Ganz neu ist das nicht: Goldreserven als Pfand

Wenn sie einen Teil ihrer Goldreserven verpfänden, könnten pleiteträchtige Schuldnerstaaten der Euro-Gruppe sich selbst nützen, aber auch das Vertrauen in den Euro und damit Europas politische Stabilität stärken. Der Vorschlag der deutschen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Kredite an Griechenland auf diese Weise abzusichern, ruft Erinnerungen wach. Denn neu ist die Methode nicht.

Ein Blick auf die Goldschätze der Deutschen Bundesbank. Foto: Bundesbank
Ein Blick auf die Goldschätze der Deutschen Bundesbank. Foto: Bundesbank

Wenn sie einen Teil ihrer Goldreserven verpfänden, könnten pleiteträchtige Schuldnerstaaten der Euro-Gruppe sich selbst nützen, aber auch das Vertrauen in den Euro und damit Europas politische Stabilität stärken. Der Vorschlag der deutschen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), Kredite an Griechenland auf diese Weise abzusichern, ruft Erinnerungen wach. Denn neu ist die Methode nicht.

Es war im Spätfrühjahr 1974, da benötigte das wirtschaftlich bedrängte Italien Kredit. Die deutsche Bundesregierung in Bonn stellte Rom damals zwei Milliarden US-Dollar in Aussicht. Doch sie wollte Sicherheiten. Bonns Kanzler Helmut Schmidt (SPD) forderte folgende Garantien: 515 Tonnen der italienischen Währungsgold-Reserven müsse die römische Staatsbank der Deutschen Bundesbank als Pfand geben. Zunächst für sechs Monate, erneuerbar auf zwei Jahre.

Wäre Italien außerstande gewesen, den Kredit korrekt zurückzuzahlen, hätte die deutsche Notenbank das Recht gehabt, das Pfand-Gold auf dem freien Markt zu verkaufen.

Das Ganze hätte an sich zum Akt europäischer Solidarität werden können. Damals zitterte die erst 17 Jahre junge „Europäische Gemeinschaft“ (EG) als Vorläuferin der EU in ihren Grundfesten: Italien, das nach den Worten von Helmut Schmidt „weit mehr ausgab, als es produzierte“, stand vor der Frage, das Fundament europäischer Einigung – den „Gemeinsamen Markt“ ohne Handelsgrenzen – wieder verlassen zu müssen. Der deutsche Kredit gab Rom indes die nötige Atempause. Nur ein paar Einfuhrbeschränkungen wurden verhängt – exklusiv mit Erlaubnis der Brüsseler Europäischen Kommission.

Doch das verschuldete Italien bebte vor Zorn über die wenig geliebten, höchstens geschätzten Kreditgeber, die für geliehenes Geld den italienischen Goldschatz begehrten: diese „Großmannssucht“ der Deutschen!

Brüssel kritisierte die Taktlosigkeit des deutschen Bundeskanzlers. Er hätte demnach genauso gut die Europäische Investitionsbank in Luxemburg (EIB) einschalten und das Goldpfand dort deponieren lassen können. Damit hätte er diese für Italien peinliche Transaktion gleichsam „europäisieren" können.

Doch Schmidt brachten solche Überlegungen nicht von seinem politisch-ökonomischen Konzept ab. Italiens Goldgarantie sicherte nicht nur den deutschen Gläubiger ab, sondern Rom bekam eine Atempause. Es musste zwar sparen, um pünktlich abstottern zu können, sich aber nicht totsparen. Dies wiederum half der Wirtschaftsaktivität Italiens. Gleichzeitig verhinderte diese Lösung, dass in Deutschland der europäische Aufbau – damals wie heute das politische Konzept schlechthin – als Schuldenfalle in Misskredit kommen konnte.

Im Falle Griechenlands kann jedoch von der Leyens Lösung nur begrenzt greifen.

Hellas verfügt über 111,4 Tonnen Währungsgold (Juni 2011). Spanien und Portugal stehen mit 281,6 bzw. 382,5 Tonnen etwas besser da. Italien aber rangiert mit 2.451,8 Tonnen an weltweit vierter Stelle. (An erster Stelle stehen die USA mit 8.133,5 Tonnen Gold, an zweiter Stelle steht Deutschland mit 3.401 Tonnen.)

Große Teile des europäischen Währungsgoldes lagern übrigens in den USA, unter anderem die deutschen und italienischen. Ein System europäischer Notkredite gegen Gold könnte Gelegenheit sein, auch die Rückführung der Eurostaaten-Goldreserven einzuleiten. Frankreich etwa beherbergt die seinen ausschließlich daheim.                           

Hermann Bohle