Interview: EU-Projekt für interkulturellen Dialog 'vernachlässigt' Sport [DE]

Das Europäische Jahr des Interkulturellen Dialogs "war bisher im Bereich Sport noch nicht erfolgreich", sagte Mogens Kirkeby, Präsident der International Sport and Culture Association, in einem Interview mit EURACTIV. Er forderte die öffentlichen Behörden auf, Sportprojekte und sportliche Aktivitäten auf lokaler Ebene stärker zu unterstützen.

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Das Europäische Jahr des Interkulturellen Dialogs „war bisher im Bereich Sport noch nicht erfolgreich“, sagte Mogens Kirkeby, Präsident der International Sport and Culture Association, in einem Interview mit EURACTIV. Er forderte die öffentlichen Behörden auf, Sportprojekte und sportliche Aktivitäten auf lokaler Ebene stärker zu unterstützen.

„Wenn man sich die nationalen Aktionspläne des Europäischen Jahr des Interkulturellen Dialogs ansieht, findet man nur sehr wenige Länder, die den Sport und seine Organisationen als wichtige Stakeholder erwähnen. Daher ist diese europäische Kampagne im Bereich Sport noch nicht erfolgreich gewesen“, sagte Kirkeby von der ISCA

Er betonte weiter die Tatsache, dass die gegenwärtigen Aktivitäten zur Förderung des interkulturellen Dialogs durch Sport in Europa „auf lokaler Ebene geplant und durchgeführt werden, ohne eine übergreifende Strategie, Politik und Unterstützung“.

Während lokale Initiativen oftmals „erfolgreich sind, weil sie die Menschen direkt in den Gemeinden erreichen“. Gleichzeitig seien sie aber auch „gefährdet“, da sie meist auf persönlichem Engagement und freiwilligen Initiativen beruhten, betonte er. Daher forderte er, dass solche Projekte von „langfristigen Programmen auf nationaler Ebene unterstützt werden“. Seiner Ansicht nach würde dies das Engagement von zivilgesellschaftlichen Organisationen und Sportverbänden stärken und „nachhaltigere Initiativen, bessere Ergebnisse, Inspiration und Dokumentierung“ sicherstellen.

Besondere Unterstützung des Sportes als Mittel des interkulturellen Dialogs und der sozialen Entwicklung im öffentlichen Sektor sei umso wichtiger, da es „eine Grenze gibt, wie viele der gesellschaftlichen Herausforderungen die Zivilgesellschaft auf die Schultern nehmen kann“, so Kirkeby. Er erklärte, dass die Sportorganisationen sich zwar sehr den Themen und Herausforderungen der Zivilgesellschaft annehmen würden, die Partnerschaft mit der Öffentlichkeit müsse jedoch „ausgewogener“ sein.

Wenn die Zivilgesellschaft beispielsweise das Gesundheitswesen unterstützen solle, sollte das Gesundheitswesen auch den Sportorganisationen dabei helfen, Untätigkeit und Fettleibigkeit zu bekämpfen, stellte er fest. Dies gelte auch für die Integrationspolitik, bemerkte er: „Staats- und Regierungschefs können zwar Länder in die Europäische Union integrieren, die Bürger hingegen müssen von der Zivilgesellschaft in die EU integriert werden.“

Um die Öffentlichkeit und weitere Stakeholder mit ins Boot zu holen, sei eine „zuverlässige Dokumentation und Auswertung“ der konkreten Folgen und Ergebnisse von Sportaktivitäten und -projekten nötig, so Kirkeby. Gegenwärtig würden „die meisten Maßnahmen und Ergebnisse eher durch bewährte Methoden bestimmt als auf der Grundlage einer nachweisbaren Auswertung“, sagte er. 

Im Hinblick auf das Weißpapier der EU zu Sport und auf das bevorstehende europäische Sportprogramm begrüßte Kirkeby den Fokus auf die gesellschaftliche Rolle des Sports, beklagte aber die Tatsache, dass ein großer Teil der Unterstützung von Maßnahmen im Bereich des Sports aus anderen EU-Programmen käme. „Hier wird die Verantwortung weitergereicht, und wir wissen aus Erfahrung, dass es leider sehr schwierig ist, Unterstützung von EU-Programmen zu erhalten, die sich nicht direkt dem Sport widmen. Nur die Jugendprogramme konnten bislang für Initiativen im Bereich des Sports genutzt werden, die durch zivilgesellschaftliche Organisationen aus der Sportbranche unterstützt werden“, sagte er.

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