Französische Grüne geben sich trotz schwacher Umfragewerte vor EU-Wahl kämpferisch

Die französischen Grünen sehen sich im Europawahlkampf mit schwachen Umfragewerten konfrontiert. Deren Vorsitzende Marie Toussaint gibt sich nun jedoch kämpferisch und warnte Wähler, dass die "Zukunft Europas" auf dem Spiel stehe.

Euractiv FR
„Die Leute haben uns [den Grünen] immer gesagt, dass es schwierig werden würde, und das ist auch normal, denn wir führen die tiefgreifendste Veränderung in der Gesellschaft herbei, die möglich ist“, versichert die Spitzenkandidatin der französischen Grünen, Marie Toussaint (Bild), dessen Programm auf zwei dringenden Themen basiert: Klimawandel und die Soziale Frage. [EPA-EFE/TERESA SUAREZ]

Die französischen Grünen sehen sich im Europawahlkampf mit schwachen Umfragewerten konfrontiert. Deren Vorsitzende Marie Toussaint gibt sich nun jedoch kämpferisch und warnte Wähler, dass die „Zukunft Europas“ auf dem Spiel stehe.

„Wir geben die Hoffnung nicht auf, denn wir wissen, dass das, was am 9. Juni auf dem Spiel steht, absolut entscheidend ist“, sagte Marie Toussaint vor Journalisten in der Parteizentrale in Paris.

Die Wahlen seien „entscheidend für die Zukunft Europas, entscheidend für die Zukunft unserer Demokratien, entscheidend für die Zukunft der Menschheit“.

Die französischen Grünen entfernen sich in Umfragen derzeit immer weiter von den guten Ergebnissen, die sie bei den letzten Europawahlen 2019 unter der Führung von Yannick Jadot erzielt haben.

Die Grünen werden voraussichtlich auch in Europa insgesamt Sitze verlieren. Den jüngsten Hochrechnungen zufolge werden sie von 72 auf 48 Sitze zurückfallen und nur noch 7,7 Prozent der Stimmen erhalten.

In Frankreich lagen die Grünen 2019 mit 13,47 Prozent der Stimmen an dritter Stelle hinter der Partei Renaissance (Renew) von Präsident Emmanuel Macron (22,41 Prozent) und dem rechtspopulistischen Rassemblement National (RN, ID) (23,31 Prozent).

Die Partei liegt nun auf dem sechsten Platz, gleichauf mit La France insoumise (LFI, Linke) und hinter den Républicains (EVP) (7 Prozent) und Reconquête (EKR) (8 Prozent).

Dies geht aus dem jüngsten Barometer von OpinionWay-Vae Solis für die Zeitung Les Echos hervor, das am Montag (29. April) veröffentlicht wurde.

RN führt die Umfragen mit 29 Prozent der Stimmen weiterhin an. Renaissance liegt bei 18 Prozent.

Allerdings sehen sich die Grünen 2024 dem Hindernis unerwartet starker Sozialisten gegenüber: Die Liste PS-Place publique (S&D), die von Raphaël Glucksmann angeführt wird, kommt in den Umfragen auf 14 Prozent.

2019 hatte die sozialistische Liste nur 6 Prozent erreicht.

„Man hat uns immer gesagt, dass es schwierig werden würde“

In der Parteizentrale der Grünen versuchte Marie Toussaint zusammen mit den Kandidaten David Cormand, Mounir Satouri, Flora Ghebali und Abdoulaye Diarra das mangelnde Interesse an ihrer Partei zu erklären.

„Die Leute haben uns [den Grünen] immer gesagt, dass es schwierig werden würde, und das ist auch normal, denn wir führen die tiefgreifendste Veränderung in der Gesellschaft herbei, die möglich ist“, versicherte die Spitzenkandidatin.

Das Programm der Grünen dreht sich dabei um zwei dringenden Themen: den Klimawandel und Sozialpolitik.

Angesichts der „Gefahren“, die Europa bedrohen – Krieg in der Ukraine, Klimakrise, Armut, Desinformation – ruft Toussaint zu einem „großen Sprung nach vorn“ auf und dazu, die „Robustheit“ der Vorschläge der anderen Parteien zu „durchschauen“.

„Wir wollen mehr Solidarität und die Gesundheit und unser Leben über den Profit stellen. Dieser Wandel ist schwieriger als Lösungen, die sagen, die anderen sind schuld und wir werden es schon schaffen, wenn wir unsere Grenzen schließen“.

Trotz der schlechten Umfragewerte will die Kandidatin nicht aufgeben.

„Wir wollen in den nächsten fünf Wochen unsere Vorschläge präsentieren, um gegen die Rechtsextremen, die nationalistischen Populisten und diejenigen zu kämpfen, die uns von außen angreifen wollen“, sagte Toussaint.

„Wir wollen auf die soziale Krise reagieren, die unsere Bevölkerung betrifft.“

Toussaint bedauerte den späten Beginn des Wahlkampfes, denn die erste Debatte zwischen den Spitzenkandidaten für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten habe „erst gestern“ stattgefunden.

Leider fängt die Öffentlichkeit gerade erst an, sich für die Themen zu interessieren, die am 9. Juni auf dem Spiel stehen“, betont sie.

Den Namen Raphaël Glucksmann erwähnte Marie Toussaint nicht. Sie bedauert jedoch, dass die Medien manchmal zu „monothematisch“ berichten und dazu neigen, den Umweltschützer unsichtbar zu machen.

„Es ist an Ihnen, dafür zu sorgen, dass wir den Vorschlägen auf den Grund gehen können, dass wir die Unterschiede zwischen Rhetorik und Aktion entschlüsseln können“, sagte sie an die Journalisten gewandt.

[Bearbeitet von Anna Martino/Jeremias Lin]