Kommission korrigiert Getreideschätzung wegen Extremwetter nach unten
Entgegen den anfänglichen Erwartungen und trotz der Maßnahmen zur Steigerung der heimischen Produktion wird die Getreideproduktion in der EU in diesem Jahr aufgrund extremer Witterungsbedingungen voraussichtlich um 2,5 Prozent niedriger ausfallen als im Jahr 2021.
Entgegen den anfänglichen Erwartungen und trotz der Maßnahmen zur Steigerung der heimischen Produktion wird die Getreideproduktion in der EU in diesem Jahr aufgrund extremer Witterungsbedingungen voraussichtlich um 2,5 Prozent niedriger ausfallen als im Jahr 2021.
Das geht aus der Sommerausgabe der Agrarvorausschau der Kommission hervor.
Die trockene und heiße Witterung habe einige Ackerkulturen in den wichtigsten EU-Getreideanbauregionen erheblich unter Druck gesetzt, heißt es in der neuesten kurzfristigen Agrarprognose, die Ende letzter Woche veröffentlicht wurde.
„In der EU stellen die Witterungsbedingungen weitere Herausforderungen für die neue Ernte dar, denn für bestimmte Getreidesorten wird nun ein Rückgang der früher prognostizierten Erträge erwartet“, heißt es in dem Bericht weiter.
Die vor drei Monaten veröffentlichte Frühjahrsausgabe war weitaus optimistischer gewesen und davon ausgegangen, dass die EU-weite Ernte 2022 für Getreide sehr gut ausfallen könnte, sofern „normale Wetterbedingungen vorherrschen.“
So wurde mit einer Gesamterzeugung von 293,3 Millionen Tonnen Getreide gerechnet, während die Sommerausgabe von 286,4 Millionen Tonnen ausgeht.
Die erwartete gute Ernte in Verbindung mit einer geringeren Nachfrage nach Futtermitteln und einer geringeren Verwendung von Getreide für Biokraftstoffe hätte es der EU ermöglicht, ihre Getreideausfuhren um 30 Prozent zu steigern und so die Auswirkungen der kriegsbedingten geringeren ukrainischen Ernte auf die Weltmärkte abzufedern.
Die Schätzungen der EU-Getreideexporte gingen jedoch in der Sommerprognose gegenüber der Frühjahrsprognose von 41,4 Millionen auf 33,5 Millionen Tonnen zurück, womit der Rückgang des weltweiten Getreideangebots aufgrund der Blockade der ukrainischen Seehäfen und der von einigen Exporteuren verhängten Ausfuhrbeschränkungen nur teilweise ausgeglichen werden kann.
„Aufgrund der Witterung, insbesondere der trockenen und warmen Witterung im Frühjahr, wird die neue Getreideproduktion in der Saison 2022 und 2023 voraussichtlich niedriger ausfallen, aber wir haben einen höheren Anfangsbestand gelagert, sodass die Verfügbarkeit tatsächlich höher sein dürfte als in der letzten Saison“, kommentierte Andrea Capkovicova, sozioökonomische Analystin beim Agrardienst der Kommission, GD AGRI, die auch die Prognose koordinierte.
Die Getreideanfangsbestände werden auf 50,1 Millionen festgesetzt – ein Anstieg von 24 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt der letzten fünf Jahre – und werden aus Sicht der Kommission dazu beitragen, die geringere Produktion zu kompensieren.
Dies werde der EU helfen, den heimischen Bedarf zu decken und gleichzeitig einen Überschuss für die Ausfuhr zu erzielen, um den Druck auf den Weltmärkten zu verringern, so Capkovicova.
Der Einmarsch Russlands in die Ukraine hat die Lebensmittelsicherheit erneut in den Mittelpunkt gerückt, da beide in den Krieg verwickelten Länder eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Welt mit Grundnahrungsmitteln und Öl spielen.
Die EU-Getreide-Nettoexporte werden voraussichtlich immer noch höher ausfallen als in der Vergangenheit: 2022 bis 2023 könnten rund acht Millionen Tonnen Weizen mehr exportiert werden als im Vorjahr.
Der Rückgang der Getreideproduktion könnte sich jedoch fortsetzen, wenn die derzeitigen ungünstigen Wetterbedingungen anhalten, heißt es in der Prognose. Dabei wird auf die derzeitige Dürre in bestimmten Teilen Europas hingewiesen.
Maroš Šefčovič, Vizepräsident der Kommission, warnte letzte Woche vor den Abgeordneten des Europäischen Parlaments, dass „die derzeitige Dürre in Europa die schlimmste aller Zeiten werden könnte.“
Mehr Eiweißpflanzen durch gelockerte Umweltauflagen
Die Anbauflächen für Eiweißpflanzen – zu denen vor allem Sojabohnen, Hülsenfrüchte und Ölsaaten gehören und die ein wichtiger Bestandteil von Tierfutter sind – werden den Prognosen zufolge aufgrund der Lockerung von Umweltauflagen innerhalb der Gemeinsamen Agrarpolitik zunehmen.
Im März genehmigte die EU-Exekutive eine außergewöhnliche und befristete Ausnahmeregelung, die den Anbau beliebiger Kulturen auf brachliegenden Flächen in diesem Jahr erlaubte.
Die Kommission erwägt derzeit, diese Ausnahmeregelung um ein weiteres Jahr zu verlängern.
Der prognostizierte Anstieg bei Eiweißpflanzen liegt bei sechs Prozent, und es wird erwartet, dass die Erträge dank der zusätzlichen Flächen, die durch die Ausnahmeregelung zur Verfügung stehen, um etwa drei Prozent steigen werden.
Capkovicova zufolge profitieren Ölsaaten – und insbesondere Sonnenblumen – von der Ausnahmeregelung für brachliegende Flächen, die zu einem Zeitpunkt gewährt wurde, als der Anbau anderer Kulturen aufgrund der agronomischen Bedingungen unmöglich war.
„Dennoch war es weiterhin möglich, Sonnenblumen zu pflanzen, und die Landwirt:innen nutzten ihre Chance“, sagte sie. So seien Sonnenblumen aufgrund der höheren Preise, der Verfügbarkeit von Land und des geringeren Bedarfs an Düngemitteln derzeit die bevorzugte Kulturpflanze gewesen, was zu einer Rekordproduktion in diesem Jahr führen dürfte.
[Bearbeitet von Alice Taylor]