Frankreich sagt Ukraine Lieferung von 100 Rafale-Kampfjets zu
Knapp vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges richtet Selenskyj seinen Fokus vermehrt auf eine Modernisierung der ukrainischen Luftstreitkräfte.
PARIS – Frankreich will Kyjiw rund 100 Rafale-Kampfjets liefern. Das teilte der Élysée am Montag anlässlich des neunten Besuchs von Präsident Wolodymyr Selenskyj in Paris seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine mit.
Das geplante Geschäft, dessen Umsetzung voraussichtlich rund zehn Jahre dauern wird, umfasst auch weitere Waffensysteme – darunter das französisch-italienische Flugabwehrsystem SAMP/T, das sich derzeit in Entwicklung befindet, sowie Radartechnologie und Drohnen.
Knapp vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskrieges richtet Selenskyj seinen Fokus auf eine Modernisierung der ukrainischen Luftstreitkräfte. In den vergangenen Wochen erklärte der ukrainische Präsident, Kyjiw befinde sich mit mehreren Partnern in Gesprächen über die Beschaffung von bis zu 250 zusätzlichen Kampfflugzeugen – darunter die französische Rafale, amerikanische F-16 und der schwedische Gripen.
Die ukrainische Luftwaffe stützt sich weiterhin weitgehend auf Flugzeuge aus Sowjetzeiten; weniger als 100 sind noch einsatzbereit. Laut dem World Directory of Modern Military Aircraft verfügt die Ukraine inzwischen auch über neun US-gebaute F-16 und zwei französische Mirage 2000.
Mitte Oktober hatte Selenskyj bereits eine weitere Absichtserklärung mit Schweden über die Lieferung von 100 bis 150 Saab Gripen E unterzeichnet. Diese Jets werden allerdings frühestens in drei Jahren erwartet. Auch für diesen Kauf muss Kiew zunächst die nötigen Finanzmittel bereitstellen.
Seit 2022 hat sich Frankreich zu einem zentralen Verbündeten der Ukraine entwickelt. Laut französischem Verteidigungsministerium hat Paris militärisches Gerät im Wert von 8,6 Milliarden Euro geliefert – darunter Raketen, Haubitzen, gepanzerte Fahrzeuge, Luftabwehrsysteme und Mirage-Kampfjets.
Selenskyj traf am Montagmorgen Vertreter der französischen Rüstungsindustrie auf dem Luftwaffenstützpunkt Villacoublay. Anschließend besuchten er und Macron den Sitz der „multinationalen Ukraine-Truppe“, die im Falle eines Waffenstillstands als Friedenstruppe in der Ukraine eingesetzt werden könnte.
Die beiden Staatschefs wollen im Laufe des Montags zudem an einem französisch-ukrainischen Drohnenforum teilnehmen.
Die Aktien von Dassault Aviation, dem Hersteller der Rafale, legten am Montagvormittag an der Pariser Börse um mehr als sechs Prozent zu.
Dank eines neuen Werks, das im vergangenen Monat eingeweiht wurde, könne Dassault ab 2030 fünf Rafale-Jets pro Monat produzieren, sagte Unternehmenschef Éric Trappier. Schon jetzt seien die Fabriken in der Lage, vier der nuklearwaffenfähigen Kampfjets pro Monat zu bauen.
Aurélie Pugnet hat zur Berichterstattung beigetragen.
(jl)