Griechisch-orthodoxe Kirche will sich nicht an Anti-Corona-Maßnahmen halten

Die griechisch-orthodoxe Kirche weigert sich, neue Lockdown-Maßnahmen umzusetzen. Derweil gibt es Kritik von der Opposition an einem Umbau des Regierungskabinetts.

EURACTIV.com
Greek parliament to vote on 2021 budget at midnight, after five-day debate
Die Spannungen zwischen der konservativen Regierung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis und der griechisch-orthodoxen Kirche steigen. [[EPA-EFE/YANNIS KOLESIDIS]]

Die Spannungen zwischen der konservativen Regierung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis und der griechisch-orthodoxen Kirche steigen: Letztere weigert sich, neue Lockdown-Maßnahmen umzusetzen. Derweil gibt es Kritik von der Opposition an einem Umbau des Regierungskabinetts, das nun deutlich rechtslastiger ist.

Die konservative Regierungspartei Nea Dimokratia hatte beschlossen, eine Woche lang strengere Lockdown-Maßnahmen zu verhängen, um ein erneutes Wiederaufflammen von COVID-19 nach den Weihnachtsferien zu vermeiden.

Ein Grund dafür: Die Krankenhäuser des Landes senden weiterhin Alarmsignale. Die Pandemie hat in Griechenland (mit seinen gut zehn Millionen Einwohnern) bisher rund 5.000 Menschenleben gekostet.

Die griechisch-orthodoxe Kirche hat ihrerseits jedoch beschlossen, die neuen Einschränkungen zu ignorieren und teilte mit, dass ihre Türen für die Menschen geöffnet bleiben, um das Dreikönigsfest am 6. Januar zu begehen. Die Kirche droht inzwischen sogar mit einer Beschwerde beim Staatsrat, sollte die Regierung nicht nachgeben.

Die Nea Demokratia, die traditionell enge Beziehungen zur Kirche pflegt, betonte daraufhin, die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus dürften nicht nach Belieben und eigenem Gutdünken eingehalten werden.

„Wir hoffen, dass die Kirche die Brisanz der aktuellen Situation für die Gesellschaft erkennt, wie sie es bisher verantwortungsvoll getan hat. Die Durchführung von Präventions- und Vorsichtsmaßnahmen ist eine Verpflichtung, aber auch ein Akt gesellschaftlicher Solidarität und Verantwortung für uns alle,“ heißt es in einer Erklärung der Regierung.

Bereits zuvor hatten einige Priester offen die Existenz von COVID-19 oder auch die Sicherheit von Impfstoffen in Frage gestellt. Andere hingegen riefen die Gläubigen eindringlich dazu auf, die Vorsichtsmaßnahmen zu respektieren und wiesen auf die Gesundheitsrisiken hin, die von dem Virus ausgehen.

Änderung im Regierungskabinett

Unterdessen hat Mitsotakis am Montag beschlossen, sein Kabinett umzubauen: Mehrere Regierungsmitglieder wurden entlassen und durch Politikerinnen und Politiker ersetzt, die größtenteils dem rechten Flügel seiner konservativen Partei angehören.

Die Opposition warf dem griechischen Regierungschef daher einen Rechtsruck vor und drohte bereits, damit könne er den Weg für vorgezogene Neuwahlen ebnen.

„Nach seinem Versagen [bezüglich der Coronavirus-Handhabung] macht Mitsotakis nun mit seinem Umbildungs-Fiasko weiter,“ kommentierte Nasos Iliopoulos, Sprecher der linken Syriza, in einer Erklärung. Er merkte außerdem an, dass gerade diejenigen Ministerinnen und Minister, die in der Pandemie-Krise falsch gehandelt hätten, auf ihren Posten blieben.

Die sozialistische Partei Bewegung des Wandels kritisierte, „der sogenannte Neuanfang“ in der Regierung stärke in Wirklichkeit den rückwärtsgewandten rechten Flügel der Nea Dimokratia.

Mitsotakis ernannte allerdings auch den ersten offen schwulen Minister des Landes, den 44-jährigen Nicholas Yatromanolakis, ein bekannter Kämpfer für LGBTIQ-Rechte.

[Bearbeitet von Frédéric Simon und Tim Steins]