Interview: Taten statt Worte bei UN-Klimaverhandlungen [DE]
Die Teilnehmer der Klimaverhandlungen in Posen sollten „realistisch” bleiben und sich darauf konzentrieren, die Themen festzulegen, mit denen man sich beschäftigen müsse, sobald die neue US-Regierung im Amt sei und alle Länder mit am Tisch säßen, meinte William Ramsay, früherer stellvertretender Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA) im Interview mit EURACTIV.
Die Teilnehmer der Klimaverhandlungen in Posen sollten „realistisch” bleiben und sich darauf konzentrieren, die Themen festzulegen, mit denen man sich beschäftigen müsse, sobald die neue US-Regierung im Amt sei und alle Länder mit am Tisch säßen, meinte William Ramsay, früherer stellvertretender Direktor der Internationalen Energieagentur (IEA) im Interview mit EURACTIV.
„Ich glaube, die Fortschritte, die bei der Herbeiführung eines Dialogs mit Indien, China, Indonesien und anderen Ländern erzielt worden sind, sind sehr wichtig. Wenn man die USA vor diesem Hintergrund mit einbinden kann, kann man sich in den Diskussionen wirklich auf das, was in der Welt getan werden muss, und wann es getan werden soll, konzentrieren“, betonte Ramsay.
Dem früheren stellvertretenden Direktor der IEA zufolge sei bereits zu viel Zeit mit „tugendhaftem Getue“ um das Kyoto-Protokoll verschwendet worden. Stattdessen solle untersucht werden, was die Verbreitung von emissionssenkenden Technologien verhindere.
Solche Hindernisse seien weitgehend finanzieller Natur, meinte er und betonte, dass „es so etwas wie Technologietransfer nicht gibt“; Technologien könnten nur erworben werden. Deshalb sei es wichtig, einen Markt zu schaffen, auf dem die Unternehmen, die Kohle zur Stromerzeugung nutzten, die Technologien kaufen könnten, die für den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft nötig seien, und wo jene erkennen könnten, dass dies in ihrem eigenen Interesse sei, betonte er.
„Fortschritte sind möglich, vielleicht sogar schon in Kopenhagen. Die Erwartungen an Posen sollten realistisch bleiben. Die Konferenz findet leider zu einem schlechten Zeitpunkt statt“, meinte Ramsay.
Der frühere stellvertretende Direktor der IEA erklärte, die aktuelle Situation berge für die Klimaschutzbewegung sowohl Risiken als auch Möglichkeiten. Die Aussicht, dass die Ölpreise in Zukunft zusammenbrechen könnten, drohe die Anreize für eine Verbreitung von umweltfreundlichen Energien zu schmälern. Andererseits biete die Finanzkrise eine gute Gelegenheit, in Energieeffizienz zu investieren, erklärte Ramsay.
Die großen Autohersteller in den USA, die derzeit finanzielle Probleme hätten, sollten „die Gunst der Stunde“ und bereits erhältliche Technologien nutzen, um „enorm effiziente“ Fahrzeuge zu bauen, meinte er. „Solche Dinge könnten in der US-Wirtschaft und in den US-Fahrzeugen funktionieren, selbst von ihren Geländewagen müssten sich die US-Amerikaner nicht notwendigerweise trennen.“
Allerdings müsse die Regierung die Standards für Kraftstoffe regulieren, damit Fortschritte erzielt werden könnten, meinte Ramsay. Außerdem forderte er eine „recht aktive Politik seitens der Regierung“ zur Förderung der bereits bestehenden kohlenstoffarmen Technologien. Er zeigte sich überzeugt, dass es in der aktuellen Situation äußerst wahrscheinlich sei, dass diese Unterstützung nachlassen werde, da erneuerbare Energien teuer seien und die Gelder der Regierung noch knapper würden.
Steuererhöhungen seien keine Lösung, da sie zu unpopulär seien und sich zeigen würde, dass sie das Konsumentenverhalten nicht ändern könnten, betonte Ramsay. Er hält langfristige Ziele, wie die Ziele der EU zur Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2020, ebenfalls für keine angemessene Reaktion.
„Ziele für 2020 oder 2030 oder 2050 sind sinnlos. Ziele müssen messbare Meilensteine innerhalb einer politischen Amtsperiode enthalten, damit die Politiker diese Ziele festlegen und dafür verantwortlich gemacht werden können, ob sie diese erreichen oder nicht“, erklärte der stellvertretende IEA-Direktor und forderte, dass die 2020-Ziele durch ein Ziel für 2010 oder Messpunkte für 2012 oder 2014 ersetzt würden.
Im Bereich der Emissionsobergrenzen und des Emissionshandels hätten die Europäer jenen, die an dem Thema interessiert seien, jedoch einen „wichtigen Dienst” geleistet, da letztere durch das EU-Emissionshandelssystem (ETS) viele Erfahrungen hätten sammeln können, betonte Ramsay. „Diejenigen, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen, konnten sehr gute Lehren daraus ziehen“, meinte er und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die größten Fallstricke beim Übergang zur nächsten Phase des ETS, in der es mit anderen globalen Systemen verbunden wird, umgangen werden könnten.
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