Interview: EU strebt ‚gemeinsame Vision’ bei UN-Klimagesprächen an [DE]

Die wichtigsten Elemente eines internationalen Nachfolgeabkommens für das Kyoto-Protokoll seien bereits ausgearbeitet, so EU-Umweltkommissar Stavros Dimas. Was noch fehle, sei eine „gemeinsame Vision“, wie man die Ziele erreichen könne, sagte er in einem Exklusivinterview mit EURACTIV. 

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Die wichtigsten Elemente eines internationalen Nachfolgeabkommens für das Kyoto-Protokoll seien bereits ausgearbeitet, so EU-Umweltkommissar Stavros Dimas. Was noch fehle, sei eine „gemeinsame Vision“, wie man die Ziele erreichen könne, sagte er in einem Exklusivinterview mit EURACTIV. 

Die hochrangigen Gespräche im Rahmen der UN-Klimaverhandlungen werden diese Woche im polnischen Posen, am 11. und 12. Dezember, eröffnet. 

Die Verhandlungen werden den Weg für die Nachfolgekonferenz im nächsten Jahr in Kopenhagen bereiten, bei der sich die Teilnehmer aus 170 verschiedenen Ländern auf ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll einigen sollen. 

„Es wird klar anerkannt, dass das zukünftige Abkommen nicht nur zur Reduzierung der weltweiten Emissionen beitragen, sondern auch bei der notwendigen Anpassung an den Klimawandel helfen soll, insbesondere in den ärmsten und anfälligsten Entwicklungsländern“, sagte Dimas. 

„Technologie und Finanzen werden bei der Erreichung beider Ziele von entscheidender Bedeutung sein.“

Obgleich man sich auf diese ‚Bausteine’ bereits vor einem Jahr in Bali geeinigt habe, müssten weitere Fortschritte erzielt werden, um ein Abkommen abschließen zu können, warnte Dimas. „Was immer noch fehlt, ist eine ‚gemeinsame Vision’ für das zukünftige Abkommen. In Posen wird diese Vision das erste Mal in den Fokus gerückt.“

Dem griechischen Kommissar zufolge solle es bei dieser gemeinsamen Vision „um mehr als um die Festlegung eines langfristigen globalen Ziels zur Emissionsreduzierung für 2050 und eines mittelfristigen Ziels für 2020 gehen“, obwohl er die Bedeutung dieser Ziele anerkennt. 

Für die EU „geht es außerdem darum, ein globales Verständnis zu schaffen und die weltweite Zusammenarbeit anzuregen, um die nachhaltige, kohlenstoffarme Entwicklung voranzutreiben, die außerdem zur Erreichung des Millenium-Entwicklungsziels“ der Armutsbekämpfung beitrage, sagte er. 

Der Umweltkommissar warnt jedoch auch vor zu hohen Erwartungen an das Treffen. „Die Gespräche in Posen sind niemals als Gelegenheit für große Fortschritte angesehen worden, da sie lediglich die Halbzeit eines zweijährigen Prozesses markieren.“ Das Treffen könne allerdings für Schwung im Vorfeld des nächsten Treffens im Dezember in Kopenhagen sorgen, sagte er.

„Wir hoffen, dass die ersten Verhandlungstexte ungefähr zur Zeit der ersten Sitzung im Jahr 2009, im März, auf dem Tisch liegen, und dass sich ab diesem Zeitpunkt alle Länder engagieren werden.“ Das UN-Arbeitsprogramm solle außerdem die Gelegenheit bieten, „wenn nötig, eine weitere Verhandlungsrunde im Herbst 2009 abzuhalten, zusätzlich zu denen, die bereits vereinbart wurden“, schlug er vor. 

Ergebnis des EU-Gipfels ‚wird Gespräche in Posen’ nicht beeinflussen

Eine Schwierigkeit bei den Verhandlungen in Posen besteht darin, dass die hochrangigen Gespräche am 11. und 12. Dezember mit dem EU-Gipfel in Brüssel zusammenfallen. Bei diesem Gipfel soll über das eigene, ehrgeizige Klima- und Energiepaket der EU entschieden werden. 

Dimas betonte allerdings, dies werde das Interesse an der UN-Klimakonferenz nicht schmälern. Fortschritte könnten auch ohne ein EU-Abkommen über das Klimapaket erzielt werden. 

„Es ist nur natürlich, dass ein großes Interesse an dem Paket besteht“, sagte er. „Es wäre allerdings übertrieben zu sagen, dass alle Augen auf Brüssel gerichtet seien, da man in Posen in der Zwischenzeit keine Fortschritte erzielen könne. Keiner behauptet das.“

Er rief in Erinnerung, dass die EU bereits im vergangenen Jahr Ziele vereinbart habe, um die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 20% zu reduzieren, unabhängig von den Ergebnissen des EU-Gipfels diese Woche. Das Ziel würde auf 30% erhöht, wenn andere Industrieländer sich zu ähnlichen Emissionsreduzierungen verpflichten würden, sagte er und betonte: „Das ist die gemeinsame Haltung der EU“ und „diese hat sich nicht geändert“.

„Die Diskussionen über das Paket haben keinerlei Einfluss auf diese Haltung.“

Dimas zufolge können bei folgenden Themen auch ohne eine EU-Vereinbarung Fortschritte erzielt werden: „Methodologien zur Messung der Reduzierung von Emissionen bei der Vermeidung von Abforstung, oder politische Themen wie die gemeinsame Vision für ein zukünftiges Abkommen“. 

Um das vollständige Interview zu lesen, klicken Sie bitte hier.