Forschende warnen vor Verdreifachung von Demenzfällen bis 2050

Einer neuen Studie zufolge werden sich die Zahl der Demenzfälle weltweit bis 2050 auf 153 Millionen fast verdreifachen. Einige Experten kritisieren jedoch diese "apokalyptischen Prognosen".

EURACTIV.com
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Im Jahr 2019 waren Frauen mit Demenz 100 zu 69 häufiger betroffen als Männer. Dieses Muster wird sich voraussichtlich auch im Jahr 2050 fortsetzen. [[SHUTTERSTOCK/pikselstock]]

Einer neuen Studie zufolge werden sich die Zahl der Demenzfälle weltweit bis 2050 auf 153 Millionen fast verdreifachen. Einige Expert:innen kritisieren jedoch diese „apokalyptischen Prognosen“.

Die Studie Global Burden of Disease, die am Freitag (7. Januar) in The Lancet Public Health veröffentlicht wurde, prognostiziert, dass die Zahl der Demenzfälle in allen 200 untersuchten Ländern steigen wird.

„Unsere Studie bietet verbesserte Prognosen für Demenz sowohl auf globaler als auch auf Länderebene und gibt politischen Entscheidungsträger:innen und Gesundheitsexpert:innen neue Einblicke, um die Triebkräfte dieses Anstiegs zu verstehen“, sagte Emma Nichols, Hauptautorin der Studie vom Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) an der University of Washington.

Den Forscher:innen zufolge ist Demenz derzeit die siebthäufigste Todesursache weltweit und eine der Hauptursachen für Behinderung und Abhängigkeit bei älteren Menschen.

Im Jahr 2019 litten schätzungsweise 57 Millionen Menschen weltweit an der Krankheit, und in der Europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind derzeit schätzungsweise 10 Millionen Menschen davon betroffen.

Während die Studie ergab, dass Westeuropa eine der am wenigsten betroffenen Regionen sein dürfte, wird die Region laut den Berechnungen einen 74-prozentigen Anstieg der Demenzfälle verzeichnen, von fast acht Millionen Fällen im Jahr 2019 auf fast 14 Millionen im Jahr 2050.

Der Nahe Osten und der Osten Afrikas südlich der Sahara werden voraussichtlich am stärksten davon betroffen sein, mit einem geschätzten Anstieg der Demenzfälle um 350 Prozent, der hauptsächlich auf das Bevölkerungswachstum zurückzuführen ist.

Weltweit werden voraussichtlich mehr Frauen als Männer von Demenz betroffen sein. „Im Jahr 2019 waren Frauen mit Demenz 100 zu 69 häufiger betroffen als Männer, und dieses Muster wird sich voraussichtlich auch im Jahr 2050 fortsetzen“, heißt es in der Studie.

„Das liegt nicht nur daran, dass Frauen tendenziell länger leben“, sagte Mitautorin Jaimie Steinmetz vom IHME und wies darauf hin, dass es Hinweise auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei den biologischen Mechanismen gibt, die der Demenz zugrunde liegen.

„Es gibt Hinweise darauf, dass sich die Alzheimer-Krankheit in den Gehirnen von Frauen anders ausbreitet als bei Männern, und mehrere genetische Risikofaktoren scheinen mit dem geschlechtsspezifischen Krankheitsrisiko zusammenzuhängen“, sagte Steinmetz.

Faktoren für Demenz

Die Studie untersuchte auch vier Risikofaktoren für Demenz – Rauchen, Übergewicht, hoher Blutzucker und niedriges Bildungsniveau – um zu sehen, wie sie sich auf die zukünftige Entwicklung der Demenz auswirken.

Die Forscher:innen betonten, dass der Schlüssel zur Bekämpfung darin liege, die Aussetzung gegenüber den wichtigsten Demenz-Risikofaktoren in jedem Land zu reduzieren. Sie stellten fest, dass ein besserer Zugang zu Bildung die Prävalenz von Demenz bis 2050 weltweit um mehr als sechs Millionen Fälle reduzieren dürfte.

Dem entgegen stehen jedoch die erwarteten Trends bei Fettleibigkeit, hohem Blutzucker und Rauchen, die laut der Studie zu weiteren fast sieben Millionen Demenzfällen führen werden.

„Wir müssen uns stärker auf die Prävention und die Kontrolle von Risikofaktoren konzentrieren, bevor sie zu Demenz führen. Selbst bescheidene Fortschritte bei der Vorbeugung von Demenz oder der Verzögerung ihres Fortschreitens würden sich bemerkenswert auszahlen“, sagte Nichols.

So müssten lokal geeignete, kostengünstige Programme ausgeweitet werden, die „eine gesündere Ernährung, mehr Bewegung, Raucherentwöhnung und einen besseren Zugang zu Bildung fördern“, fügte sie hinzu. „Und es bedeutet auch, weiterhin in die Forschung zu investieren, um wirksame Behandlungen zu finden, die Demenz aufhalten, verlangsamen oder verhindern.“

Eine Lancet-Kommission, die im Jahr 2020 veröffentlicht wurde, schlug ebenfalls vor, dass die Beseitigung von 12 bekannten Risikofaktoren bis zu 40 Prozent der Demenzfälle verhindern könnte. Dazu gehören niedriges Bildungsniveau, hoher Blutdruck und Fettleibigkeit im mittleren Lebensalter.

Kritik von Gesundheitsexpert:innen

Die Studie stieß jedoch auf Kritik. Die Ärzte Michaël Schwarzinger und Carole Dufouil vom Universitätskrankenhaus Bordeaux in Frankreich haben der Studie vorgeworfen, „die zugrunde liegenden Mechanismen, die Demenz verursachen, zu sehr zu vereinfachen“.

„Sie erstellen apokalyptische Prognosen, die ratsame Änderungen des Lebensstils im Laufe des Lebens nicht einbeziehen“, so Schwarzinger und Dufouil in einem gemeinsamen Kommentar zu der Studie.

Die beiden Ärzte, die nicht an der Studie beteiligt waren, fügten hinzu: „Es besteht ein erheblicher und dringender Bedarf, den Ansatz der öffentlichen Gesundheit in Bezug auf Demenz zu verstärken, um die Menschen und die Entscheidungsträger:innen besser über die geeigneten Mittel zur Verzögerung oder Vermeidung dieser düsteren Prognosen zu informieren“.

[Bearbeitet von Alice Taylor und Nathalie Weatherald]