Fast Hälfte der Kanadier befürworten EU-Beitritt
Kanada scheint eher eine EU-Mitgliedschaft ins Auge zu fassen anstatt Donald Trumps 51. Bundesstaat zu werden zu wollen. 46 Prozent der Kanadier würden einen EU-Beitritt unterstützen, zeigt eine neue Umfrage.
Kanada scheint eher eine EU-Mitgliedschaft ins Auge zu fassen anstatt Donald Trumps 51. Bundesstaat zu werden zu wollen. 46 Prozent der Kanadier würden einen EU-Beitritt unterstützen, zeigt eine neue Umfrage.
Während der US-Präsident wiederholt darüber nachdenkt, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA zu erklären, suchen die Kanadier jenseits des Atlantiks nach neuen Bündnissen.
Eine neue Umfrage von Abacus Data zeigt, dass fast jeder zweite Kanadier einen EU-Beitritt unterstützen würde, wobei 29 Prozent dagegen und 25 Prozent unentschlossen sind.
Das ist weitaus mehr Begeisterung als für Trumps Sezessionspläne für Kanada, die nur von zehn Prozent der Kanadier unterstützt werden.
Durchgeführt wurde die Umfrage, bevor Trump seine Pläne, dem nördlichen Nachbarn Strafzölle aufzuerlegen, in die Tat umsetzte. Der aktuelle Umstand könnte die Unterstützung für einen Beitritt zu den USA noch weiter senken.
Die Unterstützung für eine EU-Mitgliedschaft ist unter Kanadiern sogar etwas höher als unter den Briten. Im Januar ergab eine Umfrage, dass 45 Prozent der Briten für einen Wiedereintritt in die EU sind – eine Differenz, die innerhalb der Fehlerquote liegt.
Auf die Nachfrage von Euractiv, ob Kanada für eine EU-Mitgliedschaft infrage komme, antwortete die EU-Kommissionssprecherin Paula Pinho: „Wir fühlen uns durch die Ergebnisse einer solchen Umfrage geehrt.“
„Sie zeigen, wie attraktiv die EU ist. Sie zeigen, dass ein sehr großer Teil der kanadischen Bürger die EU und ihre Werte schätzt.“
Pinho schloss die europäischen Aussichten Kanadas nicht direkt aus, betonte jedoch, dass es „in den Verträgen Kriterien gibt, die vorsehen, was für einen Antrag und einen Beitritt erforderlich ist.“
Was besagen die Verträge also?
Die Verträge, auf denen die verfassungsrechtliche Grundlage der EU beruht, besagen, dass ein europäischer Staat, der die europäischen Werte respektiert, einen Antrag auf Mitgliedschaft im Staatenbund stellen kann.
Sie legen jedoch nicht fest, was einen europäischen Staat ausmacht, sodass es der Kommission und den derzeitigen Mitgliedstaaten überlassen bleibt, die Grenze zu ziehen.
In der Vergangenheit durften sich Länder außerhalb Kontinentaleuropas um eine Mitgliedschaft in der Union bewerben und ihr sogar beitreten.
1999 hat die Türkei, deren Staatsgebiet größtenteils in Westasien liegt, den Kandidatenstatus erhalten, einen wichtigen Schritt in Richtung Mitgliedschaft – auch wenn die Gespräche seit einiger Zeit auf Eis gelegt sind.
Zypern, das vollständig in Westasien liegt, trat 2004 zusammen mit den ehemaligen Ostblockländern bei.
Doch auch die Geografie hat ihre Grenzen. Der Antrag Marokkos von 1987 wurde mit der Begründung abgelehnt, dass es sich nicht um ein europäisches Land handelt.
[MM/KN]