Klimaschutz-Projekte europäischer Großstädte
14 europäische Großstädte haben sich in der Klimaschutzinitiative EUCO2 80/50 zusammengeschlossen. Die Regionen wollen ihren CO2-Ausstoß bis 2050 deutlich absenken und haben dazu heute die verschiedenen Szenarien vorgestellt. Einige Städte gehen bereits jetzt davon aus, dass sie das ursprüngliche 80-Prozent-Ziel nicht erreichen werden.
14 europäische Großstädte haben sich in der Klimaschutzinitiative EUCO2 80/50 zusammengeschlossen. Die Regionen wollen ihren CO2-Ausstoß bis 2050 deutlich absenken und haben dazu heute die verschiedenen Szenarien vorgestellt. Einige Städte gehen bereits jetzt davon aus, dass sie das ursprüngliche 80-Prozent-Ziel nicht erreichen werden.
Das Ziel war hoch gesetzt: 14 europäische Großstädte hatten sich 2006 zur europäischen Klimaschutzinitiative EUCO2 80/50 zusammengeschlossen, um ihren CO2-Ausstoß bis 2050 um 80 Prozent im Vergleich zu den Werten von 1990 zu reduzieren. Am Freitag (7. Oktober) wurde Phase II des Projekts offiziell abgeschlossen. Im Zwischenbericht wird bereits jetzt deutlich, dass nicht alle teilnehmenden Metropolregionen das selbstgesteckte Klimaschutzziel erreichen werden.
Die Städte der EUCO2 80/50-Initiative sind Brüssel, Frankfurt, Glasgow, Hamburg, Helsinki, Madrid, Neapel, Oslo, Paris, Porto, Rotterdam, Stockholm, Stuttgart und Turin.
Probleme südeuropäischer Städte
Während Oslo (Norwegen) mit einem Reduktionsziel von 99 Prozent das ambitionierteste Szenario entwickelt hat, strebt Porto (Portugal) den niedrigsten Reduktionswert (45 Prozent) an.
Die Initiative teilte mit, dass 35 Prozent der vorgelegten Reduktionsszenarien den vorgegebenen Zielwert von 80 Prozent erreicht haben. "Die südeuropäischen Städte taten sich hier schwerer als die mittel- und nordeuropäischen Vertreter, da sie oft mit höheren Ausgangsemissionswerten kalkulierten", heißt es in der Pressemitteilung der Initaitive. Auch Frankfurt liegt mit 73 Prozent unter der 80-Prozent-Marke. Die deutschen Städte Hamburg (86 Prozent), Stuttgart (82 Prozent) liegen darüber.
Schätzungen zufolge sind die städtischen Räume Europas für etwa 20 Prozent des weltweiten Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Die Großstädte Europas sind für etwa 10 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich. Die 14 teilnehmenden Metropolregionen vereinen insgesamt 48 Millionen Einwohner oder 10 Prozent der europäischen Bevölkerung auf sich.
Maßnahmen zum Klimaschutz
Nach Angabe der Initiative sind folgende Maßnahmen entscheidend, um die Klimaschutzziele bis 2050 zu erreichen:
1. Anteil von erneuerbaren Energien in der Stromproduktion stark erhöhen (25 Prozent Anteil an Gesamtreduktion)
2. Nicht-elektrischen Energieverbrauch in privaten Wohnungen und Häusern deutlich reduzieren (25 Prozent)
3. Wende hin zur Elektromobilität schaffen (20 Prozent)
4. Industrieproduktion energieeffizienter gestalten (10 Prozent)
Hintergrund
Das Ziel der EUCO2 80/50-Initiative ist eine Reduktion von Treibhausgasen um 30 Prozent bis 2030 und um 80 Prozent bis 2050, ausgehend von den Werten von 1990. Das Projekt besteht aus drei Phasen. In der ersten Phase, die 2007 startete, ermittelten alle Teilnehmer ihren aktuellen und bisherigen Emissionsausstoß und Energieverbrauch auf Basis der von der Universität Manchester entwickelten GRIP-Methodik (Greenhouse Gases Regional Inventory Protocol).
