Insolvenzzahlen steigen in Frankreich um 50 Prozent an
Laut einem Bericht des Beratungsunternehmens für Datenanalyse Altares werden im Jahr 2022 rund 42 500 französische Unternehmen schließen, was einem Anstieg der Insolvenzen um fast 50 Prozent im Vergleich zu 2021 entspricht.
Laut einem Bericht des Beratungsunternehmens für Datenanalyse Altares werden im Jahr 2022 rund 42 500 französische Unternehmen schließen, was einem Anstieg der Insolvenzen um fast 50 Prozent im Vergleich zu 2021 entspricht.
Dies entspricht einem Anstieg von 49,9 Prozent im Vergleich zu 2021 – ein Rekordwert, der auf die schwache wirtschaftliche Erholung seit Beginn der COVID-19-Pandemie zurückzuführen ist.
Die Zahl der Insolvenzen ist zwischen März 2020 und November 2021 stark zurückgegangen, denn die Unternehmen griffen damals verstärkt auf staatliche Unterstützungsprogramme zurück. Im Gegensatz zu Deutschland wurden diese Finanzhilfen allerdings als Kredite vergeben.
Da diese Unternehmen nun anfangen müssen, die staatlich geförderte Kredite zurückzuzahlen, steigt die Zahl der Insolvenzen wieder an – und obwohl die Zahlen 2022 unter denen von 2019 bleiben, ist die Geschwindigkeit, mit der sie verzeichnet werden, signifikant.
Am besorgniserregendsten für den Mittelstand
Generell haben Insolvenzen die kleinsten Unternehmen am stärksten getroffen. Europaweit betrafen 80 Prozent aller Insolvenzen (1,6 Millionen) im Jahr 2021 Ein-Personen-Unternehmen, so die Europäische Kommission – und das gilt auch für Frankreich.
Die Daten von Altares zeigen jedoch, dass die Situation für Unternehmen mit 10 bis 99 Mitarbeitern immer besorgniserregender wird.
Im Jahr 2022 wurden 3.214 KMU-Insolvenzen verzeichnet, verglichen mit 1.804 im Jahr 2021, ein Anstieg von +78 Prozent innerhalb eines Jahres“, heißt es in dem Bericht. Ein Drittel dieser Insolvenzen ereignete sich in den letzten drei Monaten des Jahres 2022, was einem Anstieg von 93 Prozent entspricht.
„Wenn KMU in Konkurs gehen, ist das gesamte lokale Wirtschaftsnetz betroffen“, erklärte Thierry Millon, der die Studie leitete, gegenüber EURACTIV Frankreich.
„Sie können ihre Lieferanten nicht mehr bezahlen, und der Verlust von Arbeitsplätzen ist in der gesamten Wertschöpfungskette viel größer“, sagte er. Besonders besorgniserregend ist für ihn, dass einige dieser KMU zu Beginn wirtschaftlich gesund waren, bevor sie gezwungen waren, sich zurückzuziehen.
Steigende Energiekosten, geringes Wirtschaftswachstum und die zahlreichen finanziellen Zwänge, die sich aus der Rückzahlung staatlich garantierter Kredite ergeben, tragen alle zu diesem Trend bei.
Auch die von Präsident Emmanuel Macron geprägte Ära des „Anything it takes“, um den Unternehmen während der Pandemie mit allen Mitteln zu helfen, ist vorbei.
„Alle Faktoren sind vorhanden, um das erste Quartal 2023 für viele Unternehmen sehr unangenehm zu machen“, so Millon.
Sektorale und europaweite Anstiege
Insolvenzen betreffen alle Sektoren, wobei der Bausektor mit 10.000 Schließungen ein Viertel der Insolvenzen ausmacht, heißt es im Altares-Bericht.
Das Gleiche gilt für den Einzelhandel, wo die Zahl der Unternehmen, insbesondere der kleinsten, rasch abnimmt. Bei den Dienstleistungen ist ein moderaterer Anstieg von 32,3 Prozent im Vergleich zu 2021 zu verzeichnen.
Die Zahl der Insolvenzen wird im Jahr 2023 weiter ansteigen, da der Bericht für dieses Jahr 55.000 Insolvenzen prognostiziert, eine Zahl, die nahe an den 55.400 registrierten Unternehmensinsolvenzen von 2017 liegt.
Auch in anderen Teilen Europas ist ein Anstieg der Insolvenzen zu verzeichnen.
Während in Italien laut den vom Marktforschungsunternehmen Cerved veröffentlichten Zahlen des Osservatorio Rischio Imprese vom Oktober 2022 100.000 Unternehmen vom Konkurs bedroht sind, sind in Polen die Anträge auf vorübergehende Einstellung der Geschäftstätigkeit im vergangenen Jahr um 39,4 Prozent gestiegen.
In der Zwischenzeit „meldete mehr als eines von zehn britischen Unternehmen im August 2022 ein mittleres bis hohes Insolvenzrisiko“, heißt es in einer Mitteilung des Office for National Statistics.
Den Artikel können Sie im französischen Original hier lesen.