Europas langsamer Weg aus der Rezession
Der globale wirtschaftliche Aufschwung und die Erholung der Märkte wird länger dauern und schwächer ausfallen als erwartet. Dies geht aus kürzlich veröffentlichten Ergebnissen einer Umfrage des globalen Verbands der Buchhalter ACCA (Association of Chartered Certified Accountants) in London hervor.
Der globale wirtschaftliche Aufschwung und die Erholung der Märkte wird länger dauern und schwächer ausfallen als erwartet. Dies geht aus kürzlich veröffentlichten Ergebnissen einer Umfrage des globalen Verbands der Buchhalter ACCA (Association of Chartered Certified Accountants) in London hervor.
Die zentrale Beobachtung der Studie ist nach Ansicht von Emmanouil Schizas, Co-Autor der Studie und Poilitikberater für Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei der ACCA, dass der globalen Markterholung die Luft ausgehe. Die Anfang 2009 von den meisten Volkswirtschaften gehegte Hoffnung, schnell aus der Rezession zu kommen und zu Wachstum zurückzukehren, hat sich damit nicht erfüllt.
Stattdessen wird der Aufschwung immer langsamer und schwächer. Dies sei "in gewisser Weise ein natürlicher Vorgang" und ein Abflachen des Wachstums ist sogar von den meisten Buchhaltern erwartet worden, so Schizas im Interview mit EURACTIV.de. Nichtsdestrotrotz hatte der kurze Aufschwung in den ersten Tagen der Markterholung Anfang 2009 eine Zuversicht geschaffen, die jetzt größtenteils enttäuscht wird, obwohl die Dinge vor Ort sogar besser geworden sind.
Hohe Frustration und viel Pessimismus
Die Mitglieder des globalen Verbandes rechnen schon seit einiger Zeit mit signifikanten Verbesserungen der globalen Handelsbedingungen, die jedoch nicht materialisiert sind. Insbesondere in Asien wurde in der ersten Hälfte 2009 erwartet, dass die Volkswirtschaften "richtig anziehen" würden. Man hoffte, die Regierungen würden die Schaffung von steuerlichen und monetären Anreizen weiter unterstützen und gleichzeitig, dass die Nachfrage aus dem Westen steigen würde.
Bei den asiatischen Verbandsmitgliedern macht sich nun im globalen Vergleich eine besonders hohe Portion von Frustration und Pessimismus bemerkbar. Denn diese Wirtschaftsmärkte haben massiv in einen Aufschwung investiert, der sich nicht so schnell einstellt wie zunächst erhofft wurde. Bei den europäischen Mitgliedern hingegen ist die Frustration gegenüber den Regierungen nicht mehr ganz so hoch, da sich einige Problembereiche wieder beruhigen.
Westeuropa dümpelt hinterher
Die Situation in Westeuropa bleibt weiter sehr fragil. Hier wird man sich nach Ansicht Schizas auf die Verbraucher- und Unternehmensnachfrage verlassen müssen, um aus der Rezession zu kommen. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, dass diese Nachfrage auf Kredite angewiesen ist und dass das Kreditwachstum im Westen Europas weiterhin äußerst schwach ist.
Forschungsarbeiten der ACCA aus dem dritten und viertel Quartal 2009 hatten ergeben, dass vor allem die Staatsverschuldungen als zentrales Problem Westeuropas anzusehen sind. Sie seien ursächlich dafür verantwortlich, dass Westeuropa sich derzeit als hinterherdümpelnder Nachzügler in der globalen Markterholung erweist. In den Ländern mit den größten Schulden sind die Verbandsmitglieder sensibilisierter für die Ausgabenpolitik ihrer Regierungen und erwarten einen sehr langsamen und schwachen Aufschwung.
Osteuropa auf Wandel eingestellt
In den Ländern Osteuropas hat sich ein viel intensiverer Wandel von Einstellungen und Denkmustern vollzogen, da dieser Teil der Welt viel härter von der Rezession getroffen wurde. Unter den Finanzexperten Zentral- und Osteuropas überwiegt eine konkurrenzbetonte Einstellung, die im wesentlichen darauf abzielt, Wettbewerber entweder über den Preis, über die Qualität oder beides auszustechen.
Die Buchhalter glauben, dass eine Rückkehr zu früheren Verhältnissen unmöglich sei und bereiten sich daher auf eine kommende neue Weltwirtschaft vor. Vor diesem Hintergrund ist man der Auffassung, dass man die eigene Industrie und Wirtschaft verändern müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Offensichtliche Schwäche des Aufschwungs
Die ACCA glaubt, dass die Gefahr von Kursrückgängen zum Großteil weggefallen ist. "Die meisten Dinge, die wirklich sehr falsch laufen können, sind dabei, sich zu stabilisieren." Daher wird nun offensichtlich, wie schwach der Aufschwung wirklich ist. Da nun insgesamt erwartet wird, dass die Markterholung länger dauert, werden Erwartungen und Sichtweisen entsprechend nach unten angepasst.
Daniel Tost
Das ausführliche Interview mit Emmanouil Schizas wurde hier veröffentlicht.
Links / Downloads
ACCA: Global economic conditions survey report: Q1, 2010
ACCA: Accountants for Business: Living up to Expectations
Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose: "Erholung setzt sich fort – Risiken bleiben groß, Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2010" (April 2010)