Intellektuelle weisen auf Vorteile der Mehrsprachigkeit hin [DE]

Der Kommissar für Mehrsprachigkeit, Leonard Orban, hat das erste Treffen einer Gruppe von Intellektuellen und Experten geleitet, die bis zum Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs 2008 Empfehlungen darüber erarbeiten soll, wie Sprachen den "interkulturellen Dialog und das gegenseitige Verständnis" fördern können.

orban2.jpg
orban2.jpg

Der Kommissar für Mehrsprachigkeit, Leonard Orban, hat das erste Treffen einer Gruppe von Intellektuellen und Experten geleitet, die bis zum Europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs 2008 Empfehlungen darüber erarbeiten soll, wie Sprachen den „interkulturellen Dialog und das gegenseitige Verständnis“ fördern können.

Nach einem Treffen am 29. Juni 2007 wird die erste Aufgabe der Gruppe sein, Empfehlungen zu einem Beitrag  für das bevorstehende Europäische Jahr des Interkulturellen Dialogs geben.

Für die Gruppe wurden elf unabhängige Experten mit einem multikulturellen, literarischen oder akademischen Hintergrund in einem multilingualen und multikulturellen Kontext ausgewählt: Der Vorsitzende ist Amin Maalouf (Schriftsteller aus dem Libanon), Jens Christian Grondahl (Schriftsteller aus Dänemark), Tullio de Mauro (Linguist aus Italien), Jutta Limbach (Präsidentin des Goethe-Instituts aus Deutschland), Jan Sokol (Philosoph aus der Tschechischen Republik), David Green (ehemaliger Direktor des British Council aus dem Vereinigten Königreich), Jacques de Decker (belgischer Schriftsteller, Journalist, ‚secrétaire perpétuel’ der Académie royale de langue et de littérature françaises de Belgique), Sandra Pralong (Kommunikationsexpertin aus Rumänien), Jorge Semprun (Schriftsteller aus Spanien), Tahar Ben Jelloun (Schriftsteller und Dichter aus Marokko) und Eduardo Lourenço (Schriftsteller und Philosoph aus Portugal).

„Als Kernbestandteil unserer Identität ist Sprache das strukturierende Element jeder Kultur und ihr direktester Ausdruck“, sagte Kommissar Orban. „Die Wahrung und Förderung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt als Schlüssel für die europäische Integration gehört zu den strategischen Prioritäten der Europäischen Union. Die Förderung des interkulturellen Dialogs ist untrennbar mit der Mehrsprachigkeit verbunden.“

Die erfolgreichen Erweiterungen der Europäischen Union und die erhöhte Mobilität der Bürger sowie der Globalisierungsprozess haben zu neuen Einwanderungswellen geführt und den Austausch zwischen Sprachen, Kulturen und Ideen in Europa verstärkt. Um den Herausforderungen einer zunehmend multikulturellen europäischen Gesellschaft zu begegnen, besteht eine hohe Notwendigkeit, interkulturelle Fähigkeiten der europäischen Bürger zu entwickeln und den interkulturellen Dialog zu fördern. Die Aufgaben der Gruppe werden sein:

  • Zu erörtern, wie Fremdsprachenkenntnisse Zugang zu anderen Kulturen verschaffen und zu einer integrativen Gesellschaft in Europa beitragen können;
  • Wege aufzuzeigen, wie der interkulturelle Dialog in Europa gefördert werden kann, unter Berücksichtigung der ethischen Dimensionen einer multikulturellen Gesellschaft, und;
  • Der Vorschlag von Strategien zur Sensibilisierung für das bereichernde Potenzial des Sprachenlernens und des Kontakts mit anderen Sprachen und Kulturen, mit Blick auf das Europäische Jahr des interkulturellen Dialogs (2008).

Die Gruppe wird sich 2007 drei Mal treffen; ihre Schlussfolgerungen werden im kommenden Jahr vorgelegt werden.

Die Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) wird auf Initiative von den Europaabgeordneten Marco Cappato (Partito Radicale, Italien), Marco Pannella (Partito Radicale, Italien) und Henrik Lax (Svenska Folkpartiet, Finnland) am 2. und 3. Juli 2007 eine öffentliche Anhörung abhalten, um linguistische Diskrimination zu diskutieren und zu analysieren. Ziel ist es außerdem, die Ineffizienz der bisherigen Sprachpolitiken in Europa zu bekämpfen.

Cappato sagte, täglich würden Millionen von europäischen Bürgern diskriminiert, sei es in ihrem Arbeitsumfeld oder im Umgang mit ihren lokalen Behörden, da es ihnen nicht möglichen sei, ihr Anliegen oder ihre Arbeit in ihrer Muttersprache durchzuführen. Dies sei ein wahrhaftiges Paradox, so Cappato, da dieses Recht in den Verträgen festgelegt sei, und besonders, da die Union mit einer Reihe von Initiativen aktiv an der Erhaltung der sprachlichen Vielfalt in Europa beschäftigt sei. Das Problem habe eine globale Dimension, so Cappato weiter. Laut der UNESCO werden zwischen 50% und 90% der Sprachen, die weltweit gesprochen werden, in diesem Jahrhundert verschwinden, wenn nicht effektive Maßnahmen eingeleitet würden.

Die zweitägige Anhörung, die Linguisten, Gewerkschafter, Journalisten und NGOs einschließt, die auf dem Gebiet der Minderheitensprachen aktiv sind, soll Wege finden, wie Mehrsprachigkeit zur Realität werden kann, und zwar nicht nur in den europäischen Institutionen, sondern näher an den sprachlichen Minderheiten, die dazu gezwungen würden, in einer anderen als ihrer Muttersprache zu leben und zu arbeiten.