Habecks Heimspiel in Kiel: LNG, Repowering und Wasserstoff

Robert Habecks Antrittsbesuch in seinem Heimatland Schleswig-Holstein war besonders von dem geplanten LNG-Terminals in Brunsbüttel und der führenden Position des Landes im Erneuerbaren-Ausbau gezeichnet.

Euractiv.de
Robert Habeck Visits Airbus Factory
Robert Habecks Besuch in Schleswig-Holstein war gezeichnet vom Krieg in der Ukraine, weswegen LNG-Terminals und Erneuerbare im Mittelpunkt standen. [EPA-EFE/Morris MacMatzen / POOL]

Robert Habecks Antrittsbesuch in seinem Heimatland Schleswig-Holstein war besonders von dem geplanten LNG-Terminal in Brunsbüttel und der führenden Position des Landes im Ausbau der erneuerbaren Energien gezeichnet.

In aufregenden Zeiten war der Besuch in Kiel für den Vizekanzler Balsam für die Seele, so scheint es. Begeistert erzählte der den versammelten Journalist:innen am Freitag (11. März), dass er seine Entourage überredet hatte, den Weg vom Hotel zum Rathaus zu Fuß zu wagen. Normalerweise ist der Vizekanzler in mindestens vier Autos unterwegs.

Dank des “glorreichen” Fußweges entlang der vertrauten Kieler Förde habe der Tag bereits vor dem Treffen mit Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gut begonnen, so Habeck. 

Daraufhin war er jedoch gezwungen, in die Realität zurückzukehren. “Es ist ein Antrittsbesuch im Zeichen eines europäischen Krieges,” so der Vizekanzler, der mit dem bereits fünften seiner Antrittsbesuche weiter versucht, die Länder von seinen ambitionierten Plänen für die grüne Transformation Deutschlands zu überzeugen.

Aufgrund der Abhängigkeit vom russischen Gas stand das Bauvorhaben von RWE und Gasunie in Brunsbüttel klar im Mittelpunkt. 

Dort soll ein LNG-Terminal gebaut werden, das acht Milliarden Kubikmeter Flüssiggas regasifizieren können soll, und somit etwas mehr als fünf Prozent der russischen Erdgaslieferungen nach Deutschland ersetzen wird.

Die Errichtung von LNG und damit verbundenen Wasserstoff-Terminals müsse in Deutschland jetzt möglichst schnell vorangebracht werden, so der Bundesminister.

Die üblichen fünf bis fünfeinhalb Jahre, die man für die Konstruktion eines solchen Terminals brauche, seine zu lang. “Wir sind nicht in einer Lage, wo wir uns diesen Zeitverzug leisten können.”

Eine Chance der Lage könne wohl sein, dass “diese ganzen Schlafmützen, diese teilweise Bräsigkeit”, die es ja gebe, dass Deutschland das “abschütteln” könne und “die Sachen, die beschlossen werden, auch entschlossen umsetzen,” so Habeck.

“Wir haben uns eben darauf verständigt, dass wir auf unseren Ebenen alles dazu beitragen, um dieses Projekt so schnell wie möglich umzusetzen,” berichtete Weil aus dem gemeinsamen Gespräch.

Daher würde man “möglichst auch Planungen, Genehmigungsverfahren und gleichzeitig auch den Bau synchronisieren”, so Weil, um “den Bau also maximal zu beschleunigen.”

Das Repowering-Problem

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei Habecks Besuch war der Themenkomplex Repowering. Nachdem Schleswig-Holstein, auch unter Habecks Ägide, lange Zeit führend beim Windkraftausbau war, sind viele der Anlagen inzwischen alt genug, um vor dem Rückbau zu stehen.

“Zur Klärung der offenen Fragen rund um das Repowering braucht es schnellstmöglich eine gesetzliche Klarstellung, die neue Bundesregierung sollte dies zeitnah umsetzen,” sagte Horst Leithoff, Landesverbandschef des Bundesverbands Windenergie im Dezember.

Repowering-Projekte, also das Errichten neuer, modernerer Anlagen, wo einst ältere Windturbinen standen, gelten bisher im Genehmigungsverfahren dieselben naturschutz- und artenschutzfachlichen Vorgaben wie bei neu geplanten Projekten auf “grüner Wiese,” so der Verband.

“Wir sind sehr dafür, dass an allen Flächen, wo repowered werden kann, zukünftig auch repowered wird,” so Weil.

Eine Verschlankung der aufwendigen Genehmigungsverfahren für die Installation von Windkraftanlagen wird grundsätzlich in Habecks “Osterpaket” erwartet.

Wasserstoff vor Ort

Schleswig-Holstein ist für Habeck auch dank des Erfolgs beim Ausbau der Erneuerbaren ein Vorzeigeprojekt. So erfolgreich war der Ausbau der Windkraft, dass an windreichen Tagen massenhaft Strom abgeregelt werden muss. Bereits in 2017 waren dies fast 3 Terawattstunden (TWh).

Laut Habeck sind das die perfekten Voraussetzungen für die Produktion von “grünem” Wasserstoff, wobei mithilfe von erneuerbarem Strom Wassermoleküle gespalten werden, um somit Wasser- und Sauerstoff zu erhalten.

“Schleswig-Holstein wird sehen, dass es jetzt die Früchte seiner Arbeit einfährt, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien ein Standortvorteil geworden ist,” so der Minister.

Beim Wasserstoff habe SH “viele spannende Projekte, wo dankenswerterweise Robert Habeck auf Bundesebene auch an unserer Seite ist,” so Weil. Genannt wird vor allem ein Projekt wo mithilfe von Wasserstoff die Herstellung von Zement CO2-neutral werden soll, was den Bund und das Land insgesamt mehr als eine halbe Milliarde Euros kosten wird.