Fast 1000 Geflüchtete seit Anfang des Jahres vor Spanien ertrunken

Mindestens 951 Menschen sind seit Anfang 2023 beim Versuch, Spanien mit dem Boot zu erreichen, ertrunken, wie aus einem neuen Bericht hervorgeht. 

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Weitere 50 Menschen sind bei dem Versuch, die Straße von Gibraltar zu überqueren, ums Leben gekommen und 21 weitere bei der Überquerung der Alboran-Route (im westlichsten Teil des Mittelmeers), so ein Bericht der spanischen NGO Caminando Fronteras (Grenzen überwinden). [Shutterstock/Riccardo Nastasi]

Mindestens 951 Menschen sind seit Anfang 2023 beim Versuch, Spanien mit dem Boot zu erreichen, ertrunken, wie aus einem neuen Bericht hervorgeht. 

Die meisten Todesfälle ereigneten sich auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln, auf der Algerienroute an der spanischen Ostküste (Levante) und bei den Balearen. Weitere 50 Menschen kamen bei dem Versuch, die Straße von Gibraltar zu überqueren, ums Leben und 21 weitere bei der Überquerung der Alboran-Route (im westlichsten Teil des Mittelmeers).

Das geht aus einem Bericht der spanischen NGO Caminando Fronteras hervor, der am Donnerstag (7. Juli) veröffentlicht wurde.

Der Bericht warnt, dass einige der Routen, „insbesondere die Kanarenroute“, tödlicher geworden seien, auch wenn die offiziellen Zahlen einen Rückgang der Ankünfte per Boot zeigten.

Vom 1. Januar bis zum 30. Juni kamen 12.192 Menschen in kleinen Schlauchbooten in Spanien an, 4,17 Prozent weniger als im Jahr 2022, wie eine neue Studie des spanischen Innenministeriums zeigt.

In den letzten sechs Monaten zählte die Organisation 49 Bootsunglücke vor Spanien, bei denen mindestens 112 Frauen und 49 Kinder ums Leben kamen.

In 14 Fällen verschwanden die in diese Tragödien verwickelten Schiffe, und ihre Insassen wurden laut dem Bericht nicht gefunden.

Chaotische Rettungsaktionen

In der ersten Jahreshälfte starben dem Bericht zufolge Menschen aus 14 Ländern in kleinen Booten vor den spanischen Küsten. Sie kamen aus Algerien, Kamerun, der Elfenbeinküste, Gambia, Guinea, Äthiopien, den Komoren, Mali, Marokko, der Demokratischen Republik Kongo, Senegal, Syrien, Sri Lanka und dem Sudan.

Die Studie geht jedoch über die Zählung der Todesopfer hinaus und analysiert, was auf den verschiedenen Routen geschieht.

Die Zahl der Toten und Vermissten auf den Seerouten nach Spanien nehme zu, obwohl der Zustrom von Booten zurückgegangen ist, weil manchmal nicht die notwendigen Suchressourcen zur Verfügung gestellt werden oder die Rettungsmaßnahmen mit Verzögerung eingeleitet würden, so die NGO.

Caminando Fronteras prangert vor allem eine „schlechte Koordination zwischen Marokko und Spanien“ an. „Im Fall von Spanien und Marokko basiert die Koordination nicht auf dem Recht auf Leben, sondern auf bilateralen Verhandlungen über die Migrationskontrolle“, heißt es in dem Bericht.

„Institutioneller Rassismus“ in Spanien und Marokko

Als Beispiel für eine mangelhafte oder gänzlich fehlende Koordinierung führt die NGO den Fall des Schiffbruchs eines kleinen Schlauchbootes an, das am 21. Juni etwa 160 Kilometer südlich von Gran Canaria gefunden wurde und bei dem 36 Menschen ums Leben kamen, wobei nur zwei Leichen geborgen wurden.

Am Tag zuvor, gegen 20 Uhr, hatte ein spanisches Flugzeug das Wrack geortet. Zu diesem Zeitpunkt befand sich ein Rettungsboot, die Guardamar Calíope, eine Stunde Fahrtzeit entfernt, um ein anderes Boot zu retten.

Spanien übergab die Koordinierung dieser Operation an Marokko, dessen Patrouillenboot erst 10 Stunden später eintraf, als das betreffende Boot bereits zerbrochen war, bemängelte Caminando Fronteras.

„Spanien stellt die Übergabe der Verantwortung an Marokko über den Schutz von Menschenleben. Die spanischen Rettungsdienste waren näher dran und verfügten über mehr Ressourcen. Obwohl die Todesfälle hätten vermieden werden können, zogen sie sich zurück, damit Marokko die Koordination übernehmen konnte“, so die NGO.

„Dies gilt nur für Migranten, aber nicht, wenn andere Gruppen, wie Fischer oder Menschen auf Sportbooten, in Gefahr sind“, beklagt die Organisation.

Die NGO spricht auch von „institutionellem Rassismus“, und verweist dabei beispielsweise auf die Behandlung der Insassen eines im Mai südlich von Gran Canaria geretteten Bootes, die bei der Ausschiffung berichteten, dass sie bei der Ausreise am Kap Boujdour beschossen wurden und zwei ihrer Begleiter auf der Überfahrt schwer verwundet gestorben waren.