Friis: “Klima-Depression” ist vorbei, mit Vollgas nach Cancún
Die Länder, die verhandeln, um ein internationales Klima-Abkommen zu finden, seien zurück im Geschäft. Sowohl Dänemark als auch Mexiko, die Veranstalter der letzten und der nächsten Verhandlungsrunde unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, entwickelten ein „Navigationssystem“, um bis Dezember pünktlich an ihrem gewünschten Ziel anzukommen, sagte die dänische Ministerin für Energie und Klimawandel Lykke Friis EURACTIV in einem Interview.
Die Länder, die verhandeln, um ein internationales Klima-Abkommen zu finden, seien zurück im Geschäft. Sowohl Dänemark als auch Mexiko, die Veranstalter der letzten und der nächsten Verhandlungsrunde unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen, entwickelten ein „Navigationssystem“, um bis Dezember pünktlich an ihrem gewünschten Ziel anzukommen, sagte die dänische Ministerin für Energie und Klimawandel Lykke Friis EURACTIV in einem Interview.
„Viele der Verhandlungsführer und Minister litten nach Kopenhagen an Klimadepression[…] Doch jetzt denke ich, dass wir vorangekommen sind“, so Friis. Sie erklärte, dass eine Reihe an Schritten in die richtige Richtung gemacht worden sind.
30-Prozent-Ziel muss Trumpfkarte bleiben
In ihrem Kommentar zu Europas übergeordneter Strategie, die Führung in internationalen Verhandlungen zu behalten, sagte sie, sie unterstütze die EU-Kommissarin für Klimaschutz Connie Hedegaard, ebenfalls eine Dänin, indem sie sagte, die EU solle sich die Möglichkeit vorbehalten, ihre CO2-Emissionen bis 2020 um 30 Prozent zu senken, um sie als Trumpfkarte nutzen zu können.
„Europas große Strategie sollte es sein, andere dazu zu bringen, ebenfalls mehr zu tun. Wir sollten diese Karte jetzt noch nicht spielen. Wir sollten sie nutzen, wenn wir in Cancún zum Ende des Spiels kommen.” Sie bestand auf dieser Strategie, obwohl sie zugab, dass sie in Kopenhagen nicht funktioniert habe.
Die Ministerin verlieh ihrer Überzeugung Ausdruck, dass, wenn die EU es schafft, mit einer Stimme zu sprechen, sie es schaffen werde, andere Länder dazu zu überreden, ihre Ziele höher zu setzen. „Doch „müssen wir unsere vielen Versprechen einhalten, insbesondere zur ‚Kick-Start’-Finanzierung. Dies wird eine große Rolle beim Erwerb des Vertrauens anderer spielen.“
Ein legal bindendes Abkommen in Cancún wird „schwierig“
Friis glaubt, dass es schwierig werden wird, ein Abkommen zu einem vollständigen und legal bindenden Deal zu treffen. „Doch wenn es nicht möglich ist, sich zu einem bestmöglichen Ausgang zu einigen, sollten wir in Cancún sicherstellen, dass wir uns zu einer Reihe von wichtigen und machbaren Fragen einigen, die wir dann als wichtigen Schritt auf Südafrika [2011] hin nutzen können.“ Sie erwähnte Entwaldung, Anpassung und möglicherweise Technologietransfer.
Auf die Frage, ob die EU den kurzfristigen Vorgang mit einer langfristigen Debatte zur Umwandlung der europäischen Wirtschaft verbinden will, zog die Ministerin es vor, die beiden Fragen getrennt zu halten.
„Augenblicklich sind wir im Flieger nach Cancún und sitzen gemeinsam mit den Mexikanern im Cockpit. Und während man im Flieger sitzt, ist keine Zeit dafür, sich den Motor des Flugzeugs anzuschauen.“
Auf dem Weg zu einer gemeinsamen europäischen Energiepolitik
Sie kommentierte den Ehrgeiz der EU, einen Energieaktionsplan für den Zeitraum von 2011 bis 2020 zu entwickeln, und sagte, dass die Strategie als Weg aus der Wirtschaftskrise gesehen werden sollte.
„Ich bin überzeugt, dass wir jetzt zu unserem Anfangspunkt zurückkehren: die EU hat mit Energie begonnen, als Kohle- und Stahlunion, und jetzt kommt es zu einer Rückbesinnung auf unsere Vergangenheit. Es geht mal wieder um die Energiepolitik.“
Friis sieht die Entwicklung eines Supernetzwerks als eine Vorbedingung für die Umwandlung der EU in eine CO2-arme Wirtschaft und vielleicht auch für die Einrichtung einer gemeinsamen europäischen Energiepolitik.
„Wenn man durch Europa reist, hören die Straßen nicht an den Grenzen auf, und die Telekommunikationssysteme auch nicht, doch die Energienetzwerke normalerweise schon“, lautet ihre Beschwerde und sie fordert, den europäischen Energiemix zu diversifizieren, indem man sich im Norden auf Windenergie und im Süden auf Solarenergie konzentriert.
Friis zufolge stehen die Debatten darüber, ob die Krise den Übergang zu einem nachhaltigen Energiesystem hindert, unter einem schlechten Stern.
„Es gibt eine Lektion, die man aus dem Fall Dänemarks ziehen kann. Die lautet, dass, wenn man eine Umwandlung früh verfolgt, man daraus einen Wettbewerbsvorteil ziehen kann.“ Sie betonte, dass heute elf Prozent der dänischen Exporte in grünen Technologien seien.
Das nordische Land habe auch eine Klima-Kommission eingesetzt, die im September einen Bericht veröffentlichen wird, wie Dänemark von fossilen Brennstoffen unabhängig werden kann.
Die Bitte, die Vision Dänemarks und der EU für 2020 zu umreißen, beantwortete sie folgendermaßen: „Ich sehe ein Energiesystem, das nicht an nationalen Grenzen haltmacht, eines, das uns in eine Situation versetzt, [wo] wir billigere Energie haben und […] wo wir unsere Position im grünen Rennen halten können und weniger abhängig von Ländern sein können, die nicht unbedingt unsere Werte teilen.“
Das Gespräch führte EURACTIVs Chefredakteurin Daniela Vincenti-Mitchener.
Um das vollständige Interview zu lesen (auf Englisch), klicken Sie bitte hier.