Großbritannien schreibt trotz Brexit Rekordzahlen bei Zuwanderung

Die britische Regierung beharrte am Donnerstag (24. November) darauf, dass sich der Brexit auszahlen werde. Sechs Jahre nach dem Votum des Landes für den Austritt aus der EU zeigten neue Zahlen jedoch einen Rekordwert bei der Zuwanderung.

EURACTIV.com with AFP
Migrants continue to arrive along UK coast seeking asylum
Die Nettozuwanderung in das Vereinigte Königreich - die Zahl der Menschen, die ins Land kommen, um ein neues Leben zu beginnen, abzüglich derer, die das Land verlassen - lag in den 12 Monaten bis Juni bei 504.000, so das Office for National Statistics (ONS), ein deutlicher Anstieg gegenüber 173.000 im Vorjahr. [EPA-EFE/WILL OLIVER]

Die britische Regierung beharrte am Donnerstag (24. November) darauf, dass sich der Brexit auszahlen werde. Sechs Jahre nach dem Votum des Landes für den Austritt aus der EU zeigten neue Zahlen jedoch einen Rekordwert bei der Zuwanderung.

Die Nettozuwanderung in das Vereinigte Königreich – die Zahl der Menschen, die ins Land kommen, um ein neues Leben zu beginnen, abzüglich derer, die das Land verlassen – lag in den 12 Monaten bis Juni bei 504.000, so das britische nationale Statistikbüro (ONS), ein deutlicher Anstieg gegenüber 173.000 im Vorjahr.

Dies ist laut ONS auf „beispiellose“ Weltereignisse zurückzuführen, darunter der Krieg in der Ukraine, die Neuansiedlung afghanischer Flüchtlinge und eine neue Visa-Route für Inhaber:innen britischer Pässe, die in Hongkong leben.

Ein weiterer Faktor war die Einreise ausländischer Student:innen nach Großbritannien nach der Lockerung der Pandemie-Sperrmaßnahmen, wie Finanzminister Jeremy Hunt feststellte.

Die neue Statistik könnten die politische Debatte über die Einwanderung weiter verkomplizieren.

Neue Wirtschaftsprognosen haben gezeigt, dass der Brexit der britischen Wirtschaft langfristig einen schweren Schlag versetzen dürfte, und die Migrationsdaten untergraben ein weiteres zentrales Argument der Austrittsbefürworter.

Hunt betonte jedoch, dass es verfrüht sei, daraus abzuleiten, dass das Brexit-Projekt gescheitert sei. Derzeit ist in Großbritannien eine Kontroverse über die Zukunft der Beziehungen zur EU entfacht. Ein durchgesickerter Bericht hatte behauptet, dass Hunt und Premierminister Rishi Sunak eine engere Partnerschaft mit Brüssel nach „Schweizer Vorbild“ anstreben würden.

Hunt – der beim Brexit-Referendum 2016 für den Verbleib in der EU gestimmt hatte – bestritt am Mittwoch, dass er die Quelle des Berichts der Sunday Times sei.

„Aber die Menschen verstehen, dass wir in Qualifikationen investieren müssen, wenn wir den Bedarf an Migration längerfristig reduzieren wollen“, sagte er gegenüber Sky News.

Hunt sagte, seine in der vergangenen Woche angekündigten strengen Haushaltspläne würden dazu beitragen, „eine andere Wirtschaft außerhalb der Europäischen Union zu schmieden – hochqualifiziert, hochbezahlt, das nächste Silicon Valley der Welt, und das nach unseren eigenen Regeln.“

„Und ich glaube, dass wir das schaffen können, weil ich glaube, dass wir ein unglaubliches Land haben“, fügte er hinzu.

Die EU-Gegner haben ihre Brexit-Kampagne mit dem Versprechen begründet, die Kontrolle von Brüssel zurückzuerobern.

Vor den jüngsten Zahlen zur Migration gab Innenministerin Suella Braverman am Mittwoch zu, dass die Regierung „bei der Kontrolle unserer Grenzen versagt“ habe.

Die Hardliner unter den Brexitbefürwortern versprachen erneut, das Problem der Rekordzahl von Migrant:innen, die von Frankreich aus den Ärmelkanal überqueren, in Angriff zu nehmen.

Allerdings fiel es ihr schwer, den Abgeordneten zu erklären, wie Asylbewerber:innen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, nun legal nach Großbritannien einreisen können.