Europäische Städte tauschen Best-Practice-Beispiele zur Integration Eingewanderter aus
Die Zusammenarbeit und der Wissensaustausch zwischen europäischen Städten können laut Expert:innen bei der Integration von Neuankömmlingen eine Schlüsselrolle spielen.
Die Zusammenarbeit und der Wissensaustausch zwischen europäischen Städten können laut Expert:innen bei der Integration von Neuankömmlingen eine Schlüsselrolle spielen.
„Die lokalen Gemeinden sind der Ort, an dem Integration stattfindet, durch Arbeit und Ausbildung“, so Katerina Dimitrakopoulou von der Generaldirektion Migration der EU-Kommission. Sie wies dabei auf die zentrale Rolle lokaler Behörden bei der Integration Zugewanderter hin.
Etwa 8,4 Prozent der EU-Bevölkerung sind außerhalb der EU geboren. Nach Angaben der Kommission lassen sich jedes Jahr zwischen zwei und drei Millionen Drittstaatsangehörige in der EU nieder, um zu arbeiten oder zu studieren.
Um die europäischen Städte und Regionen bei der Bewältigung des Zuzugs von Einwander:innen zu unterstützen, haben die EU-Kommission und der Ausschuss der Regionen im März 2021 eine Partnerschaft ins Leben gerufen, die darauf abzielt, die Kapazitäten zu erhöhen und den Austausch von Know-how zwischen lokalen Kommunen zu fördern.
„Unsere Aufgabe ist es, Menschen, Staaten, Regionen und Städte miteinander zu verbinden und dafür zu sorgen, dass alle bewährten Verfahren […] entsprechend weitergegeben werden“, sagte Dimitrakopoulou.
Austausch bewährter Praktiken
Nach Ansicht von Fachleuten ist der Wissensaustausch besonders für kleinere Städte wichtig, die oft nicht über die gleichen Kapazitäten und Mittel verfügen, um Migrant:innen aufzunehmen, wie Großstädte.
„Wir haben Städte, die bereits wissen, wie man mit Migration lebt“, sagte Barbara Kuznik vom Rat der Gemeinden und Regionen Europas (RGRE) gegenüber EURACTIV und fügte hinzu, dass diese Städte anderen EU-Städten als Modell für den Umgang mit Neuzuwanderung dienen könnten.
Kuznik arbeitet derzeit an dem Projekt IncluCities, das es mittelgroßen Städten ermöglichen soll, kleinere Städte bei der Integration zu beraten.
„Der Austausch unserer eigenen Erfahrungen hilft uns, über die Art und Weise nachzudenken, wie wir unsere Dienstleistungen anbieten und verbessern“, erklärte Juan Carlos Hernández Navas, technischer Direktor für städtische Projekte im spanischen Fuenlabrada, das die griechische Stadt Livadia bei den Beschäftigungsmöglichkeiten für Zuwanderer berät.
Partnerschaften zwischen europäischen Städten zielen ebenfalls darauf ab, die soziale Eingliederung von Migrant:innen zu verbessern.
Die italienische Stadt Capaci beispielsweise führt ein Projekt durch, bei dem Neuankömmlinge und Einheimische im Rahmen sozialer Aktivitäten zusammengebracht werden. Dabei wird sie von der belgischen Stadt Mechelen, die 86.000 Einwohner mit 130 verschiedenen Nationalitäten zählt, unterstützt.
„Wir haben acht Paare zwischen alt eingesessenen Einwohner:innen und Neuankömmlingen gebildet, die ein ähnliches Sozialleben haben“, erklärte der Bürgermeister von Capaci, Pietro Puccio, gegenüber EURACTIV und fügte hinzu, dass dies den neuen Einwohner:innen helfe, sich vollständig in das Stadtleben zu integrieren.
Ausweitung der Integrationsstrategien
Dem italienischen Bürgermeister zufolge besteht das langfristige Ziel der Maßnahme darin, eine Strategie zu entwickeln, die im ganzen Land angewandt werden kann.
„Wir arbeiten an einer Absichtserklärung für das Innenministerium, um diese Erfahrung auf 8.000 italienische Gemeinden auszuweiten“, sagte er.
Nach Ansicht von Carla Rey, Generalsekretärin des italienischen Verbands des Rates der Gemeinden und Regionen Europas (AICCRE), lassen sich Integrationskonzepte, die in einem kleinen Rahmen entwickelt wurden, leichter auf größere Gebiete übertragen.
Außerdem könnten sie sich auf lange Sicht als effizienter erweisen.
„Die Kultur einer Stadt zu verändern, reicht nicht aus, um die Kultur eines ganzen Landes zu verändern. Deshalb ist es wichtig, Konzepte zu entwickeln, die an den größeren nationalen Kontext angepasst werden können“, sagte sie.
[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]