Griechenland-Krise - Kritik an Rating-Riesen
Die Welt blickt gebannt auf die Bewertungen der großen privaten Rating-Agenturen. Sie können Staaten wie Griechenland und Portugal mit ihren Bonitäts-Noten in den Abgrund reißen. Der EU-Abgeordnete Jorgo Chatzimarkakis warnt vor der Rating-Gläubigkeit der Märkte. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy kündigt einen Krisengipfel am 10. Mai an. Von einer Umschuldung in Griechenland könne keine Rede sein.
Die Welt blickt gebannt auf die Bewertungen der großen privaten Rating-Agenturen. Sie können Staaten wie Griechenland und Portugal mit ihren Bonitäts-Noten in den Abgrund reißen. Der EU-Abgeordnete Jorgo Chatzimarkakis warnt vor der Rating-Gläubigkeit der Märkte. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy kündigt einen Krisengipfel am 10. Mai an. Von einer Umschuldung in Griechenland könne keine Rede sein.
Der FDP-Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis warnt nach dem jüngsten Einbruch der Aktienmärkte davor, die Einschätzungen von Ratingagenturen überzubewerten. Die Kurse seien auf der Grundlage von Bewertungen derselben Agenturen abgerutscht, die etwa bei der Beurteilung der Pleite-Bank Lehman Brothers komplett falsch gelegen hätten, sagte Chatzimarkakis dem rbb-Inforadio am Mittwoch.
"Und jetzt trauen wir denen mehr als der Einschätzung der Europäischen Zentralbank. Ich finde das unmöglich", sagte der FDP- Politiker. Die Ratingagenturen seien für einen Rutschbahneffekt verantwortlich. Er forderte ein europäisches Rating, das gegen solche Effekte ein Zeichen setze.
Mechanismus der Finanzmärkte gewinnt Oberhand
"Die Ratingagenturen fangen jetzt bei Portugal an", sagte er. "Wir müssen jetzt einfach lernen, dass dieser selbstständige Mechanismus der Finanzmärkte nicht wieder die Oberhand gewinnt und uns Politiker dazu zwingt, Steuergelder hier aufzuwenden. Das führt nur dazu, dass die Banken Gewinne machen."
Seit der Finanzkrise wird die Macht der privaten Rating-Agenturen diskutiert. Dorothea Schäfer, Forschungsdirektorin Finanzmärkte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, setzt sich für eine öffentliche, europäische Rating-Agenur ein (EURACTIV vom 25. November 2010).
Die EU hat kürzlich eine stärkere Kontrolle der Rating-Agenturen beschlossen. Deutschland hat den entsprechenden Regeln zugestimmt (EURACTIV vom 13. Januar 2010).
Van Rompuy: Keine Rede von Umschuldung
EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hat nach der dramatischen Zuspitzung der griechischen Schuldenkrise einen Eurozonen-Gipfel angekündigt. Das Spitzentreffen solle voraussichtlich am 10. Mai stattfinden, sagte Van Rompuy auf einer Pressekonferenz in Tokio, die im Fernsehen übertragen wurde. Das wäre genau ein Tag nach der für die schwarz-gelbe Regierungskoalition so wichtige Wahl in Nordrhein-Westfalen (NRW). Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bisher auf Zeit gespielt, um die Milliarden-Zahlungen an Griechenland möglichst erst nach der NRW-Wahl zu konkretisieren. Dieser Zeitplan scheint nun aufzugehen.
Van Rompuy versuchte bei der Pressekonferenz zugleich, die Wogen zu glätten. "Die Verhandlungen (in Athen) sind auf dem richtigen Weg." Es sei keine Rede von einer Umschuldung.
dpa/awr