Industrie warnt EU vor Verbrenner-Aus für Lkw und Busse
Fahrzeughersteller, Kraftstoffhersteller und andere Industrieverbände haben die EU-Abgeordneten und Regierungen gewarnt, dass ein zu frühes Verkaufsverbot für Lastkraftwagen (Lkw) und Busse mit Verbrennungsmotor den europäischen Straßengüterverkehr gefährden könnte.
Fahrzeughersteller, Kraftstoffhersteller und andere Industrieverbände haben die EU-Abgeordneten und Regierungen gewarnt, dass ein zu frühes Verkaufsverbot für Lastkraftwagen (Lkw) und Busse mit Verbrennungsmotor den europäischen Straßengüterverkehr gefährden könnte.
Im Vorfeld der Verabschiedung neuer europäischer CO2-Flottengrenzwerte für schwere Nutzfahrzeuge am Dienstag (14. Februar) haben die Industrieverbände eine Kommunikationsoffensive gestartet, in der Hoffnung, die Emissionsziele beeinflussen zu können.
In einem kürzlich von der Industrie verfassten offenen Brief werden die politischen Entscheidungsträger:innen ermutigt, den Verbrennungsmotor als mit den EU-Klimazielen vereinbar zu betrachten, solange fossile Kraftstoffe durch CO2-arme und CO2-neutrale flüssige Kraftstoffe wie Biokraftstoffe und E-Fuels ersetzt werden.
Im Gegensatz dazu fordern Umweltschützer:innen die Kommission auf, den Verkauf von Lkw mit Verbrennungsmotoren so schnell wie möglich zu verbannen und einen branchenweiten Umstieg auf Elektro- und grüne Wasserstoffantriebe zu fördern.
Schwere Nutzfahrzeuge machen etwa 2 Prozent des Verkehrs auf europäischen Straßen aus, sind jedoch für etwa 28 Prozent der Emissionen des Straßenverkehrs verantwortlich.
Die Europäische Kommission erklärt ihrerseits, dass jede Technologie, die die vereinbarten Emissionsnormen erfüllen kann, willkommen ist. Ein Ziel, die CO2-Emissionen um 100 Prozent zu senken, wird jedoch als De-facto-Verbot für Verbrennungsmotoren angesehen.
Durchgesickerter Entwurf
Brüssel hat eine zunehmend entschlossene Haltung zur Verringerung der CO2-Emissionen im Straßenverkehr eingenommen und sich erfolgreich dafür eingesetzt, den Verkauf neuer Benzin- und Dieselfahrzeuge bis 2035 zu verbieten.
Obwohl der Vorschlag der Kommission zunächst umstritten war, wurde er im Oktober letzten Jahres von den Mitgliedsstaaten und den Verhandlern des Europäischen Parlaments angenommen.
Ein durchgesickerter Entwurf der CO2-Flottengrenzwerte für schwere Nutzfahrzeuge, der EURACTIV vorliegt, deutet darauf hin, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Kommission ihr Ziel für 2035 wiederholt. Stattdessen wird erwartet, dass sie frühestens 2040 zu vollständig CO2-freien Lkw übergehen wird.
Das durchgesickerte Dokument lässt die Ziele für die Reduzierung der CO2-Emissionen zwischen 2025 und 2029 unangetastet und gibt noch nicht an, welche Emissionsminderungen danach erforderlich sind.
Mittlerweile haben sich klare Fronten herausgebildet: einerseits die Kraftstoff- und Güterkraftverkehrsindustrie, die sich gegen eine mögliche Einschränkung des Verbrennungsmotors wehrt, und andererseits Umwelt-NGOs, welche die Kommission dazu drängen, den Umstieg auf saubere Fahrzeuge bis spätestens 2035 herbeizuführen.
Ein unnötiges und riskantes Experiment
Die Internationale Straßentransport-Union (IRU), eine Gruppe, die Güterkraftverkehrsunternehmen vertritt, warnte, dass der europäische Lkw-Sektor noch nicht bereit sei, die vollständige Elektrifizierung zu erfüllen.
