EZB könnte britischen Banken bei Umzug in EU entgegenkommen
Die Europäische Zentralbank (EZB) will Banken mit Sitz in Großbritannien bei der Regulierung im Falle eines Umzugs in die Euro-Zone etwas entgegenkommen.
Die Europäische Zentralbank (EZB) will Banken mit Sitz in Großbritannien bei der Regulierung im Falle eines Umzugs in die Euro-Zone etwas entgegenkommen.
Geldhäuser könnten dann womöglich für eine begrenzte Zeit interne Berechnungsmodelle nutzen, obwohl sie noch nicht von der EZB genehmigt seien, sagte Sabine Lautenschläger, Mitglied des sechsköpfigen Führungsteams der Euro-Notenbank, am Donnerstag auf einer Veranstaltung in Frankfurt laut Redetext. Das sei aber an strikte Bedingungen gebunden, die im Einzelfall geprüft würden.
Lautenschläger, die auch stellvertretende Vorsitzende der EZB-Bankenaufsicht ist, bekräftigte zudem, dass die Bankenaufsicht keine leeren Geschäftshüllen akzeptieren werde. „Jedes Institut, das in der Euro-Zone operativ tätig ist, muss eine ‚wirkliche“ Bank sein“, sagte die Direktorin.
Die Brexit-Verhandlungen müssen laut EU-Recht bis zum 29. März 2019 abgeschlossen sein. Nach einem EU-Austritt brauchen in Großbritannien ansässige Geldhäuser eine eigene Gesellschaft mit Lizenz in einem EU-Land, um ihre Produkte und Dienstleistungen in den verbleibenden 27 Mitgliedstaaten vertreiben zu dürfen.
Zudem steht noch eine weitere Frage hinsichtlich der wirtschaftlichen Verflechtungen mit London im Raum: Wie verfahren bei der Abwicklung von Euro-Derivaten in London nach dem Brexit? Die EU-Kommission hat noch keine Entscheidung getroffen – sie sieht aber drei Wege.
Derzeit würden drei Optionen geprüft, sagte am Donnerstag der für den Finanzmarkt zuständige Vizepräsident der Brüsseler Behörde, Valdis Dombrovskis, bei der Vorstellung vereinfachter Aufsichtsregeln für den Derivatemarkt.
Zu den Optionen zählte er auch die umstrittene Verlagerung des sogenannten Clearing von Derivaten aus London in ein EU-Land nach dem britischen EU-Austritt.
Als die beiden weiteren Möglichkeiten nannte er die Anerkennung britischer Aufsichtsregeln als gleichwertig zu jenen der EU sowie das Zugriffsrecht von EU-Aufsehern auf die Abwicklungsgeschäfte bei in Euro ausgegeben Derivaten in London. „Zu diesem Zeitpunkt springen wir nicht zu Ergebnissen“, sagte Dombrovskis.
Derzeit werden die meisten Euro-Geschäfte über das Londoner Clearinghaus LCH.Clearnet abgewickelt, eine Tochter der Londoner Börse LSE.