Hersteller: "Weizenschwemme" macht Aus für Biokraftstoffe obsolet
Angesichts der Pläne des deutschen Landwirtschafts- und des Umweltministeriums, die Nutzung konventionelle Biokraftstoffe bis 2030 zu beenden, argumentieren die Hersteller von Energiepflanzen, dass die Begründung angesichts des derzeitigen Überangebots an Getreide in den Nachbarländern der Ukraine obsolet geworden sei.
Angesichts der Pläne des deutschen Landwirtschafts- und des Umweltministeriums, die Nutzung konventionelle Biokraftstoffe bis 2030 zu beenden, argumentieren die Hersteller von Energiepflanzen, dass die Begründung angesichts des derzeitigen Überangebots an Getreide in den Nachbarländern der Ukraine obsolet geworden sei.
Der deutsche Landwirtschaftsminister Cem Özdemir und die Umweltministerin Steffi Lemke, beide von den Grünen, wollen die Nutzung von Biokraftstoffen aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen bis 2030 beenden, um landwirtschaftliche Flächen für die Nahrungsmittelproduktion freizugeben.
Die Initiative wurde ursprünglich im April 2022 als Reaktion auf die russische Aggression gegen die Ukraine eingebracht, die die Sicherheit der Lebensmittelversorgung in der Ukraine bedrohte.
„Agrarflächen sind weltweit begrenzt, wir brauchen sie dringend für die Ernährung, das führt uns der Krieg in der Ukraine dramatisch vor Augen“, sagte Lemke im April 2022 der Augsburger Allgemeinen.
Ein Jahr nach dem Einmarsch Russlands hat sich die Situation jedoch verändert.
Der Erfolg der EU-Solidaritätskorridore – eine Reihe von Maßnahmen, die der Ukraine helfen sollen, landwirtschaftliche Güter auf allen möglichen Wegen zu exportieren, einschließlich des Schienen-, Straßen- und Binnenschiffsverkehrs – hat zu einem Zustrom von Getreide in die Nachbarländer, einschließlich Polen und Rumänien, geführt.
Nach Ansicht der Hersteller von Energiepflanzen ist die Initiative der Minister daher nicht mehr gerechtfertigt.
„Die im Bundesumweltministerium angeführte Begründung ist unserer Einschätzung nach obsolet: Die Preise für Weizen und Ölsaaten sind dramatisch gesunken, in den an der Ukraine angrenzenden Länder ist eine Weizenschwemme zu verzeichnen“, sagte Dieter Bockey von der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) gegenüber EURACTIV.
Dies habe sogar dazu geführt, dass „dass der polnische Bauernverband eine dringende Lösung anmahnte zur Marktentlastung“, wie etwa „Einlagerung aus Mitteln der EU oder Verarbeitung zu Bioethanol“, so Bockey weiter.
Landnutzungskonkurrenz wird zunehmen, sagt das Ministerium
Das deutsche Landwirtschaftsministerium teilt die Ansicht des Verbandes jedoch nicht.
Um das Problem des Getreidetransports aus der Ukraine über alternative Routen zu lösen, sei ein „weitere Ausbau und die Stärkung der EU-Solidaritätskorridore von hoher Bedeutung“, so ein Sprecher des Ministeriums gegenüber EURACTIV.
Dies solle „einen zügigen und kostengünstigen Transport des ukrainischen Getreides zu ermöglichen und damit zur Stabilisierung der Versorgung der Weltagrarmärkte beizutragen“, hieß es.
In Bezug auf konventionelle Biokraftstoffe verteidigte das Ministerium das Ziel, deren Nutzung zu beenden.
„Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geht mittel- bis langfristig von weiter zunehmenden Flächennutzungskonkurrenzen aus, die auch zukünftig zu Knappheiten auf den Nahrungsmittelmärkten führen können“, so der Sprecher.
„Mit der vorgeschlagenen weiteren schrittweisen Absenkung dieser Obergrenze wird ein Beitrag zur Ernährungssicherung geleistet, indem die für Biokraftstoffe verwendeten Pflanzen stärker im Food-Feed-Bereich genutzt werden können“, fügte er hinzu.
Ähnlich äußerte sich die NGO Deutsche Umwelthilfe, die Berichte über eine Weizenschwemme als „übertrieben“ bezeichnete.
„Die Getreidepreise sind in letzter Zeit gesunken, befinden sich global aber weiterhin auf Rekordniveau, höher als vor Kriegsbeginn und höher als selbst in 2011“, sagte Johanna Büchler, Senior-Expertin für Verkehrspolitik bei der Organisation, gegenüber EURACTIV.
Um die Lebensmittelpreise zu stabilisieren und die Klima- und Biodiversitätsziele zu erreichen, „brauchen wir mehr Fläche für einen naturverträglichen, extensiven Anbau von Nahrungsmitteln und müssen zudem dringend Platz an die Natur zurückgeben für Schutz und Wiederaufbau von CO2-Senken und Naturräumen“, so Büchler.
„Den massiven Flächenverbrauch für die Erzeugung von Agrokraftstoff (und Tierfutter) können wir uns schlicht nicht mehr erlauben“, fügte sie hinzu.
Produzenten: „Tank oder Teller“ ist kein Widerspruch
Die Hersteller von Biokraftstoffen halten das Argument des Wettbewerbs zwischen der Nahrungsmittel- und der Biokraftstoffproduktion für unzutreffend.
„Es gab nie eine Verbindung zwischen Lebensmittelsicherheit und Biokraftstoffen“, sagte James Cogan von Ethanol Europe gegenüber EURACTIV und beklagte, dass „so viel politische Zeit auf dieses Nicht-Thema verschwendet wurde und wird“.
„Jeder, der behauptet, dass eine Verringerung der Nachfrage nach Biokraftstoffen die Ernährungssicherheit verbessern kann, stützt seine Behauptung eher auf vage Gefühle als auf harte Fakten“, sagte Cogan.
„Sie konnten nie glaubhaft erklären, wie eine Verringerung der Biokraftstoffnachfrage tatsächlich zu einer Verbesserung der Ernährungssicherheit führen könnte“, fügte er hinzu.
[Bearbeitet von Sean Goulding Carroll/Nathalie Weatherald]