Französische Verteidigungsministerin zweifelt an Deutschlands Fähigkeit zum Kampfjetbau

Im Mittelpunkt des aktuellen Konflikts steht die Frage, wer bei der Entwicklung des Kampfjets FCAS die Führungsrolle übernehmen soll.

EURACTIV.com
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Frankreichs Verteidigungsministerin Catherine Vautrin hat Deutschland die Fähigkeit abgesprochen, eigenständig ein Kampfflugzeug der nächsten Generation zu entwickeln – und damit den Streit um das stockende 100-Milliarden-Euro-Rüstungsprojekt weiter angeheizt.

Der Konflikt zwischen den Luftfahrtindustrien beider Länder wirft zunehmend Zweifel auf, ob das „Future Combat Air System“ (FCAS) überhaupt weitergeführt wird. Die beiden Hauptauftragnehmer – Airbus Defence aus Deutschland und Dassault Aviation aus Frankreich – tragen ihre Differenzen inzwischen offen in der Öffentlichkeit aus.

Vautrin, die neue französische Verteidigungsministerin, schaltete sich in dieser Woche in den Streit ein. „Deutschland verfügt derzeit über keine Kapazitäten, um ein [Kampf-]Flugzeug zu bauen“, sagte sie am Dienstag im Interview mit dem Sender Europe 1. „Sie werden mir zustimmen: Ein Flugzeug baut man nicht über Nacht. Es braucht schon ein gewisses Know-how.“

Ihre Äußerungen folgen auf Aussagen von Thomas Pretzl, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Airbus Defence & Space, der erklärt hatte, er würde den Kampfjet lieber ohne die französische Dassault entwickeln.

Im Kern geht es in dem Streit darum, wer bei der Entwicklung des Kampfjets innerhalb des gemeinsamen Luftkampfsystems die Führungsrolle übernehmen soll. Während Dassault – Frankreichs Hauptauftragnehmer – darauf besteht, die Federführung beim Jet selbst zu behalten, pocht auch Airbus Defence auf ein Mitspracherecht bei zentralen Entscheidungen.

Eigentlich wollten sich die Verteidigungsminister der drei FCAS-Partnerländer – Deutschland, Frankreich und Spanien – bereits im Oktober in Berlin treffen, um den weiteren Fahrplan abzustimmen. Das Treffen wurde jedoch aufgrund wiederholter Regierungsumbildungen in Paris verschoben.

Vautrin wird an diesem Freitag nach Berlin reisen, um am Treffen der „Gruppe der Fünf“ (E5) teilzunehmen. Gemeinsam mit ihren Amtskollegen aus Deutschland, Großbritannien, Italien und Polen will sie dort über Unterstützung für die Ukraine und die Sicherheit in Europa beraten.

(jl)