Interview: Trumps Energieminister sieht „langfristige“ EU-Abhängigkeit von den USA
Die Vereinigten Staaten wollen sich als zentraler Energieversorger etablieren – nicht nur für Europa.
Die Zusage der EU, in den kommenden drei Jahren Öl, Gas und Nukleartechnologie im Wert von 750 Milliarden Dollar aus den USA zu beziehen, ist Teil einer grundlegenden Neuordnung der globalen Energieströme. Das erklärte US-Energieminister Chris Wright im Interview mit Euractiv.
„Ich denke, das ist eine langfristige Veränderung“, sagte Wright am Freitag in Brüssel. „Wenn man Energie kauft, insbesondere Flüssigerdgas, wird eine enorme Infrastruktur aufgebaut.“
„Das wird nicht nach dreieinhalb Jahren vorbei sein“, betonte Wright nach seinen ersten Treffen mit hochrangigen EU-Vertretern seit jenem Handelsabkommen, das Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Ende Juli mit US-Präsident Donald Trump geschlossen hatte.
Die Botschaft Wrights steht im Kontrast zur Linie der EU-Kommission, die am Donnerstag erklärte, Brüssel sehe das Abkommen als Übergangslösung.
„Kurzfristig müssen wir unseren Energiebedarf decken, und in diesem Zusammenhang prüfen wir eine Ausweitung bestimmter Energieimporte aus den USA“, sagte ein Kommissionsvertreter.
Von der Leyen hatte in dieser Woche in Straßburg erklärt, Europa müsse den Moment nutzen, um „saubere, heimische Energie“ auszubauen.
„Win-win“-Narrativ
Wright stellt engere Energiebeziehungen zwischen EU und USA als Vorteil für beide Parteien dar – und als Instrument, um russische fossile Energien schrittweise zu ersetzen.
„Ein Teil des Dialogs, den wir führen, ist, dass sich die Exportkapazitäten für LNG in den USA unter der Trump-Regierung verdoppeln werden – nicht nur um 10 oder 20 Prozent“, sagte er.
Im Gegenzug für die Deckelung von Handelszöllen auf 15 Prozent hat die EU zugesagt, im Schnitt jährlich US-Energieimporte und Nukleartechnologie im Wert von 250 Milliarden Dollar während der letzten drei Amtsjahre Trumps abzunehmen.
Viele Analysten halten diese Zahl für unrealistisch. Wright hingegen beharrt auf der Machbarkeit. Es sei möglich, dass zwei Drittel der Gesamtzahl durch den Ersatz von Energieimporten aus Russland erreicht werden könnten.
Dies könne sowohl direkt in Form von Flüssigerdgas (LNG) als auch indirekt durch die Blockade von Importen raffinierter Produkte wie Benzin und Düsentreibstoff über Länder wie die Türkei und Indien geschehen, die weiterhin große Mengen russischen Rohöls kaufen.
Um die Ziele des EU-US-Handelsabkommens zu erreichen, wären in der EU weitaus schnellere Maßnahmen erforderlich, als es die für 2027 festgelegte Frist für die Beendigung der Abhängigkeit vom Kreml bei den Energieimporten vermuten lässt.
Amerikanische Alternative
Die Energiepolitik der EU ist eng mit diplomatischen Bemühungen verknüpft, Russlands Krieg gegen die Ukraine zu beenden.
Diplomatische Kreise berichten, dass Trump diese Woche in Washington in Gespräche zwischen EU-Sanktionsbeauftragtem David O’Sullivan und US-Vertretern eingegriffen habe. Demnach fordere Trump, die EU solle Strafzölle von 100 Prozent gegen China und Indien verhängen – Länder, die weiterhin russische Energien kaufen.
Wright wollte sich nicht dazu äußern, inwieweit Washington Druck auf Brüssel ausübt, solche Maßnahmen zu ergreifen.
„Wir haben verschiedene Wege diskutiert, wie die USA und die EU zusammenarbeiten können, um den Russland-Ukraine-Krieg zu beenden“, sagte er.
Eindeutig war der US-Energieminister hingegen in einem Punkt: Die Vereinigten Staaten wollen sich als zentraler Energieversorger etablieren – nicht nur für Europa.
„Die gewaltigen, reichlich vorhandenen Energiequellen Amerikas ermöglichen es uns, ein Schlüssel-Lieferant für unsere Verbündeten weltweit zu sein, die bislang Öl, Gas und andere Technologien von Widersachern bezogen haben“, sagte Wright.
Washington drängt EU zu schnellerem Ausstieg aus russischen Energielieferungen
US-Energieminister Chris Wright hat am Freitag erklärt, die EU solle früher als bislang für 2028…
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Nikolaus J. Kurmayer und Eddy Wax haben zur Berichterstattung beigetragen.
(jp, jl)