Europaabgeordneter: Entwicklungsländer sollen Tuberkulose-Impfstoffe vor Ort produzieren
Ein Drittel der Weltbevölkerung ist Schätzungen zufolge mit Tuberkulose-Bakterien infiziert. Dennoch haben Arzneimittelhersteller nur wenige Anreize, Medikamente für die Bekämpfung der tödlichen, aber heilbaren Krankheit herzustellen. EURACTIV Brüssel berichtet.
Ein Drittel der Weltbevölkerung ist Schätzungen zufolge mit Tuberkulose-Bakterien infiziert. Dennoch haben Arzneimittelhersteller nur wenige Anreize, Medikamente für die Bekämpfung der tödlichen, aber heilbaren Krankheit herzustellen. EURACTIV Brüssel berichtet.
Lucica Ditiut ist die Geschäftsführerin von Stop TB Partnership, einem internationalen Gremium, das den Kampf gegen Tuberkulose von Regierungsbehörden, Gebern und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) koordiniert. Bei einer Rede vor dem Europaparlament hob sie die große weltweite gesundheitliche Belastung durch Tuberkulose hervor.
Tuberkulose ist eine weitverbreitete, in vielen Fällen tödliche, ansteckende Krankheit. Sie greift die Lungen an, kann aber auch andere Organe beeinträchtigen. Bei einer offenen Lungentuberkulose scheiden Erkrankte die Erreger vor allem beim Husten und Niesen aus. Dabei gelangen feinste erregerhaltige Tröpfchenkerne in die Luft und können anschließend von anderen Menschen eingeatmet werden.
Die meisten Betroffenen haben aber keine Symptome. In diesem Fall handelt es sich um latente Tuberkulose. Eine von zehn latenten Infektionen wird aktiv. Bei Nichtbehandlung endet sie für mehr als die Hälfte der Betroffenen tödlich.
„Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind zwei Milliarden Menschen oder ein Drittel der Weltbevölkerung mit dem Tuberkulose-Bazillus, den Mikroben, die Tuberkulose verursachen, infiziert“, sagte Ditiu. „Das ist also eine große Zahl und wir können nicht passiv bleiben und nur zuschauen. Wir haben das Problem, dass über die Jahre durchweg Menschen nicht diagnostiziert, behandelt oder keine richtige Nachuntersuchung bekommen haben und Gott weiß, welche Art von Behandlung sie nehmen.“
Kommissionsbeamte erinnerten an die kostenintensive Behandlung, die Tuberkulose erfordert. In der Vergangenheit habe es ein weltweites Lieferungsproblem gegeben.
„Ich muss Sie daran erinnern, dass es ein Patentproblem gibt, weil diese Medikamente nicht mehr länger durch Patente geschützt werden“, sagte Walter Seidel, Leiter der Abteilung Bildung, Gesundheit, Forschung und Kultur in der Generaldirektion Entwicklungszusammenarbeit der Kommission.
„Einige der Medikamente können aufgrund der anspruchsvollen Technologie nur schwer produziert werden, aber es gibt auch einen anderen Aspekt. Einer ist ganz besonders wichtig für Tuberkulose: Es ist eine Krankheit der Armen und die Armen haben nicht die Kaufkraft und es gibt nur wenige Marktanreize für die Produktion von Medikamenten für Tuberkulose. Es ist auch ein hoch reglementierter Markt, was es für Produzenten weniger attraktiv macht.“
Ditiu ist anderer Meinung. Es gebe für alle ein Risiko, Tuberkulose zu bekommen. „Leider können wir nicht die Luft wählen, die wir atmen und Tuberkulose verbreitet sich über die Luft. Es ist eine grenzüberschreitende Krankheit. Es stimmt, dass es eine Krankheit der Armen ist, aber wir sollten auch hinzufügen, dass es eigentlich eine Krankheit von jedermann ist und wir nennen London sogar die Tuberkulose-Hauptstadt in Europa, weil London ein großes und wachsendes Problem mit Tuberkulose-Fällen hat.“
Lokale Produktion
Sein Unternehmen habe ein Programm gehabt, das sich auf die Entwicklung von Medikamenten für Tuberkulose konzentriere, sagte Iain Richardson, Geschäftsführer Produktion bei dem pharmazeutischen Unternehmen Eli Lilly. Das Unternehmen zog sich aber wegen Problemen des Angebots und der Nachfrage aus dem Geschäft zurück.
„Viele Jahre lang gaben wir Zuschüsse und es wurde unser Ziel, Partner zu finden, die ein nachhaltiges Geschäft fortsetzen können“, so Richardson.
Die Entwicklungsländer müssten die örtliche Produktion von Tuberkulose-Medikamenten stützen, forderte der britische Europaabgeordnete Nirj Deva, Mitglied der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten (EKR).
„Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Kleinstunternehmen bilden die Plattform für unsere freie Marktwirtschaft, aber wir brauchen eine verstärkte inländische Produktion. Wir brauchen einen ganzheitlichen lokalen Ansatz, um eine nachhaltige Produktion zur Kostenreduzierung für Medikamente aufzubauen, während ihre Verfügbarkeit in den Gebieten, wo sie am meisten gebraucht wird, erhöht wird“, sagte Deva.
Allerdings nannte er auch Herausforderungen wie den Mangel an Ausstattung, qualifiziertem Personal sowie Marktbarrieren.
„KMU in Entwicklungsländern sind oft mit größeren Regulierungslasten konfrontiert als in der EU. In Entwicklungsländern haben sie oft keinen Datenschutz und die Schaffung einer unternehmerfreundlichen Umgebung und die Einbringung der KMU in die formale Wirtschaft und sie dort zu halten, muss ebenso Priorität werden wie der Bürokratieabbau“, so der Brite.