Frankreich drängt auf "sehr ehrgeizige" EU-Rohstoffdiplomatie

Frankreich hat ein "sehr starkes" Interesse an der "Metalldiplomatie" und wird bei einem Treffen nächste Woche, bei dem ausländische Botschafter und Industrielle die Strategie der EU und Frankreichs in dieser Angelegenheit diskutieren werden, auf ein sehr ehrgeiziges EU-Gesetz zu kritischen Rohstoffen drängen.

EURACTIV France
Congo president Tshisekedi in Paris
Der französische Staatspräsident, Emmanuel Macron (l.), empfängt den Präsidenten der DR Kongo, Félix Tshisekedi, in Paris. [EPA-EFE/IAN LANGSDON ]

Frankreich habe ein „sehr starkes“ Interesse an der „Rohstoffdiplomatie.“ Beim Treffen der Staats- und Regierungsoberhäupter will Paris den Rest der EU von seiner Strategie überzeugen.

Laut Benjamin Gallezot, Frankreichs Beauftragter für die Versorgung mit strategischen Mineralien und Metallen, wird die Nachfrage nach seltenen Metallen in den kommenden Jahren voraussichtlich exponentiell steigen.

Bei Lithium „wird erwartet, dass sich der Bedarf bis 2040 verzehnfachen wird“, sagte Gallezot am Mittwoch (15. März) vor dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des französischen Parlaments.

Die Beschaffung strategischer Metalle und Mineralien – von Lithium und Kobalt bis hin zu Stahl und Kupfer – ist von zentraler Bedeutung für die Energiewende der EU. Daher hat man in Brüssel das Heft in die Hand genommen.

Am Donnerstag legte die Europäische Kommission ihren Critical Raw Materials Act (CRMA) vor, der ehrgeizige Ziele zur Steigerung der heimischen Kapazitäten vom Bergbau bis zum Recycling enthält.

Dazu gehört das Ziel, „mindestens 10 Prozent“ des Jahresverbrauchs der EU an wichtigen Rohstoffen auf europäischem Boden zu gewinnen, sowie ein Ziel von 40 Prozent für die Verarbeitung und 15 Prozent für das Recycling.

Mit dem Gesetz über kritische Rohstoffe mache die EU einen „sehr wichtigen“ Schritt, sagte Gallezot den französischen Abgeordneten und fügte hinzu, dass Paris „auf einen möglichst ehrgeizigen Text hinarbeiten“ werde, wenn der Vorschlag dem Europäischen Parlament und dem Rat zur Annahme vorgelegt werde.

‚Metalldiplomatie‘

Um Frankreichs Position darzustellen, werden Energieministerin Agnès Pannier-Runacher und Außenhandelsminister Olivier Becht „nächste Woche ausländische Botschafter und Industrielle zu Gesprächen über die Herausforderungen strategischer Metalle zusammenbringen“, so Gallezot.

Das Büro der Energieministerin bestätigte die Information und sagte, es werde die Liste der Gäste des Treffens erst „zu gegebener Zeit“ bekannt geben.

„Die Metalldiplomatie ist ein Thema von großem Interesse für die Ministerin [für Energie], im Einklang mit ihren früheren Funktionen“, heißt es aus dem Kabinett von Pannier-Runacher, die von 2020 bis 2022 Frankreichs Industrieministerin war.

Im Parlament wies Gallezot auch darauf hin, dass die bilateralen Beziehungen in diesem Zusammenhang „extrem wichtig“ seien, sei es mit Kanada, Australien oder Chile.

Der delegierte Minister hob insbesondere Afrika hervor, das „ein wichtiger Kontinent in diesem Bereich“ sei.

Frankreich und seine öffentlichen Bergbau-Forschungseinrichtungen wie das Geologische und Bergbau-Forschungsbüro „arbeiten an der Bestandsaufnahme der Ressourcen, an der Unterstützung und an der wirtschaftlichen Entwicklung“ des Kontinents, fügte Gallezot hinzu. Deswegen war er seiner Rolle als er stellvertretender Direktor im Büro des Premierministers zuallererst 2022 nach Südafrikagereist.

Am Donnerstag bestätigte die EU-Kommission, dass die Mitgliedsstaaten eine Rolle in der Rohstoffdiplomatie spielen werden, als Teil eines umfassenderen „Team Europa“-Ansatzes in den Beziehungen mit anderen Ländern.

„Das Gesetz über kritische Rohstoffe sieht ein Gremium vor, das bei der Steuerung und Koordinierung helfen wird. Eine der Aufgaben des Gremiums ist es, sich um die Koordinierung unserer strategischen Partnerschaften zu kümmern – wie wir sie mit Kanada, Namibia oder der Ukraine haben“, hieß es aus Kommissionskreisen.

Eine weitere Aufgabe des Gremiums wird darin bestehen, die Bemühungen der nationalen Regierungen im Bereich der Rohstoffdiplomatie zu koordinieren. „Nicht um sie an irgendetwas zu hindern, sondern um sicherzustellen, dass auch die europäische Perspektive berücksichtigt werden kann und vielleicht Synergien entstehen“, hieß es weiter.

Strategische Abhängigkeit

China ist nach wie vor das führende Land bei der Lieferung strategischer Metalle.

Es kontrolliert bis zu 80 Prozent der Wertschöpfungsketten für strategische Metalle, bei einigen Metallen sogar über 90 Prozent, so Gazellot.

Die Europäische Union ist bei 70-80 Prozent der Metalle, die sie für ihren ökologischen Wandel benötigt, von Nicht-EU-Ländern abhängig, wie Philippe Varin, ehemaliger Präsident der Gewerkschaft France Industrie, in 2022 feststellte.

Nach Ansicht von Gazellot sollte die EU ihren Rohstoffverbrauch generell senken und gleichzeitig ihre Versorgung neu ausrichten. All dies sollte zu einer „Unabhängigkeit“ führen, die „die von uns verfolgte Politik strukturieren würde“, fügte er hinzu.

In einem Interview mit EURACTIV Frankreich im Januar schätzte Varin, dass die EU bis 2030 eine „30-prozentige Autonomie“ erreichen könnte, wenn sie „alle Vorkommen in Europa ausschöpfen“ würde.

Lesen Sie den französischen Originalartikel hier.

[Bearbeitet von Frédéric Simon]