Filmregisseur: Filme können EU helfen, ihr „Imageproblem“ zu lösen
Durch die Förderung des europäischen Filmschaffens könne die EU ihr Image, das einer bürokratischen Wirtschaftsbehörde, erweichen und ihre emotionale Seite fördern, sagte der Regisseur Wim Wenders bei einer Anhörung des Europäischen Parlaments gestern (27. Oktober).
Durch die Förderung des europäischen Filmschaffens könne die EU ihr Image, das einer bürokratischen Wirtschaftsbehörde, erweichen und ihre emotionale Seite fördern, sagte der Regisseur Wim Wenders bei einer Anhörung des Europäischen Parlaments gestern (27. Oktober).
Filme hätten den „amerikanischen Traum“ quasi erfunden und sie könnten dasselbe für Europa tun, sagte der deutsche Regisseur von Filmen wie „Paris, Texas“ und „Der Himmel über Berlin“ Teilnehmern im Parlament.
Es gebe Defizite bei Europas Image: Die EU werde als unklares wirtschaftliches Gebilde gesehen, technisch und technokratisch. Dies erkläre die Europaskepsis. Verwaltung sei ein zentraler Teil von Europas Image geworden.
Um zu wissen, wer man sei, müsse man wissen, wie man aussehe, so der Regisseur. Die EU könne ihr Image verbessern, indem sie sich mehr auf die emotionale Seite Europas konzentriere.
Europa sei „schüchtern“ mit seinen Kulturgütern
Sie Filmregisseure sähen das Kino als eine Art, das „emotionale Defizit“ in der Wahrnehmung Europas seitens der Menschen zu verbessern. Europa sei „so schüchtern“ mit seinem größten Vorteil: der Kultur.
Die Menschen respektierten Europas Wirtschaftsmacht, doch sie bewunderten Europas kulturelle Macht. Die Europäer müssten diese Macht nur richtig nutzen, aber sie täten es nicht.
Er unterstrich die Kraft des Films als Kommunikationsmedium und sagte, Filme reflektierten das Bild der Gesellschaft und zeigten Werte, aber sie formten diese auch. Es gebe keine beliebtere oder effizientere Art, Botschaften zu vermitteln. Bilder seien die „Waffen der Zukunft“.
Dieser Verkehr werde zum Halten kommen, wenn man nicht sofort handle. Ansonsten werde man nicht das Europa schaffen, von dem man träume: Nur die Verwaltung werde davon übrig bleiben und davon wären die Menschen schnell müde und satt.
Weit gestreute Skeptik
Andere Teilnehmer waren weniger optimistisch, dass ein „europäischer Traum“ noch geschaffen werden könne.
Der rechtskonservative französische Europaabgeordnete Jean-Marie Cavada (Europäische Volkspartei), Vorsitzender der Medien-Intergruppe des Europäischen Parlaments, sagte, dass Menschen, die ihre Geschichte nicht kannten, dazu verdammt seien, sie zu wiederholen. Man sehe nationalistische Mächte in Europa wieder im Anstieg. Dies zeige, dass man es nicht geschafft habe, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu schaffen.
Vielleicht sei es zu spät für die Bürokraten, sich dieses Themas anzunehmen. Man habe seine Arbeit auf EU-Ebene nicht gut genug getan und brauche einen Fonds für die Schaffung von hochwertigem Material. Man müsse sich nur den Mist ansehen, der die Fernsehbildschirme beherrsche, klagte er.
Wenders forderte, dass man junge Menschen über den Reichtum des europäischen Kinos aufkläre und bedauerte, dass das Kino in den Schulen nicht ausreichend behandelt werde.
Man lebe zur Zeit in einer Ära des Audiovisuellen: Alle Schulen hätten Fernseher und Computer, doch die audiovisuelle Welt spiele in der Schule eine untergeordnete Rolle. Wieso, fragte Wenders.
Die digitale Kluft überbrücken
Derweil sagte ein Vertreter der belgischen EU-Ratspräsidentschaft, dass das Erbe des Kinos und die Herausforderungen der Digitalisierung bei einem Treffen im November der EU-Kultusminister diskutiert werden würden.
Man wolle, dass sich nationale Kinostrategien auf das kulturelle Erbe konzentrierten, so der Vertreter der Ratspräsidentschaft. Es sei wesentlich, dass die Mitgliedsstaaten den Übergang zur Digitalisierung unterstützten. Ansonsten werde man sich mit einer Kluft wieder finden, wo viele Bildschirme nicht den Standards entsprächen.
Wenders warnte, dass die digitale Revolution viel größer sei, als man es dachte. Es gehe nicht nur um die Änderung der Verteilung sondern um die Änderung des Inhalts. Die Frage sei, ob Europa dies überleben könne.
Man müsse sicherstellen, dass man nicht den Zugang europäischer Filme zu den eigenen Kinos sperre. Viele Programmkinos hätten Probleme bei der Digitalisierung und es sei teuer für kleine Filmemacher, digitale Filme zu produzieren.
Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Zukunft der europäischen Filmindustrie liege in der Bildung, so Wenders. Die gigantische US-Filmindustrie kommuniziere hauptsächlich mit Kindern und Jugendlichen. Unsere Filmindustrie tue dies nicht und dies sei sehr schade.
Die EU-Kultusminister sollen sich nächstes Mal am 18. und 19. November treffen.