Forschung im digitalen Europa: Brüssel legt neuen Fokus auf Cybersicherheit
Die Europäische Kommission hat das Arbeitsprogramm 2023-24 für das Förderprogramm "Digitales Europa" veröffentlicht. Damit setzt man in Brüssel technologiepolitische Schwerpunkte, neu ist ein eigener Abschnitt für Cybersicherheit.
Die Europäische Kommission hat das Arbeitsprogramm 2023-24 für das Förderprogramm „Digitales Europa“ veröffentlicht. Damit setzt man in Brüssel technologiepolitische Schwerpunkte, neu ist ein eigener Abschnitt für Cybersicherheit.
Zudem spielen KI, Hochleistungsrechnen und Daten spielen im Arbeitsprogramm eine wichtige Rolle. Das Programm wurde 2021 ins Leben gerufen, um Projekte im Bereich der digitalen Technologien zu finanzieren.
Das programmatische Dokument für die nächsten zwei Jahre wurde am Freitag (24. März) veröffentlicht und legt die Ziele und Schwerpunktbereiche der Finanzierung sowie die vorläufige Mittelausstattung der Maßnahmen fest, die sich auf insgesamt 909,5 Millionen Euro belaufen.
Das Programm wurde eingerichtet, um die EU bei der Bewältigung des ökologischen und des digitalen Wandels konkreter anzuleiten. Es setzt ganz konkrete Ziele und Maßnahmen in mehreren Schwerpunktbereichen, darunter Qualifikationen und Technologieakzeptanz.
Im Bereich der Cybersicherheit wurde in diesem Jahr ein spezielles Arbeitsprogramm mit umfassenden Maßnahmen zur Förderung der Erkennung von und Reaktion auf Cyberbedrohungen veröffentlicht.
Cybersicherheit
In Anbetracht der sektorübergreifenden Bedeutung der Cybersicherheit für die digitalen Ziele Europas wurde neben dem allgemeinen Dokument auch ein spezielles Arbeitsprogramm 2023-24 zur Cybersicherheit veröffentlicht.
Insbesondere werden 35 Millionen Euro in die Entwicklung eines Cybersecurity-Notfallmechanismus fließen – eine Initiative, für die die Kommission nächsten Monat einen Rechtsrahmen, das Cyberresilienzgesetz, vorlegen soll.
Aus diesem Notfallfonds werden kritische Einrichtungen finanziert, damit sie von einer Gruppe zertifizierter Sicherheitsanbieter, der sogenannten Europäischen Cyber-Reserve, auf Herz und Nieren geprüft werden können. Zudem soll ihnen bei der Reaktion auf Vorfälle geholfen werden.
Darüber hinaus wurden 84 Millionen Euro, also mehr als die Hälfte des jährlichen Budgets für Cybersicherheit, für den Ausbau der Sicherheitsoperationszentren (SOC) bereitgestellt, die als regionale Kontrollräume zur Überwachung, Vorhersage und Reaktion auf Cybervorfälle dienen sollen.
Die Idee ist, SOCs für Regionen wie das Baltikum oder den östlichen Mittelmeerraum einzurichten, damit die Mitgliedstaaten beginnen können, Informationen über Cyberbedrohungen mit ihren unmittelbaren Nachbarn zu teilen.
Ein erstes Ersuchen zur Finanzierung von SOCs wurde im Februar beschlossen. Jedoch war die Beteiligung begrenzt, da die Mitgliedstaaten wohl mehr Vorlaufzeit wünschen.
Zusammen sollten diese SOC einen „Cyber-Schutzschild“ bilden, um Bedrohungsdaten auszutauschen und die Reaktion auf Vorfälle über eine europäische Aufdeckungsinfrastruktur zu koordinieren, die im Rahmen des Gesetz zur Cyberresilienz eingerichtet und durch das Programm „Digitales Europa“ finanziert werden soll.
Darüber hinaus werden die Maßnahmen des Arbeitsprogramms mehrere Hauptziele des Programms unterstützen, darunter die Entwicklung von Fähigkeiten zur Erkennung und Analyse von Cyber-Bedrohungen, die Förderung der Koordinierung zwischen Cyber-Gemeinschaften zur Verbesserung der Reaktionen und die Unterstützung von KMU und Start-ups bei der Einhaltung von Vorschriften.
