EU will Klarheit über steigende Lebensmittelpreise

Der globale Lebensmittel-Preisindex hat die Rekordwerte des Hungerjahres 2008 erreicht. Dennoch solle man nicht vorschnell nach Lösungen suchen, mahnt die EU-Kommission. Zunächst müsse man genau feststellen, worauf der Anstieg zurückzuführen ist.

Steigende Preise für Weizen, Mais, Soja, Öl und Zucker lassen die globalen Lebensmittelpreise in die Höhe schnellen. Foto: dpa
Steigende Preise für Weizen, Mais, Soja, Öl und Zucker lassen die globalen Lebensmittelpreise in die Höhe schnellen. Foto: dpa

Der globale Lebensmittel-Preisindex hat die Rekordwerte des Hungerjahres 2008 erreicht. Dennoch solle man nicht vorschnell nach Lösungen suchen, mahnt die EU-Kommission. Zunächst müsse man genau feststellen, worauf der Anstieg zurückzuführen ist.

Vertreter der EU-Kommission erklärten am Donnerstag, dass nicht vorschnell nach Lösungen gesucht werden soll, um einen erneuten Anstieg der weltweiten Lebensmittelpreise zu stoppen. Zunächst müssten die Spitzenpolitiker der reichsten Volkswirtschaften, die sich Ende des Monats zu einem G20-Treffen versammeln, genau feststellen, worauf der Anstieg zurückzuführen ist.

Befürchtungen, dass sich die Krise von 2007-2008 wiederholen könnte, seien nicht vollkommen begründet, erklärten Beamte der Brüsseler Behörde. Letzte Woche hatte die Veröffentlichung des globalen Lebenmittel-Preisindex der UN für Unruhe gesorgt. Diesem zufolge waren die Großhandelspreise für Agrarrohstoffe in der zweiten Hälfte des Jahres 2010 um 32 Prozent angestiegen.

"Nicht allgemeingültig"

EU-Beamte betonten jedoch, dass die Ergebnisse der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UN (Food and Agriculture Organization, FAO) "nicht allgemeingültig" seien. Der Preisindex berücksichtige lediglich den Exportanteil der Entwicklungsländer pro Rohstoff.

Was treibt die Preise nach oben? Viel sei beispielsweise schon berichtet worden über die Auswirkung der stark wachsenden Nachfrage aus Entwicklungsländern auf die Preise, sowie über sinkende Gewinne auf Grund unvorhersehbarer Wetterbedingungen und die Auswirkungen der Biotreibstoffproduktion auf die Energiepreise.

Preise von völlig unterschiedlichen Faktoren abhängig

Den Beamten zufolge ist das größte Problem jedoch die Verbindung zwischen den Agrarmärkten und anderen Rohstoffmärkten, die mit der Landwirtschaft nichts zu tun haben. Während Hypothesen über Trends bei Lebensmittelpreisen in der Vergangenheit auf Agrarhandelsmuster beruhten, seien die Preise derzeit von völlig unterschiedlichen Faktoren abhängig.

Insbesondere trieben die Finanzmärkte die Preise ungeachtet der tatsächlichen "Agrar-Realitäten" nach oben und unten, merkte einer der Beamten an.

Die Anmerkungen der EU-Beamten über die Lebensmittelpreise wurden gegenüber Journalisten gemacht, die an einem Briefing zu neuen Marktprognosen für die landwirtschaftliche Produktion und Verbrauch in der EU zwischen 2010 und 2020 teilnahmen.

Die Lebensmittelblase platzen lassen

Derweil schreibt der Umweltanalyst Lester Brown, Präsident des in Washington ansässigen "Earth Policy Institute" in der Zeitschrift "Foreign Policy", dass die große Lebensmittelkrise 2011 "sehr konkret" sei und nicht so bald vorbei sein werde.

In den letzten Jahrzehnten habe man eine "Lebensmittelproduktionsblase" geschaffen – eine Blase, die auf Umwelttrends beruhe, die nicht nachhaltig sind. Hierzu gehöre die Überforderung des Grundwasserspiegels, ein "Überpflügen" des Landes und die Überlastung der Atmosphäre durch Kohlendioxid, so Brown. Die Frage sei nicht, ob die Blase platzen werde, sondern wann.

In seinem neuen Buch über die Lebensmittelblase, argumentiert er, die Welt sei "nur eine kleine Ernte entfernt vom Chaos". Wenn die Lebensmittelblase platzt, würden die Lebensmittelpreise weltweit stark steigen. Dies werde die wirtschaftliche und politische Stabilität überall bedrohen.

Eine Umverteilung von Steuerressourcen aus den Militärhaushalten an die Budgets für die Klima- und Bevölkerungsstabilisierung, den Wasserschutz und für andere neue Sicherheitsbedrohungen sei dringend notwendig, so Brown.

EURACTIV.com

Links

Dokumente

EU-Kommission: "Agricultural Policy Perspectives" Briefs

EU-Kommission: Economic analysis and market forecasts Prospects for agricultural markets and income 2010-2020