Eurozone wächst im dritten Quartal stärker als erwartet

Das Plus ist vor allem auf das kräftige Wachstum in Spanien und die überraschend dynamische Entwicklung in Frankreich zurückzuführen.

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Die Wirtschaft der Eurozone ist im dritten Quartal 2025 um 0,2 Prozent gewachsen und hat damit die Erwartungen der Analysten übertroffen – trotz stagnierender Entwicklung in Deutschland und Italien. Das geht aus vorläufigen Daten hervor, die Eurostat, das Statistikamt der EU, am Donnerstag veröffentlicht hat.

Das Plus gegenüber dem Vorquartal markiert eine leichte Beschleunigung im Vergleich zum Wachstum von 0,1 Prozent im zweiten Quartal dieses Jahres und liegt über der von Ökonomen in einer Reuters-Umfrage prognostizierten Expansion von 0,1 Prozent.

Im Vergleich zum entsprechenden Zeitraum 2024 legte die Wirtschaftsleistung im 20-Länder-Währungsraum um 1,3 Prozent zu. In der gesamten EU fiel das Wachstum etwas stärker aus: Das Bruttoinlandsprodukt stieg hier um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal und um 1,5 Prozent im Jahresvergleich.

Das Wachstum kam trotz stagnierender Produktion in Deutschland zustande – der größten Volkswirtschaft der Eurozone –, wo die nachlassende Nachfrage aus China und die umfassenden US-Zölle von Präsident Donald Trump die exportabhängige Industrie belasten. Auch Italien, die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion, verzeichnete kein Wachstum.

Frankreich hingegen überraschte mit einem Plus von 0,5 Prozent. Steigende Unternehmensinvestitionen und höhere Exporte in der Luftfahrt trugen dazu bei. Damit übertraf die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone die Prognosen von Analysten, die lediglich ein Wachstum von 0,2 Prozent erwartet hatten – und das trotz der anhaltenden politischen Instabilität seit Präsident Emmanuel Macrons Entscheidung, im vergangenen Jahr Neuwahlen auszurufen.

In Spanien, das seit Langem als die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft der Eurozone gilt, sorgten Zuwanderung von Arbeitskräften und ein boomender Tourismussektor für ein Wachstum von 0,6 Prozent. Damit erfüllte das Land die Erwartungen der Analysten, lag aber leicht unter dem Plus von 0,8 Prozent im zweiten Quartal dieses Jahres.

Trotz hoher Energiepreise, US-Protektionismus und stärkerem Wettbewerbsdruck aus China blieb die Wirtschaft stabil. Gründe dafür sind steigende Verteidigungsausgaben in mehreren EU-Ländern und die verzögert einsetzende Wirkung der EZB-Zinssenkungen, die Investitionen und Konsum ankurbeln.

Diese gegenläufigen Kräfte spiegeln sich auch in der jüngsten Prognose des Internationalen Währungsfonds wider: Anfang Oktober hob der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Wachstumserwartung für die Eurozone 2025 von zuvor 1,0 auf 1,2 Prozent an, senkte jedoch gleichzeitig die Prognose für 2026 von 1,2 auf 1,1 Prozent.

Trotz der Erholung dürfte die Eurozone weiterhin deutlich hinter den USA zurückbleiben. Der IWF erwartet für die US-Wirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 2 Prozent.

Die Veröffentlichung der Eurostat-Daten erfolgt kurz vor der geldpolitischen Entscheidung der EZB am Donnerstag. Beobachter erwarten, dass der EZB-Rat die Leitzinsen zum dritten Mal in Folge bei zwei Prozent belassen wird.

Nach Einschätzung der EZB dürfte die Inflation in diesem Jahr auf 2,1 Prozent sinken. Gründe dafür sind ein stärkerer Euro und ein nachlassender Lohndruck. Damit liegt die Teuerung deutlich unter dem Höchststand von 10,6 Prozent nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 und nur knapp über dem EZB-Zielwert von zwei Prozent.

(jl)