Europas Kulturhauptstädte 2016: San Sebastián und Breslau
Im baskischen San Sebastián und im polnischen Breslau darf man sich bald über die Aufmerksamkeit Europas freuen: 2016 teilen sie sich den Titel "Kulturhauptstadt Europas".
Im baskischen San Sebastián und im polnischen Breslau darf man sich bald über die Aufmerksamkeit Europas freuen: 2016 teilen sie sich den Titel „Kulturhauptstadt Europas“.
San Sebastián (Spanien) und Breslau (Polen) teilen sich 2016 den Titel "Kulturhauptstadt Europas". Beide Städte wurden von einer unabhängigen Jury vorgeschlagen, die offizielle Ernennung durch den EU-Ministerrat ist für Mai 2012 geplant. Polen und Spanien sind die beiden Mitgliedsstaaten, die für das Jahr 2016 eine europäische Kulturhauptstadt benennen durften.
San Sebastián (offiziell: Donostia-San Sebastián) ist die Hauptstadt der Provinz Guipúzcoa in der spanischen Autonomen Gemeinschaft Baskenland. Die 185.000-Einwohner-Stadt liegt etwa 20 Kilometer westlich der französischen Grenze im Bogen des Golfs von Biskaya an der Atlantikküste.
Breslau (polnisch: Wroc?aw) an der Oder ist mit mehr als 630.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Polens. Die Stadt liegt in einer Landwirtschafts- und Bergbauregion und ist zudem bekannt als Standort für den Maschinenbau und die Metallindustrie.
EU-Kulturkommissarin Androulla Vassiliou gratulierte beiden Städten. "Um den Titel für 2016 bewarben sich in Spanien 15 Städte – die höchste Beteiligung seit dem Start der Initiative ‚Kulturhauptstadt Europas‘ 1985", so Vassiliou. Auch die Qualität der 11 polnischen Bewerbungen sei "hervorragend" gewesen. Langfristig könnten San Sebastián und Breslau mit dem Titel einen "spürbaren kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gewinn für Stadt und Umland zu erzielen.“
2010 konnte sich unter anderem Essen gemeinsam mit dem Ruhrgebiet ("Ruhr 2010") mit dem Titel schmücken und zog zu Beginn des Jahres eine positive Bilanz (EURACTIV.de vom 17. Januar 2011). 2011 sind das finnische Turku und das estnische Tallin Europas Kulturhauptstädte (EURACTIV.de vom 17. Januar 2011).
Titel kann Touristen anziehen
Eine Studie im Auftrag der EU-Kommission kam zu dem Ergebnis, dass insbesondere die Anzahl touristischer Aufenthalte mit mindestens einer Übernachtung in Kulturhauptstädten im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um 12 Prozent gestiegen ist. In Liverpool 2008 und in Sibiu (Rumänien) 2007 wurde ein Anstieg um 25 Prozent verzeichnet.
Fraglich bleibt allerdings, wie nachhaltig der Titel wirkt. Das österreichische Linz, Kulturhauptstadt von 2009, vermeldete Einbußen beim Tourismus von 15 Prozent.
Hintergrund: Kulturhauptstadt Europas
In einem Beschluss des Europäischen Parlaments und des Rates aus dem Jahr 2006 wurde festgelegt, welche Länderpaare bis 2019 den Titel erhalten.
2017 sind Dänemark und Zypern an der Reihe, 2018 die Niederlande und Malta, 2019 Italien und Bulgarien.
Die europäischen Kulturhauptstädte werden von einer unabhängigen Jury ausgewählt: Zunächst wird eine Liste der in die engere Wahl kommenden Städte erstellt, neun Monate später folgt die Endauswahl. Die beiden ausgewählten Städte (eine je Land) werden dann vom EU-Ministerrat offiziell ernannt.
Mit der Prüfung der Bewerbungen war eine Jury aus 13 Kulturexperten beauftragt; sechs Mitglieder wurden von dem betreffenden Mitgliedsstaat benannt, die anderen sieben von den EU-Institutionen.
In Spanien bewarben sich 15 Städte um den Titel: Alcalá de Henares, Burgos, Cáceres, Córdoba, Cuenca, San Sebastián, Málaga, Murcia, Oviedo, Las Palmas de Gran Canaria, Pamplona, Santander, Segovia, Tarragona und Zaragoza. Davon kamen sechs in die engere Wahl: Burgos, Córdoba, San Sebastián, Las Palmas de Gran Canaria, Segovia und Zaragoza.
In Polen bewarben sich elf Städte – Bia?ystok, Bromberg (Bydgoszcz), Danzig (Gda?sk), Kattowitz (Katowice), Lodz (?ód?), Lublin, Thorn (Toru?), Posen (Pozna?), Stettin (Szczecin), Warschau (Warszawa) und Breslau (Wroc?aw). In die engere Auswahl kamen Danzig, Kattowitz, Lublin, Warschau und Breslau.
Die Bewerberstädte müssen ein Kulturprogramm mit einer starken europäischen Dimension aufstellen und die Beteiligung der in der Stadt und in ihrem Umland lebenden Bürger fördern sowie Besucher aus dem Ausland anlocken. Die europäische Dimension spiegelt sich in der Auswahl der Themen und der Art und Weise wider, wie die Programmveranstaltungen organisiert werden. Außerdem muss das Programm nachwirken und langfristig zur kulturellen und sozialen Entwicklung der Stadt beitragen.
Nach Turku (Finnland) und Tallinn (Estland) in diesem Jahr werden Guimarães (Portugal) und Maribor (Slowenien) die Kulturhauptstädte Europas 2012 sein, gefolgt von Marseille (Frankreich) und Kosice (Slowakei) 2013, Umeå (Schweden) und Riga (Lettland) 2014 sowie Mons (Belgien) und Pilsen (Tschechien) 2015.
Red.
Links
EU: Zusammenfassung der EU-Rechtsakte: Kulturhauptstadt Europas
EU-Kommission: Über die Kulturhauptstädte Europas
EU-Kommission: Donostia-San Sebastián wird für Spanien "Kulturhauptstadt Europas 2016" (28. Juni 2011)
EU-Kommisison: Breslau (Wroc?aw) wird für Polen "Kulturhauptstadt Europas 2016" (21. Juni 2011)
EU-Kommission: Turku und Tallinn – Kulturhauptstädte Europas 2011 (21. Dezember 2010)
EU-Kommission: Studie über die europäischen Kulturstädte / Kulturhauptstädte Europas und die Europäischen Kulturmonate (1995-2004) (Juli 2009)
RUHR.2010: RUHR.2010 zieht Bilanz: Was wurde erreicht? Was wurde gelernt? Was ist zu tun? (15. Dezember 2010)
Kulturhauptstädte Europas 2016
Breslau: Internetseite
Donostia-San Sebastián: Internetseite
Gegenwärtige Kulturhauptstädte Europas:
Presse
DerWesten: Rückblick : Kulturjahr 2010 – Finanzlöcher, Rekorde und Flops (29. Dezember 2010)
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de
Feierlichkeiten: Turku und Tallinn sind Europas neue Kulturhauptstädte (19. Januar 2011)