Kommission verabschiedet Regeln für schnellere Zulassung von Bio-Pestiziden

Die Europäische Kommission hat am Mittwoch (31. August) neue Vorschriften verabschiedet, die biologische Pflanzenschutzmittel breiter verfügbar und zugänglicher machen sollen, um die Abhängigkeit von chemischen Pestiziden zu verringern.

Euractiv.com
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Ein Vertreter von CropLifeEurope, der die europäische Pflanzenschutzindustrie vertritt, bemerkte gegenüber EURACTIV, dass der Schritt "definitiv ein Schritt in die richtige Richtung" sei, um mehr innovative Biopestizide auf den Markt zu bringen. [<a href="https://www.shutterstock.com/image-photo/aphids-plant-lice-greenfly-blackfly-whitefly-2156765799" target="_blank" rel="noopener">[SHUTTERSTOCK]</a>]

Die Europäische Kommission hat am Mittwoch (31. August) neue Vorschriften verabschiedet, die biologische Pflanzenschutzmittel breiter verfügbar und zugänglicher machen sollen, um die Abhängigkeit von chemischen Pestiziden zu verringern.

Die neuen Regeln, die bereits im Februar von den Mitgliedstaaten gebilligt wurden und nun ab November 2022 in Kraft treten werden, sollen die Zulassung von Mikroorganismen als Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln erleichtern.

Auf diese Weise erhofft sich die EU-Exekutive, den Landwirt:innen neue nachhaltige Mittel an die Hand zu geben, um Alternativen zum Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel zu schaffen.

Der Schritt ist Teil der Bemühungen, die in EU-Flaggschiffinitiative für den Lebensmittelbereich, der Farm-to-Fork-Strategie, skizziert wurden. Ein Ziel dieser Strategie ist es, den Einsatz und das Risiko chemischer Pestizide bis 2030 zu halbieren und den ökologischen Landbau sowie den Einsatz des integrierten Pflanzenschutzes zu fördern.

Biologische Pestizide sind eine Form der biologischen Schädlingsbekämpfung, bei der lebende Organismen wie Bakterien, Pilze oder Viren als Wirkstoff eingesetzt werden. Diese lebenden Organismen sind von Natur aus krankheitserregend für Schädlinge oder verdrängen sie.

Formen der biologischen Schädlingsbekämpfung werden zwar schon seit langem in diesem Sektor eingesetzt, doch in letzter Zeit haben sie als nachhaltige und umweltfreundliche Alternative zu chemischen Pestiziden rasch an Aufmerksamkeit gewonnen.

Mittlerweile sind in der EU mehr als 60 Mikroorganismen für den Einsatz in der Landwirtschaft zugelassen worden.

Interessenvertreter:innen hatten jedoch kritisiert, dass die Zulassung der biologischen Pestizide bisher durch eine schlecht hierauf zugeschnittene Regulierung behindert werde. So durchlaufen die Mittel für die biologische Schädlingsbekämpfung aktuell im Allgemeinen den gleichen Regulierungsweg wie chemisch aktive Substanzen.

Dieses Fehlen spezifischer Vorschriften bedeutet laut Verbänden, dass Formen der biologischen Schädlingsbekämpfung ihr volles Potenzial noch nicht ausschöpfen konnten, da es derzeit etwa ein Jahrzehnt dauert, bis sie auf den Markt kommen.

Um das Problem zu beheben, sollen die neuen Vorschriften die biologischen und ökologischen Eigenschaften der einzelnen Mikroorganismen in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Risikobewertung stellen. Erst, wenn überprüft worden ist, dass sie sicher sind, können sie als Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln zugelassen werden.

Es wird erwartet, dass dies zu einer beschleunigten Zulassung von Mikroorganismen und damit zu einer schnelleren Zulassung biologischer Pflanzenschutzmittel, die diese enthalten, führen wird.

Die für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Kommissarin Stella Kyriakides begrüßte die Nachricht und erklärte, dass der Übergang zu nachhaltigeren Lebensmittelsystemen bedeute, „Alternativen zu chemischen Pestiziden zu finden, die unseren Planeten und unsere Gesundheit respektieren.“

„Mit diesen neuen Regeln werden wir sicherstellen, dass biologische Alternativen unsere Landwirt:innen noch schneller erreichen können“, sagte sie in einer Erklärung und fügte hinzu, dass die Kommission sich verpflichte, „diesen Prozess zu erleichtern, indem sie die Zahl der biologischen und risikoarmen Alternativen auf dem Markt erhöht.“

„Je mehr Ressourcen wir gemeinsam in die Bewertung von Pflanzenschutzmitteln investieren, desto mehr und sicherere Alternativen werden wir haben, um unsere Verpflichtung zu erfüllen, den Einsatz chemischer Pestizide bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren“, sagte sie.

Eine Vertreterin von CropLifeEurope, das die europäische Pflanzenschutzindustrie vertritt, erklärte gegenüber EURACTIV, die von der Kommission vorgelegten Änderungen seien „definitiv ein Schritt in die richtige Richtung“, um mehr innovative Biopestizide auf den Markt zu bringen.

Sie fügte jedoch hinzu, dass es fürs Erreichen der Farm-to-Fork-Ziele auch wichtig sei, dass die EU-Regulierung eine rechtzeitige Zulassung „für alle Lösungen, seien es Biopestizide oder andere Pestizide, fördert, damit den Landwirten ein komplettes Instrumentarium an wirksamen Produkten zur Verfügung steht.“

Auch der Internationale Verband der Biozidhersteller (International Biocontrol Manufacturers Association, IBMA) begrüßte die Verabschiedung der neuen Vorschriften. Die Organisation betonte jedoch, dass diese überarbeiteten Datenanforderungen zwar ein entscheidender Teil der Umsetzung der Farm-to-Fork-Strategie seien, sie allein aber nicht ausreichten, um die Bereitstellung mikrobieller Produkte an Landwirt:innen zu beschleunigen.

„Das Zulassungsverfahren muss so umgesetzt werden, dass die Zulassung und das Inverkehrbringen in den Mitgliedstaaten innerhalb von ein bis drei Jahren nach der ersten Einreichung erfolgen kann, wie es in anderen Ländern wie den USA und Brasilien bei der biologischen Schädlingsbekämpfung der Fall ist“, betonte der Verband.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]