In der zweiten, jetzt abgeschlossenen Phase wurden Szenarios entwickelt, um die Reduktionsziele zu erreichen. In der jetzt beginnenden dritten Phase sollen die gewonnen Ergebnisse in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden.
An den Workshops von EUCO2 80/50 waren die wichtigsten Vertreter aus den teilnehmenden Städten beteiligt. Darunter Minister, Staatssekretäre, Regionalpolitiker, Vertreter von Industrie- und Handelskammern sowie führende Köpfe aus Wirtschaft und Wissenschaft.
Initiatoren des Projekts sind das europäische Städtenetzwerk METREX, die Universität Manchester und die Metropolregion Hamburg. General Electric (GE) ist seit der UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen exklusiver Industriepartner. Neben der bisherigen finanziellen Unterstützung wird das Unternehmen für die dritte Phase von EUCO2 Know-how, Technologien und Lösungen aus seiner Umweltinitiative ecomagination bereit stellen.
Reaktionen
Rainer Scheppelmann, Coordination Centre for Climate Issues, Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt: "Hamburg als europäische Umwelthauptstadt 2011 ist sehr glücklich, EUCO2 80/50 koordinieren zu dürfen. Wie bei den anderen Partnern werden die Ergebnisse in unsere Klima-Langfriststrategie einfließen."
Heiko Kasseckert, Verbandsdirektor des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain: "Die Region FrankfurtRheinMain setzt bei der notwendigen Energiewende auf Kommunikation und Zusammenarbeit aller Beteiligten. In den EUCO2 80/50 Szenario-Workshops in unserer Region haben wir gemeinsam mit Vertretern der Wirtschaft, der Verbände und der Politik?intensiv und konstruktiv Strategien und Maßnahmen zur drastischen Reduzierung der Treibhausgase diskutiert. Diese Diskussionen und die Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern haben uns das Verständnis der komplexen Zusammenhänge erleichtert und uns auf dem Weg zu einer nachhaltigen Energie- und Klimapolitik deutlich vorangebracht."
Roger Read, Generalsekretär von METREX: "Ein wichtiges Ergebnis des Projekts ist, dass Europas Metropolregionen sich größtenteils mit erneuerbaren Energien unabhängig versorgen können – mit allen damit verbundenen Vorteilen der Versorgungssicherheit, Preisstabilität und Wettbewerbsfähigkeit. Der Energieverbrauch der Gebäude und Transportsysteme muss drastisch gesenkt werden. Zusätzlich ist es notwendig, vorhandene Flächen und Gebäude zur Stromerzeugung zu nutzen, um den niedrigeren Bedarf zu decken. Eine dezentrale Energieplanung und Versorgung der Hauptregionen ist daher der Schlüssel für ein CO2-freies Europa. Eine der Erkenntnisse des Projektes für METREX ist die Notwendigkeit, ein Energiekonzept aufzustellen, mit dem Stadtplaner den Wahrheitsgehalt dieser Schlussfolgerung belegen können. Dank des EUCO2 80/50-Projektes kann aufgezeigt werden, wie der CO2-Ausstoß in Europa gesenkt und die Auswirkungen des Klimawandels abgeschwächt werden können."
Raimo Inkinen, Geschäftsführender Direktor Zweckverband für Umweltdienste der Region Helsinki: "In der Region von Helsinki hat das EUCO2-Projekt den Anstoß gegeben, die Klimastrategieziele von 2007 zu überarbeiten, und hat dazu beigetragen, in Zusammenarbeit mit den Städten eine langfristige Klima-Strategie zu entwickeln. So ist es gelungen, die Haupt-Interessensgruppen an einem Tisch zu vereinen, um wichtige Maßnahmen und Mittel zum Schutz des Klimas gemeinsam zu erarbeiten. GRIP wird entscheidend zur Erarbeitung der neuen Zielsetzungen beitragen."
Red.
Links
EUCO2 80/50: Website zur Klimaschutzinitative