Krebssterblichkeit: Kroatische Abgeordnete warnt vor Krise

Kroatien gibt rund ein Zehntel mehr für die Behandlung von Krebs aus als der EU-Durchschnitt, hat aber die zweithöchste Sterblichkeitsrate. Im Interview mit EURACTIV Kroatien warnt die EU-Abgeordnete Romana Jerković vor einer Gesundheitskrise.

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Jerkovic ist die Vertreterin der SDP im Europäischen Parlament, Abgeordneten der Progressiven Allianz der Sozialisten und Demokraten (S&D) und Mitglied des Sonderausschusses für die Krebsbekämpfung im Europäischen Parlament. [© European Union 2023 - Source : EP]

Kroatien gibt rund ein Zehntel mehr für die Behandlung von Krebs aus als der EU-Durchschnitt, hat aber die zweithöchste Sterblichkeitsrate. Im Interview mit EURACTIV Kroatien warnt die EU-Abgeordnete Romana Jerković vor einer Gesundheitskrise.

Jerković sitzt für die kroatischen Sozialdemokraten im Europaparlament und ist dort Mitglied des Sonderausschusses für Krebsbekämpfung.

„Kroatien hat sehr schlechte Ergebnisse bei der Krebsbehandlung, wir geben mehr aus und erzielen schlechtere Ergebnisse“, betonte sie gegenüber EURACTIV.

Jerković, die auch Ärztin, Wissenschaftlerin und Professorin an der Medizinischen Fakultät in Rijeka ist, lobte Kroatiens Nationalen Strategischen Rahmen zur Krebsbekämpfung, wies aber auch darauf hin, dass das Dokument Fragen über die Verwendung von Geld zur Krebsbekämpfung aufwerfe.

Sie bedauere, dass die EU-Gesundheitspolitik zwar eine Reihe von wissenschaftlich fundierten und qualitativ hochwertigen Leitlinien für Verbesserungen biete, jedoch die Entscheidung, ob diese umgesetzt werden, ausschließlich von den Mitgliedsstaaten getroffen werde.

Die Europaabgeordnete fuhr fort, dass sich Kroatien bei der Umsetzung von Strategien und Plänen ernsthaft im Rückstand befinde, wobei vieles weiterhin nicht umgesetzt wurde.

„Der Nationale Plan zur Krebsbekämpfung ist leider der beste Beweis dafür. Kroatien hat sehr schlechte Ergebnisse bei der Krebsbehandlung, die Patienten kommen erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit in unser System, wir verzeichnen die zweithöchste Sterblichkeitsrate bei dieser Krankheit in der EU und gleichzeitig geben wir 11 Prozent mehr für die Onkologie aus als der EU-Durchschnitt“, erklärte sie.

Trotzdem ist Kroatien der erste EU-Mitgliedstaat, der ein nationales Screening-Programm für Lungenkrebs gestartet hat, bei dem eine Niedrigdosis-CT-Methode zum Einsatz kommt.

„Natürlich ist die Einführung des Screenings nur ein wichtiger Schritt, aber er ist nicht der einzige, um Ergebnisse zu sehen und die Sterblichkeit zu senken. Wir brauchen auch mehr öffentliche Gesundheitskampagnen zum Rauchen“, erklärte Jerković und verwies unter anderem auf Rauchverbote in Innenräumen als potenzielle Maßnahme.

Als Hauptproblem, das zur hohen Todesrate bei Krebspatienten führe, sieht die Abgeordnete, „dass die Patienten zu spät in unser System kommen und ihre Krankheit in einem bereits fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert wird, wenn die Prognosen schlechter und die Überlebenschancen geringer sind.“

Die Situation werde durch die Streichung einiger Screening-Programme wie dem Gebärmutterhalskrebs-Programm im Jahr 2016 noch verschärft. Versuche, ein solches Programm wiederzubeleben, könnten durch einen Mangel an Informationen darüber behindert werden, welche Einrichtungen zur Verfügung stehen, um den Menschen zu helfen.

 Haupthindernis bei der Lösung des Problems sei der politische Wille.

„Das größte Problem ist, dass es keinen politischen Willen gibt“, so Jerković. „Es gibt keine andere Rechtfertigung, denn wir haben das Wissen, die Leitlinien und die Kofinanzierung, die uns aus EU-Mitteln angeboten wird.“