Griechische Inselbewohner kämpfen gegen Ausweitung der Fischzucht
Am sonnigen Kai der malerischen griechischen Insel Poros macht der Fischer Spiros Papaioannou kein Geheimnis daraus, wie er zu den bevorstehenden Plänen zur Ausweitung der Fischzucht steht.
Am sonnigen Kai der malerischen griechischen Insel Poros macht der Fischer Spiros Papaioannou kein Geheimnis daraus, wie er zu den bevorstehenden Plänen zur Ausweitung der Fischzucht steht.
„Wir wollen sie nicht auf unserer Insel haben“, murrt der Mann in Gummistiefeln, während er seine Netze säubert. „Wir Fischer werden verjagt werden, das ist sicher.“
Der griechisch-spanische Konzern Avramar, der sich als weltweit führender Produzent von Mittelmeerfisch präsentiert, betreibt bereits mehrere Fischfarmen auf Poros.
Der griechische Staat plant seit langem, die 3.000 Einwohner zählende Insel im Saronischen Golf nahe der Halbinsel Peloponnes zu einem der wichtigsten Aquakulturstandorte des Landes für Seebrassen und Wolfsbarsche zu machen, die vor allem in französischen und italienischen Restaurants sehr gefragt sind.
Die Fischzuchtanlagen sollen perspektivisch ein Viertel der Insel bedecken, 600 Hektar an Land und 269 Hektar im Meer.
Als Mittelmeerland mit einer Küstenlänge von mehr als 15.000 Kilometern ist Griechenland sehr an der Entwicklung seiner Aquakulturindustrie interessiert und hat 25 Standorte für die Errichtung von Fischfarmen vorgesehen.
Die Europäische Union hat 92 Millionen Euro bereitgestellt, um die Aquakultur in Griechenland bis 2027 zu fördern.
Nach Angaben der Hellenic Aquaculture Producers Organisation (HAPO) dürfte das Volumen der Branche bis 2021 um sieben Prozent auf 131.000 Tonnen steigen.
In Poros würde sich laut Projektionen der lokalen Projektmanager von POAY Poros die jährliche Produktion in den nächsten fünf Jahren von derzeit 1.100 Tonnen auf mehr als 8.800 Tonnen verachtfachen.
Der Bürgermeister von Poros, Yannis Dimitriadis, gehört zu den Gegnern der Initiative, die seiner Meinung nach die bestehende Tourismusindustrie der Insel gefährden würde.
„Ja zum maritimen Tourismus, nein zur Fischzucht“, heißt es auf einem Banner, das am Gebäude des Kulturzentrums von Poros hängt.
Poros sei „zu 95 Prozent vom Tourismus abhängig, direkt oder indirekt“, so Dimitriadis gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.
Gestörtes Gleichgewicht
„Wir werden zu einem Industriegebiet und stellen damit das gesamte Gleichgewicht unserer Wirtschaft infrage“, fügte der Bürgermeister hinzu, der nach eigenen Angaben bereits zweimal mit Premierminister Kyriakos Mitsotakis zusammengetroffen ist, seine Argumente gegen das Projekt zu äußern.
Die Avramar-Gruppe, die 2021 einen Umsatz von 157 Millionen Euro erzielte, wollte auf Anfrage der AFP keine Einzelheiten nennen.
„Das Projekt befindet sich in einer vorläufigen Phase. Wir können Ihnen jedoch versichern, dass wir uns der Transparenz verpflichtet fühlen, und wir werden Sie auf dem Laufenden halten, sobald wir dazu in der Lage sind“, teilte die Gruppe in einer Erklärung mit.
Nach Angaben von POAY Poros dürfte der griechische Staat das Projekt voraussichtlich bis November 2024 genehmigen.
„Nicht Mykonos“
Mit seinen pastellfarbenen Gebäuden und mit Oleander und Bougainvillea bepflanzten Plätzen präsentiert sich Poros weit entfernt vom Modell des Megahotels.
„Wir wollen weder Santorini noch Mykonos sein“, erklärt Magdalena Iwaszko, Besitzerin eines kleinen Hotels in der Nähe des Inselhafens.
„Die Touristen kommen hierher, um sich zu erholen. Die Einrichtung von Fischfarmen hätte enorme Auswirkungen auf die Umwelt. Niemand will hier Aquakultur“, sagte sie.
Die Vorzüge von Poros seien „kristallklares Wasser und eine unberührte Küste“, argumentiert die Hotelbesitzerin.
Das Meer vor dem nördlichen Teil von Poros ist mit großen schwimmenden Käfigen übersät.
„Ich bin nicht (grundsätzlich) gegen Fischfarmen“, erklärt der Fischer Tasos Ladas, schließlich würden die griechischen Meere „Jahr für Jahr auf die eine oder andere Weise leergefischt.“
„Sie sind ein notwendiges Übel. Aber es muss richtig gemacht werden, mit strengen Protokollen und Kontrollen – und nicht in Touristengebieten“, so der Fischer.
Bürgermeister Dimitriadis ist auch um die Umwelt besorgt, da die hohe Konzentration von Fischen in kleinen Becken Krankheiten begünstige.
Auch mögliche Fischabfälle und verabreichte Medikamente sowie Chemikalien wie Formaldehyd bereiten ihm Kopfzerbrechen. „All dies gelangt dann ins Meer“, sagt er.
Die Fischfarmen weisen diese Anschuldigungen zurück und betonen, dass der Schutz der Umwelt und die Gewährleistung der Fischgesundheit für ihr Geschäft unerlässlich seien.