EU-Wettbewerbsbehörde: Fusion von führenden Multimediakonzernen genehmigt
Die Europäische Kommission hat am Freitag (9. Juni) die Übernahme des französischen Verlagshauses Lagardère durch den Multimediakonzern Vivendi genehmigt. Diese ist allerdings mit einigen Auflagen behaftet, um eine Marktkonzentration zu verhindern.
Die Europäische Kommission hat am Freitag (9. Juni) die Übernahme des französischen Verlagshauses Lagardère durch den Multimediakonzern Vivendi genehmigt. Diese ist allerdings mit einigen Auflagen behaftet, um eine Marktkonzentration zu verhindern.
Die bevorstehende Fusion der beiden führenden französischen Multimediakonzerne hat zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken geführt.
Am Freitag genehmigte die EU-Wettbewerbsbehörde die Übernahme unter der Bedingung, dass Vivendi die Tochtergesellschaft Editis, den zweitgrößten französischen Verlagskonzern, veräußert.
Damit soll verhindert werden, dass Editis mit Hachette Livre, der größten Verlagsgruppe von Lagardère, fusioniert. Zusammen halten Editis und Hachette Livre in Frankreich einen Marktanteil von 71 Prozent bei der Bildungslektüre, 63 Prozent bei Wörterbüchern und 54 Prozent bei Taschenbüchern.
Vivendi, das sich im Besitz des französischen Milliardärs und Medienmagnaten Vincent Bolloré befindet, unterzeichnete am 23. April eine Verkaufsverpflichtung für Editis an International Media Invest (IMI), den führenden Medieninvestor in der Tschechischen Republik.
IMI ist bereits in Frankreich vertreten und besitzt die Vertriebsunternehmen Fnac, Darty und Casino. Sein Eigentümer, der tschechische Milliardär Daniel Křetínský, ist Anteilseigner an französischen Medien wie Le Monde, Elle, France Dimanche, Ici Paris, Marianne und Libération.
Als zweite Bedingung für die Übernahme muss Vivendi sein wöchentliches Prominentenmagazin Gala verkaufen, für das bis jetzt noch kein Käufer gefunden wurde. Vivendi prüft derzeit ‚zahlreiche Angebote‘, so das Unternehmen in einer Erklärung.
Politische Auswirkungen
Mit der Übernahme von Lagardère baut die Familie Bolloré ihre Vormachtstellung im französischen Medien- und Verlagswesen weiter aus.
Yannick Bolloré, Sohn des Eigentümers Vincent Bolloré, sagte in einem Interview mit der französischen Zeitung Le Figaro am Freitag, dass der Umsatz der Bolloré-Gruppe durch die Übernahme „von 9,6 Mrd. Euro auf 16,5 Mrd. Euro steigen“ werde.
Ende 2021 äußerten mehrere wichtige Stakeholder der Medien- und Verlagsbranche, darunter Vorstandsvorsitzende, Gewerkschaften und ehemalige Minister, ihre Besorgnis über die Übernahme von Lagardère und insbesondere von Editis durch Vivendi. Laut der ehemaligen französischen Kulturministerin Françoise Nyssen hätte dies zu einer ‚Katastrophe‘ für die Vielfalt des kulturellen Verlagswesens geführt.
Anfang 2022 musste sich Vincent Bolloré im französischen Senat mit dem Vorwurf auseinandersetzen, einen unverhältnismäßigen Einfluss auf die französische Politik mit rechtsextremen Zielen zu nehmen. Als Antwort auf die Vorwürfe des politischen Interventionismus sagte Bolloré: „Ich mache keine Politik.“
Vivendi ist Eigentümer des Fernsehsenders CNews, der den Anti-Islam-Polemiker Eric Zemmour beschäftigte. Dieser kandidierte im Jahr 2022 mit einer rechtsextremen Agenda für die Präsidentschaftswahlen und erhielt im ersten Wahlgang 7,1 Prozent der Stimmen.
C8, ein weiterer Fernsehsender, der sich im Besitz von Vivendi befindet, wurde von der französischen Regulierungsbehörde Arcom wegen des diskriminierenden Inhalts der täglichen Talkshow des Polemikers Cyril Hanouna mit einer Million Zuschauern mit einer Geldstrafe belegt.
Der Fall wurde an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) verwiesen. Dieser erklärte in seinem Urteil, dass die Strafen gerechtfertigt seien, da die Ausstrahlung der Sendung „ein abträgliches Bild von Frauen darstelle“ und darauf abziele, „Homosexuelle zu stigmatisieren und ihre Privatsphäre zu verletzen“.
Nach der Ankündigung der Übernahme bedankte sich Lagardère-Eigentümer Arnaud Lagardère in einer von AFP eingesehenen Mitteilung an die Mitarbeiter bei seinem „Freund Vincent Bolloré, der in letzter Zeit so ungerechtfertigt herausgegriffen wurde“.
Die Lagardère-Gruppe hat im Zuge der COVID-19-Krise gelitten und war von einer Übernahme durch den britischen Investmentfonds Amber Capital bedroht.
Angesichts der Schwierigkeiten der Gruppe schlug der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy vor, Bolloré solle „seinem Freund, seinem Bruder“ Arnaud Lagardère helfen.
Nächste Schritte
Die Familienholding von Bolloré, die Compagnie de l’Odet, wird am Mittwoch (14. Juni) zu ihrer Generalversammlung zusammenkommen.
[Bearbeitet von Luca Bertuzzi/Nathalie Weatherald/Kjeld Neubert]