet.
Die Verzögerungen wurden von der Opposition kritisiert, insbesondere von Ondřej Prokop, Vorsitzender der Prager Organisation ANO (Piraten) und Mitglied des Kontrollausschusses des Stadtrats.
„Die Verpflichtung, das renovierte Gebäude im Jahr 2026 an den Mieter zu übergeben, ist jetzt praktisch unerreichbar, und die Stadt riskiert eine Blamage auf internationaler Ebene“, warnte Prokop.
Die EU-Agentur für das Weltraumprogramm (EUSPA), die ursprünglich als Europäische Agentur für das globale Satellitennavigationssystem (GSA) bekannt war, hat ihren Sitz seit 2012 in Prag. Im Jahr 2021 wurde sie zur Agentur der Europäischen Union für das Weltraumprogramm und erhielt mehr Kapazitäten und Mittel.
Die Agentur beaufsichtigt die Verwaltung der EU-Raumfahrtprogramme, darunter Satelliten- und Navigationsprojekte wie Galileo, EGNOS und Copernicus.
[Bearbeitet von Kjeld Neubert]