Krisenvorbereitung: EU-Kommissarin schlägt Katastrophenschutz-Erasmus vor

Junge Europäer müssen besser auf den Konfliktfall oder einer Katastrophe vorbereitet werden, so EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib. Ein Schüleraustausch für den Katastrophenschutz soll die europäische Vermittlung von Fachwissen erleichtern.

EURACTIV.com
Daily life in Lviv amid the Russian invasion of Ukraine
Ihre Idee eines „Erasmus für 16- bis 18-Jährige“ in der EU und darüber hinaus präsentierte sie, kurz nach einem mit Jugendlichen in der Ukraine. [EPA-EFE/Wojtek Jargilo POLAND OUT]

Junge Europäer müssen besser auf den Konfliktfall oder einer Katastrophe vorbereitet werden, so EU-Kommissarin für Krisenmanagement, Hadja Lahbib. Ein Schüleraustausch für den Katastrophenschutz soll die europäische Vermittlung von Fachwissen erleichtern.

Stellen Sie sich vor, ein Teenager oder Student würde sich monatelang oder sogar ein ganzes Jahr lang von der Uni freistellen lassen, um von den Besten in ganz Europa zu lernen, wie man sich im Krisenfall verhält. Zwar handelt es sich vorerst nur um eine Idee, doch EU-Krisenkommissarin Lahbib ist davon überzeugt, dass es wichtig sei, Jugendlichen Fachwissen in den Bereichen Risikomanagement und -prävention zu vermitteln.

Ihre Idee eines „Erasmus für 16- bis 18-Jährige“ in der EU und darüber hinaus präsentierte sie, kurz nach einem mit Jugendlichen in der Ukraine. Dort lernte sie, wie man an Bord eines Busses im Falle einer Naturkatastrophe oder eines chemischen Angriffs reagieren sollte.

Erasmus ist ein europaweites Projekt, das es Studierenden ermöglicht, im Rahmen ihres regulären Studiums an einer anderen Universität zu studieren. Jungen Menschen wird auch die Möglichkeit geboten, sich dem Europäischen Solidaritätskorps anzuschließen und für kurze Zeit ehrenamtlich humanitären Hilfe zu leisten.

Lahbib, ist für die Ausarbeitung einer Bereitschaftsstrategie für Zivilisten und den gewerblichen Sektor für Notfälle wie Kriege oder Naturkatastrophen zuständig. Ihrer Meinung nach könnten junge Menschen durch Europa reisen und von jedem Land etwas lernen.

Frankreich kämpfe gegen Waldbrände, die Ukraine gegen feindliche Angriffe und Finnland und Italien hätten beispielsweise ebenfalls spezifische Erfahrungen im Katastrophenfall zu teilen, erklärte Lahbib.

Das Ziel sei es, junge Europäer auf Risiken vorzubereiten und ihnen beizubringen, wie sie auf Angriffe von außerhalb, Cyberangriffe, oder hybride Angriffe, aber auch Brände, Überschwemmungen, Pandemien, Terrorismus und Desinformation reagieren können.

„Surrealistischen“ Szenen von Menschen, die sich zu Beginn der COVID-19-Pandemie in Supermarktgängen um Toilettenpapier streiten, könnten in Zukunft vermieden werden.

Das europäische Interesse an einer Bereitschaftsstrategie kommt daher, dass Krisen und Katastrophenereignisse, wie Kriege, Naturkatastrophen und Pandemien, die Gesellschaften erheblich stören und immer häufiger auftreten.

Es war jedoch Finnland, das zuerst eine europaweite Strategie vorschlug. Der ehemalige Präsident Sauli Niniistö verfasste den Bereitschaftsbericht, der als Grundlage für zukünftige Plan vermarktet wurde.

Finnland und Schweden sind die EU-Vorreiter, was die Bereitschaft ihrer Gesellschaften für den Kriegsfall angeht. Einwohner erhalten beispielsweise Infomaterial, welches beschreibt wird, wie man sich auf eine Krise vorbereitet und darauf reagiert.

Da die Staaten vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine keinem Militärbündnis wie der NATO angehörten, war das Maß der Bereitschaft, sich auf den Krisenfall vorzubereiten, höher als bei den anderen EU-Staaten.

[ATB/KN]