Klimaverhandlungen: Länder des globalen Südens schmieden untereinander neue Allianzen

Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Entwicklungsländern werden immer größer. Zur Verteidigung ihrer Interessen bei den Klimaverhandlungen schmieden die großen aufstrebenden Volkswirtschaften, die kleinen Inselstaaten und die weniger entwickelten Länder nun jeweils Allianzen mit Gleichgesinnten. EURACTIV Frankreich berichtet.

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Für die Malediven sind die Konsequenzen des Anstiegs des Meeresspiegels fatal. Foto: [Sarah_Ackerman/Flickr]
Für die Malediven sind die Konsequenzen des Anstiegs des Meeresspiegels fatal. Foto: [Sarah_Ackerman/Flickr]

Die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den Entwicklungsländern werden immer größer. Zur Verteidigung ihrer Interessen bei den Klimaverhandlungen schmieden die großen aufstrebenden Volkswirtschaften, die kleinen Inselstaaten und die weniger entwickelten Länder nun jeweils Allianzen mit Gleichgesinnten. EURACTIV Frankreich berichtet.

Die frühere Demarkationslinie bei Klimaverhandlungen zwischen Nord und Süd verschwimmt zusehends.

Die 192 teilnehmenden Länder der 21. UN-Konferenz der Parteien (COP), die vom 30. November bis 11. Dezember 2015 in Paris stattfinden wird, organisieren sich in verschiedenen Gruppen, um ihre Positionen voranzutreiben.

Traditionell konnten die die Länder in zwei Kategorien eingeteilt werden: Entwicklungsländer wurden unter „Annex 1“ zusammengefasst. Die entwickelten Länder, die für den Klimawandel verantwortlich gemacht wurden, gehörten in die Kategorie „Annex 2“.

Doch bei den 20. UN-Klimaverhandlungen im Dezember in Lima wurde deutlich, dass die Grenze zwischen den zwei Gruppen löchriger wird.

Das Prinzip der „gemeinsamen, aber unterschiedlichen Verantwortung“ wurde im Schlusstext der Klimaverhandlungen von Lima erstellt. Es ermöglicht unterschiedliche Erwartungshaltungen an die entwickelten Länder und Entwicklungsländer beim Thema Verpflichtungen zum Klimaschutz. Allerdings greift der Schlusstext nicht auf die im Kyoto-Protokoll definierten Gruppen zurück.

Ein gespaltener Block

Die Entwicklungsländer bildeten die Dachorganisation G77, um größeren Einfluss bei den UN-Verhandlungen auszuüben.

Die Gruppe besteht seit 1964 und ist die größte Gruppe der Entwicklungsländer bei den Klimaverhandlungen. G77 ist sehr heterogen. Sie besteht aus aufstrebenden Volkswirtschaften wie Brasilien und China, weniger entwickelten Staaten wie Mali und Nepal. Auch OECD-Mitglieder wie Chile, Mexiko und Südkorea gehören dazu.

Die Gruppe vertritt dementsprechend eine große Bandbreite an Interessen. Sie sind oft weit von denen der höher entwickelten Länder entfernt. „Wir sprechen von einer Reihe von Ländern mit komplett auseinandergehenden wirtschaftlichen Interessen. Es ist unrealistisch, zu denken, dass diese Länder auf demselben Weg bleiben werden“, sagt Romain Bennicchio, Oxfam-Vertreter bei den Klimaverhandlungen.

Aber die Versprechen der entwickelten Länder, insbesondere der Europäischen Union, tragen oft keine Früchte. Deshalb will der Süden seine zahlenmäßige Überlegenheit demonstrieren.

Bei der Konferenz in Durban 2011 bildete sich ein Bündnis aus den entwickelten Ländern und den Gruppen der am wenigsten entwickelten Länder sowie der Gruppe der kleinen Inselstaaten. Allerdings würden fehlende Fortschritte bei der Klimafinanzierung eine solche Zusammenarbeit in der Zukunft gefährden, sagt Louise van Schaik vom Climate and Development Knowledge Network.

Differenzen der Mitglieder dieser Gruppen führten zur Gründung von mehr oder weniger formalen Untergruppen zur Verteidigung bestimmter Interessen.

In einigen Fällen kam es zu überraschenden Bündnissen. So gibt es die Umweltintegritätsgruppe (EIG), die aus Liechtenstein, Mexiko, Monaco, der Schweiz und Südkorea besteht.

Die Gruppe der Gleichgesinnten bringt sehr unterschiedliche Entwicklungsländer zusammen: unter anderem Bolivien, China, Irak, Iran, Kuba, Mali, Saudi-Arabien und Sri Lanka.

Zu den anderen Untergruppen zählen geographische Organisationen wie die Afrikanische Gruppe und die Vereinigung der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (AILAC).

Andere Gruppen orientieren sich an der Wirtschafts- oder Umweltsituation. Die Allianz der kleinen Inselstaaten (AOSIS) sorgt sich naturgemäß besonders um den Anstieg des Meeresspiegels. Die Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder (LDC) vertritt die wirtschaftlich Gefährdetsten.

Eine Fülle von Gruppen

Diese Fülle von Verhandlungsgruppen unter den Entwicklungsländern ist nicht nur ein Zeichen auseinandergehender Interessen in der südlichen Hemisphäre. „Es werden viele Themen in der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) verhandelt. Es ist also schwierig für die Delegationen, den Verhandlungen als  Ganzes zu folgen und in die beste Position für Vorschläge zu kommen“, sagt Benicchio.

Die Expertise jeder Gruppe zeigt die Bandbreite der diskutierten Themen.

Die LDC-Gruppe verschafft in zunehmendem Maße ihren Ansichten im Bereich Verantwortung der entwickelten Länder Gehör. Die IALAC-Länder gelten als Spezialisten bei Fragen zur Finanzierung der Bekämpfung des Klimawandels.

Benicchio sagt: „Für die Vereinigung kleiner Inselstaaten geht es bei der Frage, wie man mit Verlusten und Schäden umgeht, wenn eine Anpassung an den Klimawandel nicht mehr möglich ist, um viel. Sie stehen oft an der Spitze der Debatte.“