Investitionen in Verteidigung: Moody's könnte Kreditwürdigkeit der EIB neu bewerten
Euractivs Verständnis nach ist die Ratingagentur Moody's bereit, die möglichen Auswirkungen durch die erwartete Ausweitung von Investitionen der Europäischen Investitionsbank in den Bereichen Verteidigung und Militär auf ihre Bonität zu untersuchen.
Die Ratingagentur Moody’s könnte in Bezug auf die erwartete Ausweitung von Investitionen der Europäischen Investitionsbank (EIB) in den Bereichen Verteidigung und Militär deren Bonität neu bewerten.
Derzeit prüft die EIB die Änderung der seit langem geltenden Kriterien für die Vergabe von Darlehen für Investitionen in Technologien, die sowohl für zivile, als auch militärische Zwecke benutzt werden können.
Die US-amerikanische Ratingagentur, die neben Standard & Poor’s und Fitch zu den drei größten der Welt gehört, erklärte, dass man die Auswirkungen einer Änderung der Vergaberegeln sorgfältig prüfen müsse. Aufgrund dieser Kriterien hat die Bank bisher ihre Investitionen in Projekte mit Verteidigungsbezug auf solche beschränkt, deren zivile Nutzung über den militärischen Nutzen hinausgeht.
Kathrin Muehlbronner, Senior Vice President bei Moody’s Ratings, sagte Euractiv, dass Moody’s derzeit „eine sehr positive Bonitätsbeurteilung“ der EIB habe, „vergleichbar mit den sehr hohen Ratings, die wir der Asiatischen Entwicklungsbank oder der Weltbank erteilen.“ Erhebliche Veränderungen bei den Investitionen der Bank im Verteidigungsbereich könnten jedoch eine Neubewertung rechtfertigen.
Euractiv berichtete im März, dass die Finanzierungsinstitution der EU angesichts des wachsenden Drucks durch die Mitgliedsstaaten, die EU-Verteidigungsminister und das Europäische Parlament, höhere EU-Investitionen im Verteidigungsbereich zu mobilisieren, Möglichkeiten zur Überarbeitung ihrer Kriterien für die Förderungswürdigkeit von Investitionen prüfe.
Dies würde bedeuten, dass entweder die Definition des Begriffs „doppelter Verwendungszweck“ zugunsten der militärischen Seite der Gleichung geändert werden müsste oder dass eine Verlagerung hin zu mehr direkter militärischer Ausrüstung, Projekten und Infrastruktur über den doppelten Verwendungszweck hinaus stattfinden müsste.
Die Bewertung der sogenannten ESG-Risiken, also aus den Bereichen Umwelt, Soziales oder Governance, ist Teil des Gesamtratings, das Moody’s der EIB und anderen multilateralen Entwicklungsbanken zuerkennt, die Anleihen auf den Kapitalmärkten begeben, um Mittel für Investitionsvorhaben aufzunehmen. Moody’s bewertet wie stark „der Emittent ESG-Risiken ausgesetzt ist und wie sich diese Risiken auf die Kreditwürdigkeit des Emittenten auswirken“, sagte Muehlbronner.
Sie fügte hinzu: „Als Klima- und Entwicklungsbank der EU ist die EIB führend bei nachhaltigen Investitionen: Würden Verteidigungsinvestitionen die Bereitschaft einiger großer ESG-Investoren verringern?“
„Der Wendepunkt wird sein: Wann wird [ein allgemeineres Risiko durch Vermögenswerte im Verteidigungs- und Militärbereich] zu einem Problem für ESG-Investoren? Das ist ein Aspekt, den wir untersuchen würden.“
Muehlbronner sagte, dass dies eine Frage des Umfangs des Verteidigungsportfolios im Verhältnis zum Gesamtportfolio sei, also ob der Anteil an den gesamten jährlichen Verbindlichkeiten der EIB deutlich ansteigt.
Sie erklärte, dass sich „ESG-Kriterien [derzeit] positiv auf die Kreditwürdigkeit der EIB auswirken – die Bonitätsbewertung der EIB ist höher, als sie es wäre, wenn ESG-Überlegungen nicht Teil ihrer Kreditbewertung wären.“
„Die Überlegungen zu sozialen Aspekten und zur Governance sind derzeit die wichtigsten positiven Faktoren für das hohe Rating der EIB“, sagte Muelhlbronner, da Moody’s das Umweltrisiko für die EIB als „indirekt und daher neutral“ einstuft.
