Griechenland schafft stärkstes Wachstum aller Euro-Länder

Die griechische Wirtschaft ist im Sommerquartal spürbar gewachsen und dabei so stark wie kein anderes Land in der Euro-Zone. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg zwischen Juli und September um 0,7 Prozent zum Vorquartal, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag mitteilte.

Euractiv.de
Foto: Konstantinos Dafalias (CC BY 2.0)
Foto: Konstantinos Dafalias (CC BY 2.0)

Die griechische Wirtschaft ist im Sommerquartal spürbar gewachsen und dabei so stark wie kein anderes Land in der Euro-Zone. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg zwischen Juli und September um 0,7 Prozent zum Vorquartal, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitag mitteilte.

Nach sechs Rezessionsjahren dürfte die Wirtschaft auch im Gesamtjahr 2014 erstmals wieder wachsen. Wegen der überraschend guten Konjunktur könnte das Plus letztlich höher ausfallen als von der Athener Regierung und der EU mit 0,6 Prozent veranschlagt. „Es gibt Spielraum für eine positive Überraschung am Ende des Jahres“, sagte Ökonom Nikos Magginas von der National Bank.

Griechenland wurde 2010 und 2012 mit Milliardenhilfen von seinen Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vor der Staatspleite gerettet. Das gesamte Rettungspaket beläuft sich auf rund 240 Milliarden Euro. Lange Jahre war das Land vom Finanzmarkt abgeschnitten und schaffte erst im April ein Comeback.

Das nationale Statistikamt veröffentlichte nun erstmals seit 2011 wieder BIP-Zahlen, die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigt sind. Demnach war die Wirtschaftsleistung bereits Anfang 2014 erstmals seit sechs Jahren nicht mehr geschrumpft. „Mit drei Wachstumsquartalen in Folge scheint Griechenland die Rezession damit überwunden zu haben“, sagte die Wirtschaftsweise Isabel Schnabel der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch an den Finanzmärkten kamen die unerwartet positiven Daten gut an. Die Athener Börse kletterte in der Spitze um 2,4 Prozent.

Trotz der guten Nachrichten wiesen Fachleute daraufhin, dass Griechenland noch einen langen Weg vor sich habe. „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagte Commerzbank-Analyst Christoph Weil. Der Tiefpunkt sei vorbei und im Tourismus laufe es wieder besser. „Bis aber das alte Produktionsniveau wieder erreicht wird, dauert es noch Jahre oder Jahrzehnte.“ Der Trend zeige zwar klar nach oben, aber die Arbeitslosigkeit werde noch lange hoch bleiben.

Ähnlich hatte sich jüngst die EU-Kommission geäußert. Im nächsten Jahr dürfte die Konjunktur in Griechenland nach Ansicht der Brüsseler Behörde um knapp drei Prozent anziehen und 2016 um 3,7 Prozent. Grund für diese vergleichsweise hohen Wachstumsraten ist die Tatsache, dass die griechische Wirtschaft in den vergangenen Jahren um rund ein Viertel eingebrochen war. Entsprechend leichter ist es nun, von diesem sehr niedrigen Niveau höhere Zuwächse beim BIP zu erzielen. Hier wird Griechenland auch Deutschland auf absehbare Zeit abhängen.