Interview: FIFA will Kommission von National-Quoten überzeugen [DE]

Die FIFA ist fest entschlossen, die EU-Kommission davon zu überzeugen, dass die Auferlegung der umstrittenen “6+5”-Regel für Fußballmannschaften nicht gegen das EU Recht verstößt. Sie komme dem Sport zugute, da sie ein gewisses Maß an nationaler Identität in den Vereinen wiederherstelle. Die extreme Bündelung von Reichtum in den Top-Vereinen könne so gestoppt und ein chancengleicher Wettbewerb in diesem Bereich garantiert werden, so der FIFA-Direktor für internationale Beziehungen zu EURACTIV in einem Interview.

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Die FIFA ist fest entschlossen, die EU-Kommission davon zu überzeugen, dass die Auferlegung der umstrittenen “6+5”-Regel für Fußballmannschaften nicht gegen das EU Recht verstößt. Sie komme dem Sport zugute, da sie ein gewisses Maß an nationaler Identität in den Vereinen wiederherstelle. Die extreme Bündelung von Reichtum in den Top-Vereinen könne so gestoppt und ein chancengleicher Wettbewerb in diesem Bereich garantiert werden, so der FIFA-Direktor für internationale Beziehungen zu EURACTIV in einem Interview.

Die Unterstützung für “6+5” nehme stetig zu, so FIFA-Direktor für internationale Beziehungen Jérôme Champagne.

Sowohl das Internationale Olympische Komitee (IOC) als auch diverse internationale Teamsport-Verbände hätten sich Champagne zufolge für den Regelvorschlag ausgesprochen und erwögen die Einführung ähnlicher Regeln für andere Sportarten. Auch diverse Sportminister von EU-Staaten würden die FIFA unterstützen, gab er an.

Auf die Frage nach der Notwendigkeit von Nationalquoten in Fußballvereinen entgegnete Champagne, dass die Regel eine Reihe von Problemen lösen könne, mit denen sich der Fußball zurzeit auseinandersetzen müsse. Dazu gehörten die Unausgeglichenheit bei Wettkämpfen auf nationaler und internationaler Vereinsebene und die stetig zunehmende Kluft zwischen den Topmannschaften und den niedrigplatzierten Teams bei allen Wettkämpfen, da sich eine immer stärkere Konzentration der Gelder auf die Top-Mannschaften abzeichnet, die sich alle Top-Spieler auf dem Markt kaufen.

Hinzu komme, dass sich die Auswahl an Spielern für die Nationalmannschaft verringere, da immer weniger Nationalspiele regulär bei ihren Vereinen spielen, so Champagne. Außerdem ginge durch den Wechsel der Spieler zu anderen Vereinen oder Ländern die nationale Identität der Vereine verloren und erschwere es den Fans, sich mit ihrem Verein und seinen Spielern zu identifizieren.

Champagne zufolge sei der Vorwurf, die “6+5”-Regel verstoße gegen das EU-Recht auf Freizügigkeit der Arbeitnehmer innerhalb der EU, unbegründet. Er erklärte, dass die Bewegung der Spieler der wichtigsten europäischen Fußballvereine derzeit mehr als 40% betrage, während der Durchschnitt für alle Arbeitnehmer innerhalb der EU unter 10% liege.

Weiter betonte er, dass das besondere Wesen des Sports und besonders des Fußballs anerkannt werden müsse, wie dies der Vertrag von Lissabon vorsehe. Die EU mache mit Quoten für europäische Kinofilme Ausnahmen im kulturellen Bereich, wie er anmerkte, und forderte die Anerkennung des besonderen Wesens des Sportes und das Prinzip einer Ausnahme im Sportbereich innerhalb der EU.

Die FIFA argumentiert außerdem, dass die Regel gleiche Erfolgschancen für alle Wettstreiter im Fußball wiederherstellen würde. Derzeit habe man eine Monopolisierung der Mittel und Gelder bei einigen Vereinen, die bei allen Wettkämpfen dominierten und damit auf direkte Weise die Vorhersehbarkeit der sportlichen Ergebnisse beeinflussten, erklärte Champagne bezugnehmend auf die Gesetzgebung im Kartellrecht, die eine Konzentration finanzieller Mittel in einer jeden Branche verhindern soll.

Letztendlich sei die Regel nur auf die Zahl der Spieler anzuwenden, die sich für die Nationalmannschaft des Landes qualifiziert hätten, in dem sich der Verein zu Beginn des Spieles befinde, merkte Champagne an. Die FIFA beabsichtige keine Begrenzung der Zahl der nicht teilnahmeberechtigten Spieler, die ein Verein unter Vertrag nehmen könne.

Die FIFA könnte in den nächsten Monaten einige Unterstützung vom derzeitigen französischen EU-Ratsvorsitz erhalten. Dieser hatte seine starke Befürwortung dafür zum Ausdruck gebracht, das besondere Wesen des Sports anzuerkennen (siehe EURACTIV 14/07/08). Der französische Sportminister Bernard Laporte hat die EU sogar bereits gebeten, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, den Vorschlag der FIFA zu berücksichtigen.

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