„Wir würden prüfen, wie sich dieser Schritt auf unsere positive Bewertung der sozialen Risikofaktoren für die EIB auswirken könnte.“
Erste Ratingagentur, die eine Überprüfung des Triple-A-Ratings der EIB erwähnt
Eine der wichtigsten Voraussetzungen für jeden Schritt der EIB über ihre traditionellen Finanzierungsaufgaben hinaus wäre, dass sie ihre Top-Ratings sowohl bei der Kreditwürdigkeit als auch bei den ESG-Bewertungen aufrechterhalten kann.
Insbesondere das Triple-A-Rating ermöglicht es der Bank, sehr günstige Kreditkonditionen auf dem Markt zu erhalten. Dies ist für die Anteilseigner der Bank – die 27 Mitgliedstaaten der EU – eine wichtige Priorität, die weder die Bank noch die nationalen Regierungen gefährden wollen, wie Euractiv berichtete.
Moody’s ist die erste Ratingagentur, die bestätigt, dass das Gesamtrating der EIB – und nicht nur ihr ESG-Score – im Falle derartiger Änderungen überprüft werden würde. Bislang wurde nur das ESG-Rating der Bank nach den ersten Berichten von Euractiv in Frage gestellt.
Anna Roggenbuck, die bei der unabhängigen NGO Bankwatch Network für den Bereich EIB-Politik zuständig ist, sagte, dass Verteidigungsprojekte mit einer ausgeprägteren militärischen Komponente weniger transparent zu überwachen seien.
„Aufgrund des eher geheimen und hochvertraulichen Charakters solcher Projekte würden sie langfristig viel weniger Sichtbarkeit und Transparenz für die Öffentlichkeit bieten“, so Roggenbuck gegenüber Euractiv. „Sie würden daher hinter der Art von Transparenz zurückbleiben, die für Vermögenswerte erforderlich ist, die normalerweise von multilateralen Entwicklungsbanken wie der EIB finanziert werden.“
Gegenwärtig prüft Moody’s keine einzelnen Risiken im Darlehensportfolio der EIB. Muehlbronner bestätigte jedoch gegenüber Euractiv, dass man bei Investitionen im Verteidigungs- und Militärbereich einen anderen Ansatz erfordern würde.
„Wir untersuchen normalerweise nicht die einzelnen zugrundeliegenden Vermögenswerte im Portfolio, sondern bewerten es hauptsächlich unter dem Gesichtspunkt der Kreditqualität“, sagte Muehlbronner.
„Wenn die EIB anfängt, über den doppelten Verwendungszweck hinaus in einen höheren Anteil von Vermögenswerten im Verteidigungsbereich oder anderen militärischen Vermögenswerten zu investieren, würden wir uns wahrscheinlich einen detaillierteren Überblick darüber verschaffen wollen, in was sie investiert – und wie die EIB die Kreditsichtbarkeit und -qualität sicherstellt“, erklärte sie.
Eine verstärkte Finanzierung des Verteidigungssektors könnte auch dazu führen, dass der Verschuldungsgrad der Bank – auch „Gearing Ratio“ im Englischen genannt – überschritten werde, der die Kreditvergabe auf das 2,5-fache ihrer Eigenkapitalbasis beschränkt. Jegliche zusätzlichen Investitionen müssten zusätzlich zu den jährlichen Verpflichtungen der EIB in Höhe von 90 bis 95 Milliarden Euro für Klima- und Entwicklungsprojekte getätigt werden.
Als Indikator für die Kapitalausstattung der Bank ist der Verschuldungsgrad eine der von Moody’s untersuchten Kreditvariablen, neben Aspekten wie Liquidität und Diversität des Marktzugangs.
Neubewertung muss nicht zu niedrigeren Ratings führen
Muehlbronner sagte, dass die EIB, obwohl sie „eine der am stärksten fremdfinanzierten Institutionen“ sei, „ein sehr starkes Kapitalprofil“ beibehalten habe.
Das bedeute auch, dass ein höheres Risiko durch Verteidigungsinvestitionen nicht zwangsläufig zu einer schlechteren Bewertung führe, fügte Muehlbronner hinzu.
„Die EIB hat immer ein sehr gutes Risikomanagement gezeigt“, sagte sie. „Wenn die Anteilseigner sie gebeten haben, etwas riskantere Vermögenswerte zu erwerben, hat sie sie um einen Ausgleich oder eine Abmilderung gebeten, entweder durch die Aufnahme von mehr Kapital oder durch EU-Garantien“.
Muehlbronner fügte hinzu, dass im Fall der EIB die Bereitschaft der Anteilseigner, den Kreditgeber zu schützen, wenn etwas schief geht, immer sehr stark war.
„Wenn die Anteilseigner kollektiv beschließen, den Standpunkt der Bank zu ändern, ist das in der Regel ein Zeichen dafür, dass sie sich dieser Änderung sicher sind.“
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]