Klimaziele 2022: Rückgang bei den Industrieemissionen rettet Gesamtziel

Die deutsche Industrie hat ihre Treibhausgasemissionen im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent gesenkt. Damit konnte Deutschland trotz erhöhter Emissionen bei der Stromerzeugung das Gesamtziel einhalten.

EURACTIV Germany
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nsgesamt sind die Treibhausgasemissionen nach Angaben des Umweltbundesamtes im Jahr 2022 um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, was in etwa den Klimazielen des Landes entspricht. [<a href="https://www.shutterstock.com/de/image-photo/ludwigshafen-rhinelandpalatinate-germany-april-20-2020-1710040447" target="_blank" rel="noopener">Joerg Steber/Shutterstock</a>]

Die deutsche Industrie hat ihre Treibhausgasemissionen im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 10 Prozent gesenkt. Damit konnte Deutschland trotz erhöhter CO2-Emissionen bei der Stromerzeugung das Gesamtziel einhalten.

Während die Emissionen der Industrie zurückgingen, kam es in anderen Sektoren zu einem Anstieg der Treibhausgasemissionen. Besonders im Strom- und Verkehrssektor stiegen die Emission, letzterer reißt seit Jahren die jährlichen Klimaziele.

Insgesamt sind die Treibhausgasemissionen nach Angaben des Umweltbundesamtes im Jahr 2022 um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, womit die Klimaziele insgesamt eingehalten werden.

Der Rückgang der Treibhausgasemissionen im Industriesektor ist jedoch vor allem auf eine geringere Produktion sowie auf die Substitution von lokal produzierten, energieintensiven Komponenten durch Importe zurückzuführen.

„Der leichte Emissionsrückgang, den Deutschland im Jahr der fossilen Energiekrise verbucht, ist in erster Linie auf Energiespareffekte und Produktionsrückgänge in der energieintensiven Industrie zurückzuführen – nicht auf Klimaschutzmaßnahmen“, so Simon Müller, Leiter des einflussreichen Think-Tanks Agora Energiewende.

Laut Reuters war die Industrieproduktion in Deutschland 2022 insgesamt nur um 0,6 Prozent niedriger als 2021, aber aufgrund der gestiegenen Energiekosten gab es in einigen energieintensiven Sektoren stärkere Rückgänge.

Für die Unionsfraktion ist der Produktionsrückgang in energieintensiven Branchen kein Grund zum Feiern.

„Gerade bei den energieintensiven Industrien geht es um rund 800 000 Arbeitsplätze“, sagte Julia Klöckner, wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU/CSU im Bundestag.

„Unser Industriestandort Deutschland ist in Gefahr“, warnte sie.

Verkehrs- und Gebäudesektor verfehlen ihre Ziele

Umweltorganisationen haben die zunehmenden Emissionen im Verkehrssektor scharf kritisiert. Der Verkehrsbereich hält damit wiederholt die im Klimaschutzgesetz festgelegten sektorspezifischen Ziele nicht ein.

Wie im Gesetz festgelegt, muss das Verkehrsministerium nun ein Sofortprogramm entwickeln – etwas, das Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) nach Ansicht der Aktivisten nicht einmal für das vergangene Jahr ausreichend getan hat.

„Angesichts der heute vorgelegten Zahlen wird klar, Volker Wissing schafft sich eine ganz eigene Realität“, sagte Jörg-Andreas Krüger, Präsident der Umweltorganisation NABU.

„Es ist wohl nicht mehr zu erwarten, dass er in seiner Amtszeit noch ernsthafte Klimaschutzambitionen entwickelt“, so Krüger weiter.

Umwelt-NGOs kritisierten auch die unzureichenden Emissionsreduzierungen im Gebäudesektor, der ebenfalls hinter seiner gesetzlichen Verpflichtung bleibt.

„Der Rechtsbruch setzt sich fort – bereits zum dritten Mal verfehlt der Gebäudesektor seine gesetzlich vorgeschriebenen Ziele“, erklärte Elisabeth Staudt von der Deutschen Umwelthilfe gegenüber EURACTIV.

„Ohne verbindliche Sanierungsvorgaben für den Gebäudebestand und den sofortigen Einbaustopp von Öl- und Gasheizungen werden wir dieser Krise nicht begegnen können“, fügte sie hinzu.

Vermehrte Nutzung von Kohle zur Stromerzeugung

Während jedoch Verkehr und Gebäude ihre Ziele verfehlten, war der größte Anstieg der Emissionen im Energiesektor zu verzeichnen, der sowohl die Stromerzeugung als auch die Kraft-Wärme-Kopplung umfasst.

Dies war hauptsächlich auf einen Anstieg des Kohleverbrauchs zurückzuführen, da Deutschland die Stromerzeugung aus Gaskraftwerken sowie die Stromerzeugung aus Kernenergie aufgrund des Atomausstiegs reduzierte.

„Trotz des insgesamt rückläufigen Energieeinsatzes vor allem in der Industrie hat sich der Anstieg der Treibhausgasemissionen aufgrund des erhöhten Einsatzes von Stein- und Braunkohle in der Energiewirtschaft seit dem Sommer 2022 abgezeichnet“, sagte Dirk Messner, Leiter des Umweltbundesamtes.

„Dem wird die Bundesregierung jetzt mit einem⁠ wirksamen Programm entgegenwirken müssen – die Aufgabe ist aber von der gesamten Gesellschaft zu bewältigen“, fügte er hinzu.

Bislang bleibt der Ausbau der erneuerbaren Energien weit hinter dem zurück, was nötig ist, um das Ziel der Bundesregierung zu erreichen.

„Wir müssen es schaffen, dreimal so viele Kapazitäten wie bisher zu installieren, um den Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung bis 2030 auf 80 Prozent zu steigern“, sagte Messner.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]