Supercomputing
Im neuen Arbeitsprogramm wird der Schwerpunkt des Programms weiterhin auf dem Hochleistungsrechnen liegen, wofür für 2023 ein Budget von 60 Millionen Euro veranschlagt wird.
Ein Großteil der Arbeiten wird sich auf das im Rahmen des vorherigen Arbeitsprogramms eingerichtete System „Destination Earth“ konzentrieren. Mit diesem Projekt soll ein digitaler Zwilling der Erde entwickelt werden, um die Auswirkungen des Klimawandels und von Naturkatastrophen zu verfolgen, zu simulieren und vorherzusagen.
Das neue Arbeitsprogramm zielt darauf ab, die Entwicklung des Systems fortzusetzen und gleichzeitig seinen Dienst zu verbessern und zu erweitern sowie neue digitale Zwillinge zu integrieren.
Cloud, Daten und KI
Im Rahmen des Arbeitsprogramms werden bis 2023 insgesamt 113 Millionen Euro für Cloud, Daten und künstliche Intelligenz aufgewendet.
In Bezug auf Cloud-Dienste konzentriert sich eine der Maßnahmen des Arbeitsprogramms auf die Einrichtung eines Büros zur Überwachung und Verbreitung von Informationen über Aktivitäten im Bereich der Cloud der nächsten Generation und Edge-Infrastrukturdienste.
Ein weiteres Ziel ist die Entwicklung einer „kommerziell tragfähigen, hochsicheren Cloud-basierten Kooperationsplattform“ zur Verwaltung grenzüberschreitender Initiativen in der Luftfahrt- und Sicherheitsindustrie.
Im Bereich der Daten wird das neue Arbeitsprogramm die Datenräume der Kommission weiterentwickeln und eine gemeinsame Plattform für offene Daten einrichten. Besondere Aufmerksamkeit wird den Datenräumen für Kulturerbe, Tourismus, Sprache und Gesundheit gewidmet.
Das Arbeitsprogramm wird auch die Entwicklung des Digitalen Produktpasses unterstützen, der auf die Förderung von Nachhaltigkeit und die Einführung einer Kreislaufwirtschaft abzielt.
Im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) legt das Arbeitsprogramm den Schwerpunkt auf die Unterstützung der Arbeit der Test- und Versuchseinrichtungen (TEF), die im Rahmen des vorangegangenen Programms eingerichtet wurden, um die Markteinführung von KI-Technologien zu fördern. Darüber hinaus sollen künftige Einrichtungen geschaffen und die Koordinierung zwischen ihnen verbessert werden.
Eine weitere Maßnahme wird sich mit der Entwicklung des EU-„Citiverse“ befassen, das immersive digitale Dienste und städtische Interaktion bieten soll.
Digitale Fertigkeiten
Im Bereich der digitalen Kompetenzen legt das Arbeitsprogramm Ziele für die Entwicklung spezialisierter Bildungsprogramme in Schlüsselbereichen fest, die Teil des politischen Ziels des digitalen Jahrzehnts sind, bis 2030 20 Millionen IKT-Spezialisten in der EU zu haben.
Das Programm zielt auch darauf ab, die Kompetenzen insbesondere in der Halbleiterindustrie zu stärken und die Arbeiten zur Einrichtung und zum Betrieb einer Akademie für Cybersicherheitskompetenzen für die Umschulung fortzusetzen. Hierbei wird ein besonderer Schwerpunkt auf die Bedürfnisse von KMU und der öffentlichen Verwaltung gelegt.
Ein weiterer Schwerpunkt des Programms ist die Förderung digitaler Kompetenzen bei jungen Menschen, insbesondere bei Mädchen, die in diesen Bereichen häufig unterrepräsentiert sind.
Technologieeinführung
Rund 108 Millionen Euro werden für die Beschleunigung der optimalen Nutzung von Technologien in fünf Schlüsselbereichen bereitgestellt: Blockchain, öffentliche Dienste, interoperables Europa, Justiz und Verbraucher sowie Vertrauen in den digitalen Wandel.
Die Maßnahmen in diesen Bereichen werden die Einführung und Übernahme digitaler Technologien unterstützen, beispielsweise durch die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung.
[Bearbeitet von Luca Bertuzzi/Zoran Radosavljevic]