EU wird Masern bis 2010 nicht ausrotten können [DE]
Eine heute (7. Januar 2009) veröffentlichte Studie lässt erkennen, dass die Masern auch weiterhin eine ernstzunehmende Gefahr für die Gesundheit der europäischen Bürger darstellen werden. Es bestehen nun Zweifel, ob die EU ihr Ziel, die Krankheit innerhalb ihrer Grenzen bis 2010 auszurotten, umsetzen kann.
Eine heute (7. Januar 2009) veröffentlichte Studie lässt erkennen, dass die Masern auch weiterhin eine ernstzunehmende Gefahr für die Gesundheit der europäischen Bürger darstellen werden. Es bestehen nun Zweifel, ob die EU ihr Ziel, die Krankheit innerhalb ihrer Grenzen bis 2010 auszurotten, umsetzen kann.
Aus der von der internationalen Medizin-Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichte und von der Europäischen Kommission kofinanzierte Studie geht hervor, dass Masern in Europa auch weiterhin verbreitet seien, obwohl die Masern-Impfung seit mehr als 20 Jahren zu den routinemäßigen Kinderimpfungen gehöre.
Diese Ergebnisse ließen „erhebliche Zweifel“ daran aufkommen, dass die EU und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihr Ziel umsetzen können, die Krankheit in Europa bis 2010 auszurotten, so die Studie.
In der von EUVAC.NET erarbeiteten Studie wurden Daten aus 32 europäischen Ländern aus den Jahren 2006 und 2007 ausgewertet und dabei über 12 000 Masernfälle festgestellt. 85% dieser Fälle traten in fünf europäischen Ländern auf: Deutschland, Italien, Rumänien, Schweiz und Großbritannien.
In dem Bericht zeigt man sich besorgt, dass die Zahl der Impfungen in einigen Gegenden hinter die Erwartungen zurückgefallen sei. Vermehrt auftretende Masernfälle in einigen europäischen Ländern würden auf eine verbesserungsfähige Impfungsrate hinweisen, so der Bericht. Masern brächen beispielsweise häufig bei Menschen im niederländischen Bibelgürtel auf, die die Impfung aus religiösen Gründen ablehnten. Außerdem seien die nicht sesshaften und nicht geimpften Gemeinschaften der Sinti und Roma in Rumänien stark betroffen.
Dem Bericht zufolge könne dem entgegengewirkt werden, wenn die Länder spezifische Hindernisse für die Ausrottung der Masern identifizierten und beobachteten und anschließend angemessene Maßnahmen ausarbeiteten.
Die Immunologie-Experten Jacques Kremer und Claude Muller vom Luxemburger Laboratoire National de Santé (CRP) kommentierten die Ergebnisse und sagten, es müssten Fortschritte erzielt werden, wenn man nicht in die peinliche Situation geraten wolle, in der ein aus Europa stammender Masernvirus in großem Maße auf Entwicklungsländer übergreife und dort viele Todesfälle verursache.
Das größte Risiko, so Kremer und Muller, sei, dass Europa die Masern in Länder mit schlechten Gesundheitssystemen und hohen Sterblichkeitsraten bringen könnte. In Südamerika sei es bereits zu einigen Masernausbrüchen gekommen, nachdem das Masernvirus aus Europa in die Region gelangt sei.
Reiche Länder sollten verantwortungsvoll handeln, meinten sie, so dass ressourcenarme Länder sich nicht darum sorgen müssten, dass das Virus von Europa wieder zu ihnen gelangen könnte.
Eine optimale Impfungsrate und eine verbesserte Überwachung seien die Eckpunkte des Ausrottungsplans für Europa, schloss der Bericht.