Frankreich plant freiwilligen Militärdienst zur Aufstockung der Truppe
Frankreichs Streitkräfte verfügen derzeit über 200.000 Soldatinnen und Soldaten sowie 40.000 Reservisten, von denen jedoch nur 77.000 tatsächlich einsatzfähig sind.
PARIS – Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wird am Donnerstag bei einem Besuch der 27. Gebirgsjägerbrigade in den Alpen die Einführung eines neuen freiwilligen Militärdienstes für Personen ab 18 Jahren ankündigen.
Wie La Tribune berichtet, können Freiwillige nach Start des Programms für zehn Monate einrücken und erhalten zwischen 900 und 1.000 Euro pro Monat. Der freiwillige Dienst soll sich anschließend jährlich automatisch verlängern; der Élysée rechnet damit, bis 2035 jedes Jahr 50.000 zusätzliche junge Menschen zu gewinnen. Unklar ist weiterhin, bis zu welchem Höchstalter der Dienst offenstehen soll.
Macron hatte das Vorhaben bereits in einer Rede an die Streitkräfte am 13. Juli angedeutet und einen neuen Rahmen angekündigt, um die „Verwundbarkeiten“ des französischen Militärs anzugehen.
Frankreichs Streitkräfte verfügen derzeit über 200.000 Soldatinnen und Soldaten sowie 40.000 Reservisten, von denen jedoch nur 77.000 tatsächlich einsatzfähig sind. Das reiche lediglich, um „80 Kilometer der ukrainischen Front“ abzudecken, so der ehemalige General Vincent Desportes.
Angesichts geopolitischer Bedrohungen und der Möglichkeit eines amerikanischen Rückzugs aus Europa müsse Frankreich sowohl Ausrüstung als auch Personal verstärken, sagte Desportes gegenüber Euractiv.
Der Élysée hat die konkreten Aufgaben der neuen Rekrutinnen und Rekruten bislang nicht definiert; Macron hat jedoch ausgeschlossen, sie im Rahmen einer möglichen „Beruhigungsmission“ nach dem Krieg in die Ukraine zu entsenden.
Ein Memo des französischen Hochkommissariats für Planung beziffert die jährlichen Kosten für die Ausbildung von 70.000 jungen Menschen auf 1,7 Milliarden Euro – ein Betrag, der im Verteidigungsetat noch nicht eingeplant ist. Dieser soll 2027 auf 64 Milliarden Euro steigen und sich damit innerhalb eines Jahrzehnts verdoppeln.
Da die Verhandlungen über den Staatshaushalt 2026 ins Stocken geraten sind, kündigte Premierminister Sébastien Lecornu am Montag an, das Parlament werde kommende Woche über Maßnahmen abstimmen, um die Streitkräfte „zu verstärken“.
Die Wehrpflicht wurde 1997 unter Präsident Jacques Chirac abgeschafft, als Frankreich nach dem Ende des Kalten Krieges auf eine vollständig professionelle Armee umstellte.
Der ehemalige Offizier Guillaume Ancel argumentiert, die französische Gesellschaft müsse nun ihre „Bindung“ zum Militär erneuern – eine Herausforderung, die ganz Europa teile. Eine europäische Freiwilligen-Truppe könne helfen, große gemeinsame Rüstungsprogramme anzustoßen.
Deutschland plant, ab dem 1. Januar einen eigenen freiwilligen Dienst einzuführen, der 2.600 Euro brutto pro Monat vorsieht. Die Bundeswehr will damit jährlich 20.000 bis 30.000 Rekruten gewinnen.
(jl)