„Die lebenswichtigen Logistikketten, die die EU-Bürger mit Lebensmitteln, Medikamenten und anderen lebenswichtigen Gütern versorgen, sollten nicht einem unsicheren Sprung ins Ungewisse ausgesetzt werden, der ihre Stabilität gefährden könnte“, sagte Raluca Marian, die EU-Cheflobbyistin der IRU.
„Eine völlige Abkehr vom Verbrenner, obwohl auch damit das gleiche Ziel erreicht werden kann, je nachdem, was verbrannt wird, kann nur als ein unnötiges und riskantes Experiment bezeichnet werden“, fügte sie hinzu.
Eine der Hauptsorgen der Industrie ist der Mangel an Ladeinfrastruktur in der gesamten EU. Solange keine ehrgeizigen Ziele für Ladestationen gesetzlich verankert sind, wäre eine verpflichtende Umstellung auf saubere Lastwagen und Busse zu riskant, so die Argumentation.
Der Branchenverband Advanced Biofuels Coalition LSB äußerte die Befürchtung, dass die Abkehr von Verbrennungsmotoren Investitionen in CO2-arme Kraftstoffe, etwa Biokraftstoffe, bremsen würde.
„Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die politischen Entscheidungsträger:innen die Rolle der erneuerbaren Kraftstoffe im Schwerlastsektor anerkennen, um Sicherheit für Investitionen in fortschrittliche Biokraftstoffe zu gewährleisten, die in den kommenden Jahrzehnten für die alte Flotte im Verkehrssektor benötigt werden“, sagte Marko Janhunen, Vorsitzender der Advanced Biofuels Coalition und Public Affairs Director bei UPM.
Wenn die Kommission dies nicht tue, handele die EU-Kommission „nicht nach dem Grundsatz der Technologieneutralität“, fügte er hinzu.
In einer gemeinsamen Erklärung sprachen sich der Automobilherstellerverband ACEA und der Verband der Autozulieferer CLEPA dafür aus, Anreize zu schaffen, um Verkehrsunternehmen zu Investitionen in emissionsfreie Fahrzeuge zu ermutigen, anstatt Verbote zu erlassen.
Dies würde ihrer Meinung nach dazu beitragen, einen „soliden Business Case“ für solche Fahrzeuge zu schaffen.
Die Verbände argumentieren, dass die europäische Lkw-Industrie angesichts der steigenden Energiepreise und der hohen Rohstoffkosten „Flexibilität“ brauche, um mit den USA und China konkurrieren zu können.
Drängen auf Ausstieg 2035
Laut der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) bedeutet die durchschnittlich 18-jährige Lebensdauer von Lkw jedoch, dass der Verkauf von Lastkraftwagen und Bussen mit Verbrennungsmotoren bis 2035 gestoppt werden muss, um die EU-Klimaziele zu erreichen.
Die Vorgabe eines 100-prozentigen CO2-Reduktionsziels wäre ein Anreiz für Hersteller und Betreiber, in Elektrofahrzeuge zu investieren und die Produktion von Batterien und sauberen Fahrzeugen in der EU zu fördern, argumentiert T&E.
Ein Verzicht darauf würde „unserer aufstrebenden Batterieindustrie die Investitionssicherheit nehmen.“
„Die große Frage für die Europaabgeordneten und die Regierungen ist: Hält dieser Vorschlag das Net-Zero-Ziel für 2050 am Leben? Alles andere als die Verpflichtung zum Verkauf von emissionsfreien Lkw bis 2035 würde dazu führen, dass wir Mitte des Jahrhunderts immer noch umweltverschmutzende Diesel-Lkw in der Flotte haben“, sagte Fedor Unterlohner, Manager für Frachtpolitik bei T&E.
[Bearbeitet von Alice Taylor]